Zugsdrama von Salez: Täter sammelte Messer und Pyros

Zum Gewaltvorfall in einem Zug in Salez mit mehreren Toten werden neue Details bekannt: Der Täter litt psychisch unter seiner Augenkrankheit und hatte wohl auch wegen seines Aussehens nie eine Beziehung. Da er nach der Tat verstorben ist, hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen das Verfahren eingestellt.

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Nach der Tat wurden am Bahnhof Salez Blumen und Kerzen hingestellt. (Bild: Benjamin Manser)

Nach der Tat wurden am Bahnhof Salez Blumen und Kerzen hingestellt. (Bild: Benjamin Manser)

(pd/maw) Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen stellt die Untersuchung wegen mehrfachen Mordes, mehrfacher schwerer Körperverletzung, mehrfacher Gefährdung des Lebens, qualifizierter Brandstiftung, Störung des Eisenbahnverkehrs und Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz ein, weil der Beschuldigte verstorben ist. Das teilt sie am Mittwoch mit. Die beschlagnahmten Vermögenswerte des Beschuldigten in der Höhe von mehreren zehntausend Franken wurden zwecks Fonderrichtung zugunsten der Opfer und Opferangehörigen an die Opferhilfe St.Gallen-Appenzell eingezogen, wie es weiter heisst. Die Einstellungsverfügung ist rechtskräftig.

Der Beschuldigte verliess am 13. August 2016 etwa um 11 Uhr seinen Wohnort und begab sich zum Bahnhof Buchs. Er führte einen Rucksack mit zwei Flaschen Alkylatbenzin, zwei Gasanzündern, drei Dolchen, einem Klappmesser und einem Kreuzbeil mit sich. Um 11.48 Uhr bestieg er am Bahnhof Buchs einen Zug und kam um 12.42 Uhr am Bahnhof Uznach an. Dort setzte er sich um 13.13 Uhr in den Zug Richtung Sargans, der um 13.18 Uhr abfuhr. Auf dieser Bahnfahrt stiegen an verschiedenen Orten die späteren Opfer des Beschuldigten ein. Er verliess um 14.10 Uhr den Zug am Bahnhof Buchs, ging das Perron entlang und betrat dann den letzten Wagen, wo er sich erneut hinsetzte.

17-jährige Frau angezündet

Um 14.15 Uhr fuhr der Zug weiter. Gleichzeitig entnahm der Beschuldigte aus seinem Rucksack zunächst einen Gasanzünder, den er mit einer Lasche an der rechten Hand befestigte. Danach entnahm er laut Mitteilung eine der mit Alkylatbenzin gefüllten Flaschen und öffnete diese. Er ging wenige Schritte auf eine sitzende 17-jährige Frau zu, schüttete den Flascheninhalt über ihren Kopf, zündete sie mit dem an der Hand befestigten Gasanzünder an und flüchtete in Zugsfahrtrichtung davon. Es entstand eine Feuerexplosion um den Körper der 17-jährigen Frau. Ein damals 6-jähriges Mädchen und deren damals 43-jährige Mutter, die in unmittelbarer Nähe sassen, wurden aufgrund der Feuerexplosion verletzt.

Beschuldigter und zwei Opfer erliegen Verletzungen

Der Beschuldigte rannte an einer 34-jährigen Frau vorbei, die ihrerseits versuchte zu fliehen. Der Beschuldigte hielt an, kehrte um, hielt die 34-jährige Frau an der Schulter zurück und stach zwei Mal mit einem mitgeführten Messer auf sie ein. Danach fügte er sich selbst tiefe Schnitt-und Stichverletzungen zu, wie es weiter heisst. Im brennenden Wagon entstand dichter, schwarzer Rauch, der sich über die ganze Zugskomposition ausbreitete und die Zugspassagiere in Gefahr brachte. Automatisch setzte die Sprinkleranlage ein, und die Klimaanlage schaltete sich aus. Der Zug hielt am Bahnhof Salez an, wo die restlichen Passagiere den Zug verlassen konnten. Der Beschuldigte und die 34-jährige Frau erlagen am 14. August 2016 ihren Verletzungen. Die 17-jährige Frau verstarb am 31. August 2016. Das 6-jährige Mädchen erlitt Verbrennungen 3. Grades. Ihre Mutter erlitt ebenfalls mittelschwere Verbrennungen. Der Sachschaden an der S-Bahn betrug mehrere hunderttausend Franken.

Täter war ein Einzelgänger

Der Beschuldigte, der sein Leben lang ein Einzelgänger war, erkrankte in seinem 12. Lebensjahr an einer Augenkrankheit, die sein Aussehen beeinträchtigte. Er litt psychisch unter dieser Beeinträchtigung. Er lebte zurückgezogen und einsam, nachdem sein Arbeitsverhältnis im Januar 2016 aufgelöst worden war. Wohl auch aufgrund seiner Augenkrankheit hatte er zeitlebens nie eine Beziehung, da seine Avancen unerwidert blieben, letztmals im Herbst 2015. Er experimentierte mit brennbaren Substanzen und besass diverse pyrotechnische Gegenstände sowie Messer. Er spielte gewaltverherrlichende Spiele. Diese Faktoren trugen dazu bei, dass der Beschuldigte, der zum Tatzeitpunkt handlungsfähig war, die Tat zwar plante, jedoch ohne auf konkrete Opfer abzuzielen. Auch die Örtlichkeit wählte er zufällig aus.

SALEZ/MELS: Das sind die Helfer von Salez

Die Kantonspolizei St.Gallen hat mit einem Anlass mehreren Personen für ihre Zivilcourage bei der Gewalttat von Salez gedankt. Die anwesenden Personen haben durch ihr beherztes Eingreifen die Einsatzkräfte massgeblich unterstützt.