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140 Mitglieder des SAC Toggenburg schleppten sieben Tonnen Material zur Zwinglipasshütte hinauf

«Höttäträgätä» nennt sich das Ritual, das jedes Jahr am letzten Samstag im Juni Menschen im Obertoggenburg zusammenbringt. Die Mitglieder des SAC Toggenburg versorgen die Hütte auf dem Zwinglipass oberhalb von Wildhaus mit allem, was für die Sommersaison benötigt wird.
Beat Lanzendorfer
Die 140 Freunde und Mitglieder des SAC Toggenburg schleppten in rund vier Stunden sieben Tonnen Material zur Zwinglipasshütte hinauf. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die 140 Freunde und Mitglieder des SAC Toggenburg schleppten in rund vier Stunden sieben Tonnen Material zur Zwinglipasshütte hinauf. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Strapazen können glücklich machen. Was bringt Menschen dazu, frühmorgens um vier das Bett zu verlassen, um 105 Minuten später pünktlich beim Parkplatz Chuchitobel in Wildhaus zu sein?

«Höttäträgätä» heisst das Ereignis, das jedes Jahr am letzten Samstag im Juni weit über hundert Menschen ins obere Toggenburg lockt. Im Kollektiv wird Material zur Zwinglipasshütte hinaufgeschleppt, damit in den nächsten drei Monaten Wanderer mit Speis und Trank verwöhnt werden können.

Die «Höttäträgätä» ist generalstabsmässig organisiert

Bevor das Abrackern beginnt, geht es mit Autos und Kleinbussen zur Alp Tesel. Während die Menschen ab hier zur Chraialp marschieren, wird das Material mit der Transportbahn hinaufbefördert. Dort beginnt jener Teil, der sich Tage später in Form von Muskelkater an Stellen des Körpers bemerkbar machen wird, die bisher eher weniger bekannt waren.

Das Material wird mit der Transportbahn via Alp Tesel zur Chraialp befördert. Von dort geht es zu Fuss hoch zur Zwinglipasshütte. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das Material wird mit der Transportbahn via Alp Tesel zur Chraialp befördert. Von dort geht es zu Fuss hoch zur Zwinglipasshütte. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Gewicht und Volumen darf jeder selbst bestimmen – er oder sie macht es ja freiwillig. Zwischen zehn und dreissig Kilogramm sind es aber schon, welche pro Mal auf dem Rücken hinauf zur Zwinglipasshütte getragen werden. Das Ritual wiederholt sich mehrmals, bis die sieben Tonnen Material auf 2000 Meter Höhe verstaut sind. Das Ereignis «Höttäträgätä» ist generalstabsmässig organisiert. Wer oben ankommt, wird von fleissigen Helfern empfangen, die wissen, was in welchem Keller wo untergebracht wird.

Die Säcke, beladen mit Holz, hinaufgetragen von starken Frauen und Männern, wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Säcke, beladen mit Holz, hinaufgetragen von starken Frauen und Männern, wiegen zwischen 20 und 30 Kilogramm. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Hüttenchef Hans Egli kann sich auf ein Team um Elisabeth Calzaferri und Ruth Lüthi verlassen, das schon Wochen im Voraus mit den Arbeiten begonnen hat. Dazu zählen die vier Tonnen Holz, die von den SAC-Senioren in Wattwil zu Scheitern verarbeitet, verpackt und hoch zur Chreialp befördert wurden.

Gerstensuppe besser als jeder Fünfgänger

Was hier in wenigen Sätzen abgetan wird, endet nach vielen Schweisstropfen, Schmerzen und dem Überwinden des inneren Schweinehundes nach rund vier Stunden. Nun folgt jener Teil, in dem einem bewusst wird, dass man hier oben das «Brot mit Gerstensuppe» mit nichts anderem auf der Welt tauschen würde. Das einfache Mahl nach getaner Arbeit schmeckt besser als jeder Fünfgänger.

Das verantwortliche Hüttenteam um Hüttenchef Hans Egli leistete viel Vorarbeit. Links Elisabeth Calzaferri, rechts Ruth Lüthi. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das verantwortliche Hüttenteam um Hüttenchef Hans Egli leistete viel Vorarbeit. Links Elisabeth Calzaferri, rechts Ruth Lüthi. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Es ist auch jener Teil, in dem Hüttenchef Hans Egli den Geist der Zwinglipasshütte beschreibt, zu dem der vor kurzem verstorbene Eugen Kressibucher viel beigetragen hat. 21 Jahre als Hüttenchef tätig, können die Mitglieder noch heute von seinen Taten profitieren.

Vielleicht sind es genau jener Geist und jene Errungenschaften, welche die Mitglieder zum Mithelfen animieren. Am Samstag waren es 140. «Das ist ein neuer Rekord. Mehr hatten wir nur letztes Jahr, als die Zwinglipasshütte nach dem Erweiterungsbau eröffnet wurde», zeigte sich Hüttenchef Egli erfreut. Wer einmal dabei war, kommt immer wieder – Ruedi Brunner mit seinen 67 Jahren schon zum 48. Mal.

Max Seiler aus Rickenbach war mit 79 Jahren der älteste Teilnehmer. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Max Seiler aus Rickenbach war mit 79 Jahren der älteste Teilnehmer. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Klein angefangen hat Vitus aus Wildhaus. Der Einjährige war der Jüngste und hatte gemäss Mutter Rosi Ziener beim Hochtragen im Tragtuch ein Holzscheit in der Hand. Den Gegenpart bildete Max Seiler aus Rickenbach. Der langjährige Präsident des SAC Toggenburg liess sich das Ereignis auch mit seinen 79 Jahren nicht entgehen. Während Zieners aus dem Toggenburg sind, kommen die Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen. Den weitesten Weg nahm Herbert Weigel auf sich, der für die «Höttäträgätä» aus Berlin anreiste.

Zwei Jubiläen im kommenden Jahr

Nach dem Erweiterungsbau der Zwinglipasshütte möchte das Team das Angebot ausbauen. Zum Wochenendbetrieb kommt jeweils in den Sommer- und Herbstferien ein Vollbetrieb hinzu. Diesen möchte man nun auch zwischen den Ferien von Mitte August bis Ende September anbieten – freiwillige Helfer werden dafür noch gesucht.

In Planung sind auch Höhenfeuer, die am 1. August auf allen Churfirsten brennen sollen. Und mit dem Jubiläum 50 Jahre Zwinglipasshütte und 150 Jahre SAC Toggenburg sind 2020 bereits zwei weitere Ereignisse in Vorbereitung.

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