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10 Jahre Gemeinde Neckertal – Gemeindepräsidentin Vreni Wild: «Wir haben die Weichen richtig gestellt»

Zehn Jahre nach der Fusion von St.Peterzell, Brunnadern und Mogelsberg blickt Gemeindepräsidentin Vreni Wild auf das Erreichte.
Urs M. Hemm
Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von St. Peterzell, feierte gemeinsam mit Hans Bütikofer, Gemeindepräsident von Mogelsberg, (links) sowie mit Adolf Fäh, Gemeindepräsident von Brunnadern, die vollzogene Fusion der drei Gemeinden. (Bild: Sabine Camedda, 2009)

Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von St. Peterzell, feierte gemeinsam mit Hans Bütikofer, Gemeindepräsident von Mogelsberg, (links) sowie mit Adolf Fäh, Gemeindepräsident von Brunnadern, die vollzogene Fusion der drei Gemeinden. (Bild: Sabine Camedda, 2009)

«Es war ein ehrgeiziger Plan, den wir damals verfolgt haben, aber in Anbetracht der düsteren Aussichten für kleine Gemeinden der einzig richtige Schritt», sagt Vreni Wild. Sie ist heute Gemeindepräsidentin der Gemeinde Neckertal, die vor zehn Jahren aus der Fusion der drei Gemeinden St.Peterzell, Brunnadern und Mogelsberg entstanden ist. Bis ins Jahr 2009 war sie noch Gemeindepräsidentin von St.Peterzell und bereitete in den Monaten und Jahren zuvor zusammen mit ihren Amtskollegen Adolf Fäh († 2016), Gemeindepräsident von Brunnadern, und Hans Bütikofer († 2013), Gemeindepräsident von Mogelsberg, diese Fusion vor. Vreni Wild erinnert sich:

«Es war das erste Mal überhaupt, dass im Kanton St.Gallen gleich drei Gemeinden über eine Fusion diskutierten.»

Entsprechend habe es keine Blaupause und kein Handbuch für ein solches Vorhaben gegeben. Rückblickend sei das Wichtigste bei den Vorbereitungsarbeiten gewesen, auf die Ängste und Sorgen der Bevölkerung einzugehen und diesen − wo es möglich war − durch entsprechende Entscheidungen zu begegnen. «Dazu gehörte insbesondere, dass wir in allen Punkten immer ehrlich waren. Das Schlimmste wäre gewesen, etwas zu versprechen, was wir nicht einhalten können, nur damit wir das Wohlwollen der Bürgerinnen und Bürger auf unserer Seite haben», sagt Vreni Wild. Ebenso wichtig sei gewesen, die Entwicklung der Dinge nicht zu überstürzen, den Veränderungen Zeit zu lassen.

Heute ist Vreni Wild zufrieden mit dem Resultat und davon überzeugt, mit der Fusion vor zehn Jahren die Weichen für eine bessere Entwicklung des Neckertals richtig gestellt zu haben.

Professionellere und 
effizientere Verwaltung

Im Bereich Verwaltung allerdings konnte anfänglich nicht so viel eingespart werden, wie man es bei der Zusammenlegung dreier Gemeindeverwaltungen erwarten könnte. «Schon vor der Fusion wurden Ämter der drei Gemeinden zusammengelegt, was bereits zu gewissen Reduktionen bei den Stellenprozenten führte», begründet Vreni Wild. Später haben dann durch effizientere Abläufe zwar noch einige zusätzliche Stellenprozente abgebaut werden können, um aber eine gut funktionierende Verwaltung mit entsprechenden Stellvertretungen sicherstellen zu können, sei ein gewisser Personalbestand nötig.

Im IT-Bereich habe sich die Fusion hingegen deutlich bemerkbar gemacht, indem bei Neuanschaffungen anstelle von jeweils drei Programmen nur noch eines gekauft werden musste. Allgemein sei die Arbeit auf der Verwaltung professioneller geworden und das Dienstleistungsangebot habe sogar ausgebaut werden können.

Ein anderer Grund, warum in den Anfangsjahren der «Fusionseffekt» nicht sofort spürbar gewesen ist, war, dass die Verwaltung bis ins Jahr 2016 an zwei Standorten − in St. Peterzell und in Mogelsberg − geführt wurde. «Wir hatten uns damals für diese Variante ausgesprochen, weil es die kostengünstigste Lösung war und ein Neubau aus finanziellen Gründen nicht in Frage kam», sagt Vreni Wild. Nach dem Um- und Ausbau des Standorts Mogelsberg konnte schliesslich im Jahr 2016 die ganze Verwaltung dort konzentriert und das Gemeindehaus in St.Peterzell aufgegeben werden.

Schlagkräftig präsentierte sich die Feuerwehr Neckertal an ihrer Hauptübung im Mai dieses Jahres. (Bild: Urs M. Hemm, 5. Mai 2019)

Schlagkräftig präsentierte sich die Feuerwehr Neckertal an ihrer Hauptübung im Mai dieses Jahres. (Bild: Urs M. Hemm, 5. Mai 2019)

Damit die Gemeinde jedoch nicht auf Liegenschaften sitzen bleibt, die sie nicht mehr benötigt, musste andere Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden. So konnte für das ehemalige Gemeindehaus in St.Peterzell ein Arzt gefunden werden, der mittlerweile ein Ärztehaus mit verschiedenen Angeboten aufgebaut hat. Das alte Gemeindehaus in Brunnadern (von 1993 bis 2009 von der Gemeinde genutzt) wurde zunächst vom Waldwirtschaftsverband SG/FL genutzt. Zuletzt betrieb die Kantonspolizei St.Gallen einen Posten im Haus an der Dorfstrasse bis es im Juni 2019 für 1,2 Millionen Franken an die Evangelische Kirchgemeinde Unteres Neckertal verkauft wurde.

