140 Jahre sind genug – Ja zur Sanierung des Goldenen Bodens in Lichtensteig

Die Werkleitungen unter dem Goldenen Boden im Städtli werden saniert, auch die über 140 Jahre alten Wasserleitungen. Der dafür bestimmte Kredit wurde in der kommunalen Volksabstimmung vom 10. März klar angenommen.

Martin Knoepfel
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Der Goldene Boden in Lichtensteig wird dieses Jahr zur Baustelle. Die Werkleitungen werden erneuert. (Bild: Anina Rütsche)

Der Goldene Boden in Lichtensteig wird dieses Jahr zur Baustelle. Die Werkleitungen werden erneuert. (Bild: Anina Rütsche)

Die Wasserleitungen im Goldenen Boden seien über 140 Jahre alt, und auch die Abwasserleitungen seien schadhaft, schrieb der Gemeinderat im Gutachten zu Handen der Stimmbürger.

Offensichtlich leuchte diese Argumentation den meisten Lichtensteigerinnen und Lichtensteigern ein. Am Sonntag, 10. März, genehmigten die Stimmbürger einen Kredit von 1,25 Millionen Franken für die Sanierung der Werkleitungen im Goldenen Boden und in angrenzenden Gassen. 334 Ja- standen 58 Nein-Stimmen gegenüber. Die Neins machten nur 15 Prozent der Stimmen aus. Die Beteiligung lag bei 31,4 Prozent.

Dass das Volk den Kredit angenommen hat, kommt nicht überraschend. Im Vorfeld der Abstimmung hatte es keine kritischen Leserbriefe im «Toggenburger Tagblatt» gegeben. Auch die Ortsparteien hatten sich nicht gegen den Kredit gestellt.

Kanalisation wird aufs Trennsystem umgestellt

Die Werkleitungen würden vollständig erneuert. An einigen Stellen werde das Netz erweitert, heisst es im Gutachten für die Stimmbürger. Hingegen ist nicht vorgesehen, Fernwärmeleitungen zu legen. Der Gemeinderat weist darauf hin, dass in diesem Gebiet Gasleitungen liegen und beurteilt eine Erschliessung mit der Fernwärme als zu teuer.

Ein grössere Änderung gibt es bei der Entwässerung, die heute im Mischsystem funktioniert. Das heisst, dass das Schmutz- und das Meteorwasser über die gleichen Rohre in die Kläranlage fliessen. Wie das Gesetz es verlangt, wird die Entwässerung aufs Trennsystem umgestellt. Das Schmutzwasser aus den Häusern fliesst weiterhin in die Kläranlage. Die Mischwasserkanalisation wird erneuert und nimmt künftig das Schmutzwasser aus den Häusern auf. Daneben wird ein Meteorwassernetz erstellt, dass das auf Plätze und Wege niederprasselnde saubere Wasser in ein Regenklärbecken und dann in die Thur leitet.

Stromnetz erneuern und ausbauen

Die SAK würden das Stromnetz erneuern und ausbauen. Das werde die Versorgungssicherheit verbessern, schreibt der Gemeinderat. Bei den Glasleitungen und bei den Rohrleitungen der Swisscom seien nur punktuell Arbeiten nötig, heisst es im Gutachten. Künftig sollen alle Liegenschaften mit schnellem Internet versorgt werden, weil die Thurwerke Glasfaserkabel in die von den SAK verlegten Rohre einführen.

Die auf dem Goldenen Boden vorhandene Pflästerung soll laut Gutachten des Gemeinderats demontiert und nach Bauende vollflächig wieder erstellt werden. Soweit als möglich würden die bestehenden Steine wiederverwendet. Gestalterische Änderungen seien nicht geplant, versichert der Gemeinderat. Nicht ausgeschlossen sind kleine Änderungen bei der Möblierung.

Grossteil der Kosten wird über Gebühren finanziert

Das Gutachten des Gemeinderats beziffert die Kosten des Projekts auf 1,25 Millionen Franken. Deshalb brauchte es eine Volksabstimmung. 860'000 Franken entfallen auf die Strassenbauarbeiten, davon mehr als 200'000 Franken auf Pflästerungen und Abschlüsse. Das Projekt und die Bauleitung kosten 100'000 Franken.

462'033 Franken werden der Abwasserrechnung belastet. Dazu kommen 255'249 Franken der Funktion Wasser. Diese Kosten von zusammen über 0,7 Millionen Franken werden über die Wasser- und die Abwassergebühren finanziert. 328'627 Franken kommen aus Steuergeldern für die Kosten der Strasse, des Platzes und der Beleuchtung. Etwas mehr als 200'000 Franken bezahlen Dritte, etwa die SAK oder die Swisscom.

Da die Löschwasserversorgung in diesem Gebiet ungenügend ist, geht der Gemeinderat davon aus, dass sich die kantonale Gebäudeversicherung an den Kosten beteiligen wird. Entsprechende Anträge seien eingereicht worden, heisst es.

Aufteilung der Bauarbeiten in Etappen

Die Bauarbeiten sind in mehreren Etappen für den Zeitraum von März bis November geplant, mit Rücksicht auf Veranstaltungen wie beispielsweise die Jazz-Tage mit einem Unterbruch im August und im September.

Eine öffentliche Auflage ist nach Auskunft von Stadtpräsident Mathias Müller in diesem Fall nicht nötig. Der Auftrag wurde schon vergeben – unter Vorbehalt. Es brauche noch Absprachen mit dem Unternehmer und mit der Kantonsarchäologie, obwohl man nicht mit wichtigen Funden rechne, sagte Mathias Müller.

Gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt» zeigte sich der Stadtpräsident sehr erfreut über das klare Ja. Das Projekt sei ja schon länger in Planung. Nun könne man es vorantreiben. Mathias Müller geht davon aus, dass Lichtensteig in etwa fünf Jahren den Rückstand bei der Erneuerung der Infrastruktur aufgeholt haben wird. Vor Beginn der Bauarbeiten werde man bei allen betroffenen Häusern allfällige Mauerrisse dokumentieren. Nach dem Ende der Bauarbeiten würden die Häuser wieder inspiziert, damit man wisse, ob sich neue Risse gebildet hätten, versichert der Gemeinderat im Gutachten.