44 Jahre war Georges Wohlgensinger auf der Mosnanger Gemeindeverwaltung für die Finanzen zuständig – nun geht er in Pension

Die Nachfolge des 63-Jährigen übernimmt die 20-jährige Antonia Kamer, die wie der Neu-Pensionierte ebenfalls in Mühlrüti aufgewachsen ist.

Beat Lanzendorfer
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Georges Wohlgensinger hatte am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. Antonia Kamer ist seine Nachfolgerin.

Georges Wohlgensinger hatte am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. Antonia Kamer ist seine Nachfolgerin.

Bild: Beat Lanzendorfer

Personalcomputer, Informatik, Server, Digitalisierung – Wörter, die heute alltäglich sind, kamen 1976 im Sprachgebrauch der breiten Öffentlichkeit noch nicht vor.

Für Georges Wohlgensinger, der in jenem Jahr am 8. Juni als Verantwortlicher der Gemeindekrankenkasse bei der Gemeinde Mosnang anfing, sollten sie im weiteren Verlauf seines Berufslebens aber noch Bedeutung erlangen.

Die Schreibmaschine war damals noch ein wertvolles Hilfsmittel

Damals wurde aber noch mit der Schreibmaschine gearbeitet. «Kugelkopfschreibmaschine hiess das Ding in den siebziger Jahren. Es hatte sogar ein Korrekturband und die Firma IBM war zu jener Zeit auf diesem Gebiet führend», sagt Georges Wohlgensinger lachend.

Er könne sich auch noch an die Hermes Schreibmaschine erinnern, von der irgendwo sogar noch eine herumstehe.

«In meinen Anfängen konnte es durchaus vorkommen, dass ich einen Text wegen zu vieler Fehler nochmals schreiben musste. Dann hiess es Papier rausziehen, das Neue einspannen und erneut mit Tippen zu beginnen.»

Er ist in Mühlrüti aufgewachsen

Aufgewachsen ist der langjährige Finanzverwalter der Gemeinde Mosnang in Mühlrüti, wo er auch die Primarschule besuchte. «Die Sekundarschule absolvierte ich in Bütschwil, weil die Oberstufe in Mosnang erst 1989 eingeführt wurde.» Die Schule sollte ihn zeitlebens nicht mehr loslassen, aber dies wusste er in jungen Jahren noch nicht.

Nach der Schulzeit machte er die kaufmännische Lehre auf der Stadtverwaltung in Lichtensteig, konnte dort bis zur Rekrutenschule in Frauenfeld bleiben und begann anschliessend wie oben erwähnt auf der Gemeinde Mosnang. «Jede Gemeinde führte damals noch eine eigene Krankenkasse, jene in Mosnang hatte 1200 Mitglieder.» Und weiter:

«Die Prämien waren sehr günstig, weil es die Menschen vorzogen, nicht bei jedem Wehwehchen zum Arzt zu rennen. Sie hätten dafür nach Bütschwil müssen, weil es im Dorf keinen gab.»

Georges Wohlgensinger begann seine Tätigkeit auf der Gemeindeverwaltung als der legendäre Otto Bürge das Gemeindepräsidium inne hatte und auch Präsident der Primarschule war. «Weil Albert Stillhard, der damalige Kassier der Primarschule gesundheitlich angeschlagen war, habe ich ihn unterstützt und später von ihm das Amt übernommen.»

Viele Veränderungen in den achtziger Jahren

Die Achtziger sollten die Jahre der Veränderungen werden. 1985 wurde die Einführung der Oberstufe beschlossen, die mit dem Bau des Schulhauses vier Jahre später startete.

Georges Wohlgensinger übernahm im Nebenamt das Aktuariat der Primarschule, während die Buchhaltung der Oberstufe in die Finanzverwaltung der Gemeinde integriert wurde, deren Leiter er mittlerweile war. Später kam auch noch die Buchhaltung der Primarschule Libingen hinzu.

