Todesfalle Wasserwalze – wie eine harmlose Flussdurchquerung fatal enden kann

Wer in einem Fluss baden geht oder ihn durchquert, unterschätzt meist die Gefahren unter der Oberfläche. Besonders Wasserwalzen entwickeln sich oft zu Todesfallen. Wie genau eine solche Wasserwalze funktioniert, erklärt Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft.

Valentina Thurnherr
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Bei Flüssen geht schnell vergessen, dass sich unter der Wasseroberfläche Gefahren verbergen, die einen das Leben kosten können. Die Folgen sind tragische Unfälle wie den der 26-Jährigen und des 30-Jährigen, die am Sonntag in der Thur bei Henau verunglückt sind. Beide seien laut Kantonspolizei St.Gallen rund 30 Meter oberhalb eines Wasserfalls durch den Fluss gelaufen. Das Wasser war an dieser Stelle etwa hüfttief.

Wie schnell eine scheinbar harmlose Flussdurchquerung tödlich enden kann, wurde mit diesem Unfall schmerzlich bewusst. Zu den grössten Gefahren gehören in Flüssen die Wasserwalzen, die bei Wasserfällen, aber auch schon bei kleinen Stufen und Verbauungen in Flüssen auftreten. «Führt ein Fluss wenig Wasser, reicht ein Meter Höhenunterschied schon für eine Wasserwalze», sagt Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG).

Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG)

Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG)

Bild: PD
«Wasser schiesst aus einer erhöhten Position auf eine tiefere und dort entsteht eine Strömung mit Rotationsbewegung wie bei einer Waschmaschine.»

Unter der Walze entstehe ein Rückfluss, der eine Person zurück in die Wasserwalze ziehen könne. Meist bilde sich auch Weisswasser, das so stark mit Luft angereichert sei, dass das Wasser seine Dichte verliert. «Dadurch kann es einen Körper nicht mehr tragen. Diese Kombination ist tödlich, denn man kann sich nicht selbst aus dieser Lage befreien.»

Wasserwalzen sind Todesfallen

«Wegbleiben ist der wirksamste Schutz vor Wasserwalzen», sagt Binaghi. Die meisten Wasserwalzen seien von Menschenhand geschaffen. «Bei diesen Schwellen hat es keine Ausstiegsmöglichkeit, da die meisten Flüsse aufgrund der Hochwasserverbauung begradigt und mit glatten Mauern versehen sind.» Diese könne man alleine unmöglich erklimmen. Am Grund könnten sich zudem Armierungseisen befinden, die wie Fangzähne wirkten. «Auch bei Hilfeversuchen oder Rettungen wird es schwierig bis unmöglich ohne entsprechendes Equipment, das eine Rettung vom Ufer aus ermöglicht», sagt Binaghi. So könne schnell aus einem gut gemeinten Hilfe- versuch ein weiterer Notfall werden.

Idyllisch aber gefährlich: Die meisten Wasserwalzen entstehen von Menschenhand, wie dieses Stauwehr an der Murg.

Idyllisch aber gefährlich: Die meisten Wasserwalzen entstehen von Menschenhand, wie dieses Stauwehr an der Murg.

Archivbild: Nana Do Carmo

In Flüssen verbergen sich jedoch noch weitere Hindernisse unter und über der Oberfläche. Brückenpfeiler als Hindernis, oder Kehrwasser, das sich nach einem solchen Pfeiler bilde und einen Sog erzeugen könne, berge Gefahren. «Oder Wirbel, die einen in die Tiefe ziehen können», sagt Binaghi.

Aus einem Sog oder Wirbel könne man sich aber selbst befreien, indem man sich bis auf den Grund treiben lasse und dann seitlich abstosse.

«Auf keinen Fall dagegen anschwimmen.»

Junge Männer gehören zur Risikogruppe

Die SRLG hat in Partnerschaft mit Visana ihre neue Kampagne «Save your friends» gestartet. «Wenn wir die Fakten anschauen, sind es hauptsächlich junge Männer im Alter zwischen 15 und 30, die in offenen Gewässern ertrinken,» sagt Binaghi. Aus diesem Grund habe die SRLG eine Online-Kampagne gestartet, um so das jüngere Publikum zu erreichen. «Wir setzen vor allem auf Videos, da visueller Inhalt besser ankommt.»

Quelle: Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), saveyourfriends.ch