Fusionsbedingte Einsparungen, insbesondere auch durch einen stetig sinkenden Finanzbedarf der beiden Schulgemeinden Schule Neckertal und Schule Oberes Neckertal, ermöglichten es der Gemeinde, den Steuerfuss über die Jahre von 162 Prozent auf 132 Prozent (Stand 2019) zu senken. Begünstigt wurde diese positive Entwicklung zudem durch einen Anstieg der Steuerkraft um acht Prozent.

Stärke durch bereinigte 
Strukturen gewonnen

Auch an anderen Stellen hat die damals neue Gemeinde Neckertal die Strukturen bereinigt. So waren insbesondere die Alters- und Pflegeeinrichtungen in Mogelsberg und Brunnadern einerseits von der Bausubstanz her in die Jahre gekommen und entsprachen nicht mehr dem heutigen Standard. Andererseits war der Betrieb von zwei Häusern mit nur ungenügender Auslastung zu teuer. Aus diesem Grund wurde entschieden, das Alters- und Pflegeheim Mogelsberg zu schliessen und das Alters- und Pflegeheim Brunnadern zu sanieren und in grossen Teilen – inklusive einem neuen Stützpunkt der mittlerweile ebenfalls fusionierten Spitex – neu zu bauen.

Während in Mogelsberg die Tore im Jahr 2012 geschlossen wurden, konnte im Jahr 2015 in Brunnadern die Eröffnung gefeiert werden. In etwa zu gleichen Zeit konnte die Gemeinde Neckertal die Liegenschaft Aesch (Alters- und Pflegeheim Mogelsberg) an die Wohnbaugenossenschaft (Wogeno) Mogelsberg veräussern, die im Sinne eines Mehrgenerationenprojekts heute die Liegenschaft bewohnt und bewirtschaftet.

Das umgebaute Seniorenheim Neckertal ist auch ein Ersatz für das im Jahr 2012 geschlossene APH Mogelsberg. (Bild: Urs M. Hemm)

Das umgebaute Seniorenheim Neckertal ist auch ein Ersatz für das im Jahr 2012 geschlossene APH Mogelsberg. (Bild: Urs M. Hemm)

Zu einer Zusammenlegung kam es auch bei den Werkhöfen. Anstelle von drei Werkhöfen gibt es jetzt nur noch einen, der seinen Standort zentral in St. Peterzell hat. «Die Mitarbeiter sind entsprechend den gestiegenen Anforderungen spezialisiert, beispielsweise als Klärwärter. Zudem steht ihnen modernes Arbeitsgerät zur Verfügung, dessen Kauf sich erst ab einer gewissen Gebietsgrösse gelohnt hat, was mit der Fusion der Fall war», sagt Vreni Wild.

Ähnliche Vorteile hätten sich aus der Fusion der Feuerwehren ergeben. Ueli Tanner, Kommandant der Feuerwehr Neckertal, sagte unlängst: «Wir können heute (nach der Fusion) deutlich professioneller, effizienter und vernetzter arbeiten.» Zudem hätten die Kosten stark gesenkt werden können, da nicht alles mehrfach vorhanden sein muss. Es könne auch einmal mehr in ein Fahrzeug investiert werden, weil die finanziellen Möglichkeiten gestiegen seien. «Gemeinsam erreichen wir viel und sind stark.»

In regelmässigen Austausch 
mit der Bevölkerung

Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung vor der Fusion hätten sich in den wichtigsten Bereichen nicht bewahrheitet. «Dass die Stimme des Einzelnen nicht mehr das gleiche Gewicht hat, ist sicher wahr. Vreni Wild sagt:

Dennoch waren seit der Fusion immer alle Dörfer im Gemeinderat vertreten, so dass die individuellen Anliegen haben eingebracht werden können.»

Dennoch sei es ihr immer wichtig gewesen, dass vor allem das Gesamtwohl der Gemeinde bei allen Entscheidungen im Zentrum gestanden habe. Darüber hinaus hat sich Vreni Wild regelmässig an Dorfgesprächen die Sorgen der Menschen angehört und in die Entscheidungen des Gemeinderates mit eingebracht.

Vreni Wild ist – wie hier an der Bürgerversammlung 2019 – der Austausch mit der Bevölkerung wichtig. (Bild: Urs M. Hemm, 5. April 2019)

Vreni Wild ist – wie hier an der Bürgerversammlung 2019 – der Austausch mit der Bevölkerung wichtig. (Bild: Urs M. Hemm, 5. April 2019)

Auch eine der wichtigsten Stützen der Gemeinde, die Vereine, konnten von der Fusion profitieren. So ist per Reglement die Beitragshöhe der Gemeinde festgelegt und in der Regel der höchste, vorbestehende Ansatz übernommen worden. Zudem wurde die kostenlose Benützung aller Hallen garantiert.

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