«Bis zur Einheitsgemeinde 2009 war die Schule in Mosnang ein nicht ganz einfaches Konstrukt. Es gab jeweils eine Primarschule in Mühlrüti und in Libingen sowie jene in Mosnang, der auch Dreien und Wiesen angehörten und dann natürlich noch die Oberstufe in Mosnang.»

Drei Computer für die Verwaltung

Die Anfänge der Informatik, wie man sie heute kennt, gehen auf die neunziger Jahre zurück. «Es muss so um das Jahr 1990 gewesen sein, als die Gemeinde Mosnang drei Personalcomputer anschaffte. Einen für den Ratsschreiber, einen zweiten teilten sich das Steueramt und die Finanzverwaltung und der dritte stand in der Einwohnerkontrolle. Sehr teuer in der Anschaffung und für heutige Verhältnisse sehr begrenzt leistungsfähig», erklärt Wohlgensinger mit einem Schmunzeln.

Er fand sich im neuen Zeitalter aber sehr gut zurecht, denn bis zu seiner Pensionierung war er auch Verantwortlicher der EDV. «Selbstverständlich konnten wir externe Hilfe beanspruchen, was bei der komplexen Materie nicht mehr anders möglich ist.» Besonders gefordert war er jeweils, wenn alle fünf bis sechs Jahre ein neuer Server den alten ersetzte.

Georges Wohlgensinger hat in seinen 44 Jahren auf der Gemeindeverwaltung lediglich mit drei Gemeindepräsidenten zusammengearbeitet. Mit Otto Bürge von 1976 bis 1992, ab 1993 mit Bernhard Graf, und zuletzt während knapp vier Jahren mit Renato Truniger.

«Ich bin mit allen
Gemeindepräsidenten
zurecht gekommen.»

Nun beginnt für den 63-Jährigen, der nebst der Leitung der Finanzverwaltung auch viele Jahre das Betreibungsamt führte und ebenso als Friedensrichter amtete, ein neuer Lebensabschnitt.

Mit dem VW-Bus durch Europa

Er freue sich darauf, denn rund um sein Haus in Mosnang, das er mit Ehefrau Helen bewohnt, gäbe es einiges zu erledigen, das in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sei. Er denkt da an die Erneuerung des Weihers und an die Hochbeete, die am Zahn der Zeit nagen.

Und dann ist da noch der umgebaute VW-Bus, mit dem das Ehepaar Wohlgensinger Europa näher kennenlernen möchte. Die Feuertaufe mit einer Reise nach Italien und Kroatien hätten sie bereits hinter sich. Wandern sei ebenfalls ein Hobby, für das jetzt hoffentlich noch mehr Zeit bleibe.

Was bleibt ihm besonders aus seinem Berufsleben in Erinnerung? «Ich bin ein Zahlenmensch, deshalb war ich auf der Finanzverwaltung sicher gut aufgehoben.» Er hätte die Tätigkeiten bei der Schule aber genauso genossen.

«Ich war immer mit Herz bei der Sache, ich denke, das haben die Menschen auch gespürt, mit denen ich zu tun hatte.»

Er gehe gerne in die Pension, denn er wisse das Amt mit seiner Nachfolgerin Antonia Kamer in guten Händen. «Es ist schön, wenn man aufhören kann und die Nachfolge ist geregelt». Und bei Fragen sei er ja nicht ab der Welt.

Flottes Tempo

Antonia Kamer, die von Georges Wohlgensinger das Amt der Mosnanger Finanzverwaltung übernommen hat, legt in ihrer beruflichen Karriere ein flottes Tempo hin.

In Mühlrüti aufgewachsen, absolvierte die 20-Jährige eine kaufmännische Ausbildung bei der Gemeindeverwaltung.
Nach Beendigung dieser konnte sie im Mosnanger Gemeindehaus bleiben und wurde die letzten 18 Monate behutsam als Nachfolgerin für Georges Wohlgensinger aufgebaut.

In ihrer Freizeit macht sie gerne Aerobic, zudem ist sie Mitglied beim STV Kirchberg. (bl)