Damals: 1000-Kilo-Eisblock in Holzbausystem

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Zimmerleute versenken den Eisblock im Holzhaus. In zwei Wochen wird er wieder gewogen. (Bild: PD)

Zimmerleute versenken den Eisblock im Holzhaus. In zwei Wochen wird er wieder gewogen. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

4. September: Neckertal. Brand des Ferienheims Auboden. In der Samstagnacht um die elfte Stunde wurde das liebliche Neckertal plötzlich von grellem Feuerschein fast taghell beleuchtet und bald gellten die Feuerhörner in den Dorfschaften. Das Ferienheim Auboden brennt! So ging der Schreckensruf von Haus zu Haus. Verhältnismässig rasch rückten die Feuerwehren aus allen Richtungen ein; allein das Brandobjekt liegt so weit von den Ortschaften entfernt, dass doch kostbare Zeit verstrich, ehe an das Rettungswerk oder gar an Löschversuche herangetreten werden konnte.

Zudem verhinderte der eingetretene Wassermangel ein wirksames Bekämpfen des Feuers. Eine zirka 500 Meter lange Schlauchleitung wurde schliesslich von einem Hydranten vom Furth her möglich, dann traf auch die Motorspritze von Dicken ein; aber inzwischen hatte das entfesselte Element so weit um sich greifen können, dass an eine Rettung des grossen und prächtigen Hauses nicht mehr gedacht werden konnte und heute ist ein Stück Heimatschutz, ein originelles Toggenburgerhaus, in einen wüsten Trümmerhaufen verwandelt.

Vor 50 Jahren

4. September: Wattwil. Wattwil hat zwei Kirchen. Die neue katholische Kirche wird eingeweiht. Nach vielen hundert Jahren trennen sich die Wege der Kirchgänger. Es findet eine ökumenische Abschiedsfeier in der alten Kirche statt. Simultanverhältnisse sind aus der Not der Reformationszeit herausgewachsen. Die eidgenössischen Landfrieden trafen den politischen Entscheid, dass in den gemeinen Vogteien die kirchlichen Gebäude sowohl dem alten wie dem neuen Kult zur Verfügung zu stehen hätten.

Kern des Simultanverhältnisses war deshalb immer ein Gebrauchsrecht mehrerer Konfessionen an einer Kirche, und an diese kultische Seite schloss sich erst das gemeinsame Vermögensrecht am Kirchen- und Pfrundgut. Zum Geleit. Endlich können die Katholiken von Wattwil ihre eigene Kirche beziehen. Was vielen lange unmöglich, anderen auch nicht wünschenswert schien, ist zustande gekommen: das Simultanverhältnis konnte zu beidseitiger Zufriedenheit gelöst werden, und die Katholiken haben in der Grüenau eine neue Kirche gebaut, ja noch mehr, mit ihr auch ein Pfrundhaus und ein Pfarreiheim, also ein Pfarreizentrum.

Vor 20 Jahren

31. August: Ebnat-Kappel. «Gill – Gemeinsam im Leben lernen». Noch vor den Sommerferien nahmen die Primarschüler von Kappel ihr neues Schulhaus in der Gill mit einer «Züglete» in Beschlag. Am Samstag wurde die «Gill» in einem Festakt Lehrerschaft und den Schülern übergeben. Die Musikanten der Musikgesellschaft Harmonie umrahmten das vormittägliche «Gipfeltreffen», zu dem der Schulrat Ebnat-Kappel eine stattliche Schar Gäste eingeladen hatte. Mit Müh’ und Not konnten die Musikanten gegen die steife Brise aus Nordost ankämpfen.

Den Willkomm auf dem Pausenplatz in der Gill überbrachte Schulratspräsident Stephan Vetsch. In seiner Laudatio riet er seinen Gästen, sie möchten das Verhalten der Schuljugend gegenüber dem neuen Schulhaus als Massstab nehmen. «Mir ist aufgefallen, und es freut mich, wie spontan die Schüler ihr neues Schulhaus und deren Anlagen ohne grosses Aufhebens in Beschlag nahmen. Es scheint, als hätte das Schulhaus schon Jahre in der Gill gestanden. So ist unsere Jugend. Sie ist bereit, spontan Neues aufzunehmen und sich dort einzubringen», sagte Stephan Vetsch.

Vor 10 Jahren

1. September: Wattwil. Wird es zu heiss für das Eis? Auf dem Bräkerplatz in Wattwil wurde ein 1000-Kilo-Eisblock in einem Toggenburger Holzbausystem deponiert. Die Eisblock-Aktion war der Startschuss für das Lernfestival zum Thema Energie am BWZT in Wattwil, das in zwei Wochen im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard durchgeführt wird. Mehrere Holzbaufirmen haben als Mitglieder der IG Holz Toggenburg in den letzten Wochen das Eisblockhäuschen produziert, das für zwei Wochen auf dem Bräkerplatz in Wattwil steht. Es ist aus Toggenburger Holz und Isolation gebaut.

Das Bausystem ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit. Im Haus steht seit Freitag ein Eisblock, inklusive Palette exakt 1000 Kilogramm schwer. Angeliefert hat ihn ein Kühlwagen bei sommerlichen Temperaturen, und mit einer knappen halben Stunde Verspätung, fünf Minuten später stand er bereits im Haus. Die Zimmerleute setzten das Dachelement auf, fertig. Die Wartezeit wurde mit Ansprachen überbrückt. Die Holzbauunternehmer wollen beweisen, wie effizient und umweltfreundlich mit Holz isoliert werden kann. Das Baumodul der Toggenburger soll Serienreife und den Minergiestandard erlangen.