TOGGENBURG: «Es ist ein Angebot, kein Zwang»

Der Kauf oder Tausch von Aktien der Bergbahnen Wildhaus AG durch die Toggenburg Bergbahnen AG soll die Region stärken. Deren Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger sagt, dass eine fusionierte Unternehmung besser aufgestellt wäre.

Sabine Schmid
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Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, möchte Mehrheitsaktionärin der Bergbahnen Wildhaus AG werden. (Bild: Jakob Ineichen)

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen AG, möchte Mehrheitsaktionärin der Bergbahnen Wildhaus AG werden. (Bild: Jakob Ineichen)

Seit Samstag wird in der Region gemutmasst, was die Toggenburg Bergbahnen AG mit dem angebotenen Aktienkauf oder -tausch bezwecken will. Nun meldet sich die Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger zu Wort. Ihr Unternehmen wolle proaktiv handeln, bevor die öffentliche Hand einspringen müsse.

Mélanie Eppenberger, warum haben Sie das Kaufangebot für die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus AG gerade jetzt veröffentlicht?
Die Toggenburg Bergbahnen AG möchte mit ihrem Angebot proaktiv helfen, die heutigen wirtschaftlichen Strukturen der Bergbahnen im Obertoggenburg zu verbessern, anstatt darauf zu warten, dass die öffentliche Hand helfen muss.

Warum bieten Sie nur 25 Franken für eine Aktie, die im Rahmen der kürzlich erfolgten Aktienkapitalerhöhung 200 Franken gekostet hat?
Es gibt im Inserat Hinweise darauf, wie die Bewertung zustande kam. Detailliert kann ich mich dazu nicht äussern. Die Aktionäre haben das Recht, ihre Entscheidung frei zu fällen. Sie werden sich nun selber eine Meinung über dieses Angebot bilden.

Finden Sie dieses Angebot fair?
Auch das müssen die angesprochenen Aktionäre entscheiden. Unser Angebot dient dazu, die Region für die Zukunft zu stärken. Unsere heutigen Strukturen mit zwei Unternehmen am selben Berg sind nicht mehr zeitgemäss. Wir können unsere Chancen auf dem hart umkämpften Markt erhöhen, wenn sich unsere Unternehmen zusammenschliessen. Es liegt nun also am Verwaltungsrat und an den Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG, sich zu unserem Angebot zu äussern und folglich für den Alleingang zu entscheiden oder dafür, die Strukturen zu verbessern.

Die Bergbahnen Wildhaus AG hat das Projekt Wildhaus 2.0 lanciert, in dessen Rahmen unter anderem eine neue Sesselbahn und eine neue Beschneiung gebaut werden sollen. Würde dieses Projekt umgesetzt werden, wenn die Toggenburg Bergbahn AG die Aktienmehrheit übernehmen würde?
Zum heutigen Zeitpunkt ist es noch zu früh um zu beurteilen, welche Projekte optimal für die vereinte Struktur Sinn machen. Selbstverständlich würden wir alles daransetzen, um das Gebiet für die Zukunft nachhaltig attraktiv zu gestalten.

Haben Sie bereits Reaktionen von angesprochenen Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG erhalten?
Ja, viele schätzen unser proaktives Vorgehen.

Und von den Aktionären Ihrer eigenen Unternehmung?
Unsere Aktionäre haben schon gute Erfahrungen gemacht mit Fusionen.

Warum haben Sie den Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG eine Frist gesetzt, um auf Ihr Angebot einzugehen?
Eine Frist zu setzen, ist bei solchen Geschäften üblich.

Sie haben vor kurzem Millionen in den Bau des Gipfelrestaurants Chäserrugg und in den neuen
Espellift investiert. Dazu sind weitere Projekte geplant. Wie kann die Toggenburg Bergbahnen AG das angestrebte Übernahmegeschäft überhaupt finanzieren?

Wir würden selbstverständlich eine solche Transaktion nicht offerieren, wenn wir nicht in der Lage wären, sie abzuwickeln. Es wäre schön, wenn viele vom Tauschangebot Gebrauch machen würden und damit auch hinter der zukünftig vereinigten Unternehmung stehen würden.

Jakob Rhyner, der Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG, hat gegenüber unserer Zeitung gesagt, dass der Wert des von Ihnen angestrebten Aktienpakets zum offerierten Preis dem eines Pistenfahrzeugs entspricht. Was sagen Sie dazu?
Ja, er hat recht, Pistenfahrzeuge sind teuer. Aber noch einmal: es ist ein Angebot, nicht ein Zwang. Es geht uns um eine gemeinsame Zukunft und um die Konsolidierung der Strukturen, damit die Region für den Wettbewerb gerüstet ist, denn der Markt wartet nicht auf das Toggenburg. Ich bin zuversichtlich, dass viele Aktionäre das ebenso sehen.

Der Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG muss der Übertragung der Aktien zustimmen. Wie wollen Sie den überzeugen, wenn Sie das angestrebte Aktienpaket erwerben können?
Ich hoffe, dass der Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG einsieht, dass dieser Schritt gut für die Zukunft der Destination und des Toggenburgs ist, und dass er dann gerne seinen Beitrag dazu leistet.

Das am Samstag publizierte Inserat, in welchem Sie den Aktientausch und Aktienkauf anbieten, trägt den Titel «Zur Rettung des gemeinsamen Skitickets im Obertoggenburg». Ist dies ein Druckmittel, weil dieses Ticket von vielen Ein-heimischen und Gästen gewünscht ist?
Wenn wir den Zusammenschluss der beiden Bahnunternehmen erreichen, was langfristig für die Zukunft sinnvoll ist, wird sich die Frage nach einem gemeinsamen Skiticket nicht mehr stellen, denn dann ist es ein für alle Mal gesichert. Das wollten wir mit diesem Titel sagen.