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Tobel-Tägerschen: Die falschen
Tempo-40-Tafeln sind für Autofahrer nicht verbindlich

Nach wie vor gilt Tempo 50 im Hinterthurgauer Weiler Karlishub. Doch die echten Tafeln sind seit einer Woche verschwunden. Unbekannte haben stattdessen 40er Schilder aufgestellt. Die Signalisation ist illegal, Autofahrer müssen sich deshalb auch nicht daran halten.
Ida Sandl
Illegal aufgestellt: die Tempo-40-Tafeln in Karlishub. (Bild: Roman Scherrer)

Illegal aufgestellt: die Tempo-40-Tafeln in Karlishub. (Bild: Roman Scherrer)

Vor einer Woche war die Welt in Karlishub noch in Ordnung. Karlishub ist ein Weiler in der Gemeinde Tobel-Tägerschen, von dessen Existenz bisher wohl nur wenige Thurgauer wussten. Bis vor ein paar Tagen durften Autofahrer mit 50 Stundenkilometern durch den Ort fahren. Dann passierte das Unglaubliche: Unbekannte haben in einer Nacht- und Nebelaktion die sechs 50er-Schilder entfernt und durch Tempo-40-Tafeln ersetzt.

Und jetzt, was gilt? Die falschen Schilder oder die echten, verschwundenen? Kantonsingenieur Andy Heller kann sich nicht vorstellen, dass die illegalen Tempo-Tafeln verbindlich sind. Die Signalisation «ist eigenmächtig und unrechtmässig erfolgt». Ein Autofahrer, der mit 50 durch Karlishub fährt und geblitzt wird, müsse seine Busse deshalb nicht zahlen. «Denn einer richterlichen Beurteilung wird das kaum standhalten», sagt Heller. Es fehlt die rechtsverbindliche Anordnung. In so einem krassen Fall werde die Kantonspolizei aber wohl auch keine Kontrollen durchführen.

Schilder-Diebe müssen mit einer Busse rechnen

Für die Polizei ist der Schilder-Wechsel alles andere als ein Lausbubenstreich, stellt Polizei-Sprecher Mario Christen klar. Sie ermittelt gegen Unbekannt wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Der oder die Täter haben eine Busse zu erwarten, wie hoch sie sein wird, entscheide der Staatsanwalt. Am 20. Februar hat die Gemeinde Strafanzeige eingereicht. Bisher gebe es weder Hinweise auf die gestohlenen Schilder, noch auf die Täter, sagt Christen. Falsche Temposchilder kommen auf den Thurgauer Strassen zwar selten vor, «aber sie kommen vor», sagt Heller.

Signalisation ist Sache des Kantons

Manchmal sind es auch die Gemeinden selber, die kurzerhand auf ihrem Gebiet Tempo-30-Tafeln aufstellen. Diese Schilder sind nicht verbindlich. Denn im Thurgau ist allein das Departement für Bau und Umwelt für die Signalisationen der Strassen zuständig. Möchte eine Gemeinde, dass die Tempo-Limite geändert wird, müsse sie durch ein Verkehrsgutachten beweisen, dass dies notwendig ist, sagt Andreas Gsell. Er ist beim kantonalen Tiefbauamt zuständig für die Bearbeitung von Signalisationen.

Wenn von der Norm-Geschwindigkeit (50 innerorts, 80 ausserorts) abgewichen werden soll, brauche es dafür stichhaltige Gründe. In Artikel 108 der Signalisationsverordnung ist unter anderem aufgeführt, dass eine Gefahr sich nicht anders beseitigen lasse oder der Verkehrsfluss durch das neue Tempo verbessert werde. Falsche Signalisationen werden dem Tiefbauamt immer mal wieder gemeldet. Entweder durch die Polizei oder durch aufmerksame Bürger. Vor allem Fahrlehrern würden solche Dinge auffallen. Heller sagt:

«Das sind gute Informanten»

Aber auch die Mitarbeiter des Tiefbauamtes selber entdecken Missstände. Für Baustellen gelten übrigens eigene Regeln, erklärt Heller: Wird hier vorübergehend ein anderes Tempo ausgeschildert, zum Beispiel 60 statt 80, dann müssten die Autofahrer sich da­ran halten.

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