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100-Jährige Toggenburgerin: Ein Glas Milch jeden Tag machts aus

Ihr Leben begann an einem Sonntagmorgen, genauer am 7. Juli 1918 in Ennetbühl. Dies in jenem Haus, in dem Frida Roth schon seit 99 Jahren lebt und vor kurzem ihren 100. Geburtstag feierte.
Emilie Jörgensen
Frida Roth hat noch heute Freude an ihrer Leidenschaft zur Handarbeit. (Bild: Emilie Jörgensen)

Frida Roth hat noch heute Freude an ihrer Leidenschaft zur Handarbeit. (Bild: Emilie Jörgensen)

Als Frida Roth knapp ein Jahr alt war, kaufte ihr Vater, der eigentlich Sticker war, einen Bauernhof in Steinebach in Ebnat-Kappel. Die Familie zog in das grosse Haus, in dem Frida Roth nun schon seit 99 Jahren in verschiedenen Wohnungen wohnt. Zusammen mit ihrem grossen Bruder Jakob und ihrer kleinen Schwester Elisa hatte Frida Roth eine glückliche Kindheit auf dem Bauernhof.

Während acht Jahren ging sie in Brandholz in die Schule zum Lehrer Kuhn und besuchte ebenfalls die Arbeitsschule, welche sie besonders mochte, da sie hier das Lismen und Häkeln lernte. «Gewöhnlich haben nur die Buben einen Beruf gelernt, denn die Mädchen würden sowieso irgendwann heiraten, da brauchen sie keinen Beruf zu erlernen», erzählt Frida Roth von damals.

Sie wollte aber ihr eigenes Geld verdienen und so konnte sie für einen Monatslohn von 25 Franken in einem Handarbeitsladen im Dorf arbeiten. Ein Beruf, der ihr sehr gefiel, denn Frida Roth lismet und häckelt noch heute lieber, als im Stall zu helfen oder auf der Wiese zu heuen.

Keine Wahl ohne Frida Roths Stimme

Am Palmsonntag 1935 wurde Frida Roth in der Kappler Kirche konfirmiert. Die junge Kirche war der Treffpunkt von ihr und ihren Freunden. Hier trafen sie sich jeden Donnerstag im Pfarrhaus. Es wurden Skilager, Wanderausflüge und Velotouren geplant. «Ich kann nicht sagen, wie oft ich mit den Skiern in den Tanzboden gelaufen bin, denn manchmal habe ich es an einem Tag gleich zweimal gemacht», erzählt Frida Roth mit einem breiten lächeln. Bei der jährlichen Wanderung auf den Speer war sie auch immer mit dabei.

Sogar über das Frauenstimmrecht wurde diskutiert. «Ich habe das Frauenstimmrecht genossen und bis heute habe ich an jeder Abstimmung meine Stimme abgegeben», sagt die 100-Jährige. 1937 besuchte Frida Roth den Samariter-Kurs, in dem sie rund 30 Jahre aktiv mit dabei war, 15 davon als Kassiererin. Auch beim Skiclub war sie dabei, an Wettkämpfen nahm sie jedoch nicht teil. 1951 heiratete Frida Roths Schwester Elisa und ihr Mann zog zu ihr nach Ebnat-Kappel, um den Bauernhof des Vaters weiterzuführen. Frida Roths Vater verstarb im Jahr 1956, weshalb sie und ihre Mutter in eine kleinere Wohnung im grossen Haus zogen.

Ein Leben voller Ereignisse

Vier Jahre nach dem Tod ihres Vaters verschlechterte sich der gesundheitliche Zustand ihrer Mutter sehr stark. So entschied sich Frida Roth im Herbst 1960, nach 27 Jahren, die Türen des Handarbeitsladens zu schliessen, um sich zu Hause um ihre Mutter zu kümmern. «Damals gab es keine Spitex oder ein Pflegeheim. Wir hätten meine Mutter nach Wil in die Pflegeanstalt geben müssen. Das war mir aber zu weit weg», sagt die 100-Jährige. Nach wenigen Jahren verstarb auch ihre Mutter und Frida Roth befasste sich mit der Frage, wie sie nun ihre Zeit verbringen soll.

Ihre Schwester brachte in der Zwischenzeit vier Kinder zur Welt, obwohl sie selber viel auf dem Bauernhof helfen musste. Deswegen pflegte Frida Roth ihre Nichten und Neffen, denn Arbeit gab es genug, da schon bald das fünfte Kind auf dem Weg war. «Ich durfte mich um die Kinder kümmern, bin mit ihnen viel gewandert oder Ski gefahren. Sie waren wie meine eigenen Kinder, denn ich selber hatte keine», erzählt Frida Roth. «Täglich ein grosses Glas Milch und meine Zufriedenheit, das ist mein Geheimnis. Und ich würde mein ganzes Leben genau gleich gestalten», antwortet Frida Roth auf die Frage, wie man lange und glücklich lebt. «Für die vielen Glückwünsche zu meinem 100. Geburtstag möchte ich allen herzlich danken. Ich bin aber auch der Spitex sehr dankbar, dass ich mit ihrer grosszügigen Hilfe heute noch zu Hause wohnen darf. Wie lange noch, das weiss niemand, denn das liegt in einer höheren Macht», sagt Frida Roth zum Abschluss mit einem warmen Lächeln.

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