Todesfall Ded Gecaj: Strafverfahren wird eingestellt

Der ausserordentliche Staatsanwalt, der durch den Kanton St. Gallen mit der Abklärung des Todesfalls Ded Gecaj beauftragt worden ist, hat das Strafverfahren abgeschlossen. Er hat die Untersuchungen gegen die beschuldigten Mitarbeitenden des Kantons St.Gallen eingestellt.

David Grob
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Der Häftling wurde im Gefängnis tot aufgefunden. (Bild: Urs Bucher)

Der Häftling wurde im Gefängnis tot aufgefunden. (Bild: Urs Bucher)

Die Mitarbeiter der St. Galler Justiz haben den Suizid des St. Galler Lehrermörders Ded Gecaj nicht verhindern können. Dies entscheidet der ausserordentliche Staatsanwalt, den der Kanton St. Gallen eingesetzt hat, um den Selbstmord von Ded Gecaj im Regionalgefängnis St. Gallen aufzuklären. Somit wird das Verfahren gegen zehn Beschuldigte eingestellt.

Ende 2010 hatte sich Gecaj in seiner Zelle mit Stoffschlingen aus Kleidern erhängt. Der Kosovare hatte Anfang 1999 in einer St. Galler Realschule den Lehrer seiner Tochter erschossen und wartete auf seinen Prozess. Nach Ansicht der Justiz hatte Gecaj seine Tochter missbraucht.

Familie des Verstorbenen klagt gegen Amtsträger

Nach dem Suizid reichten der Anwalt der Familie sowie der Sohn des Verstorbenen Strafanzeige gegen die beteiligten Strafverfolgungs- und Vollzugsbeamten des Kantons St. Gallen ein. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung. Die kantonale Anklagekammer lehnte es 2013 ab, ein Strafverfahren einzuleiten.

Die Angehörigen klagten beim Bundesgericht, das die Beschwerde guthiess. Die Argumentation der Lausanner Richter: Der Ablauf der Ereignisse werfe die Frage auf, ob die Behördenmitglieder die Suizidgefahr hätten erkennen können. Zu klären war also, ob für die beteiligten Mitarbeiter genügend klare Hinweise auf eine mögliche Selbsttötung bestanden hätten. Offen war damit die Frage, ob eine Suizidgefahr erkennbar gewesen wäre.

Ein Fall, der seit Jahren beschäftigt

Der St. Galler Lehrermord beschäftigt die Schweizer Justiz seit mehr als 15 Jahren. Am 11. Januar 1999 erschoss Ded Gecaj im Realschulhaus Engelwies in St. Gallen den Lehrer seiner Tochter. Nach der Tat flüchtete er nach Kosovo. Im Februar darauf wurde er festgenommen. Ein Gericht in Kosovo verurteilte Gecaj wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Gecaj wurde nach der Hälfte der Strafe entlassen. Die St.Galler Staatsanwaltschaft forderte die Auslieferung. Nach einem langwierigen Prozess wurde Gecaj am 2. September 2010 an die Schweiz ausgeliefert. Am 19. November 2010 wurde Gecaj leblos in seiner Zelle gefunden. Seine Familie erhob schwere Vorwürfe gegen die Schweiz: Gegen Gecaj sei im Gefängnis Gewalt ausgeübt geworden. Das Bundesgericht entschied mit Urteil vom 23. April, dass der Fall neu aufgerollt werden muss.

Wie ein Freispruch

Das St. Galler Sicherheits- und Justizdepartement beauftragte Rolf Jäger, Leiter der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland als externen Staatsanwalt mit der Untersuchung. «Das aufwendige Beweisverfahren mit diversen staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen und Konfrontationen ergab keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten der angezeigten Personen», schreibt der ausserordentliche Staatsanwalt in einer Medienmitteilung von Freitag. Die Mitarbeiter seien ihrer Verantwortung, für die Sicherheit des Häftlings Ded Gecaj zu sorgen, pflichtgemäss nachgekommen.

Im Resultat habe sich somit kein Tatverdacht ergeben. Mit einer Verfügung hat der ausserordentlich Staatsanwalt das Verfahren gegen alle zehn Beschuldigten eingestellt. Er schreibt:

«Die Einstellung kommt einem gerichtlichen Freispruch gleich.»

Die Verfügungen sind noch nicht rechtskräftig.

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