VERSCHMUTZUNG: Toastschwemme im Bodensee

Schon mehrfach sind in Rorschach ganze Toastbrotscheiben und sogar Nudeln im Bodensee gefunden worden. Die Stadt zeigt sich unwissend.

Laura Widmer
Drucken
Teilen
In Rorschach schwimmen in diesem Sommer auffällig viele Toastscheiben im Bodensee. (Bild: Christina Vaccaro)

In Rorschach schwimmen in diesem Sommer auffällig viele Toastscheiben im Bodensee. (Bild: Christina Vaccaro)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Stammgäste der Badhütte in Rorschach ärgern sich schon seit längerem. Mehrfach ist es diesen Sommer vorgekommen, dass Brot im See schwimmt. Nicht als Entenfutter, in mundgerechten Stückchen, sondern gleich scheibenweise. Nudeln wurden ebenfalls gesichtet. Simone Hunger, Serviceangestellte in der Badhütte, bestätigt die Beobachtungen. Häufig habe sie ganze Toastbrotscheiben im See treiben sehen. «Massenweise», sagt sie. Störend sei das Brot für die Schwimmenden jedoch nicht. Es befinde sich meistens in der Nähe des Ufers. Dass es sich beim Verursacher der Toastschwemme um einen Tierliebhaber handelt, der es mit der Fütterung der Schwäne etwas zu gut meint, glaubt Hunger nicht. «Die meisten Menschen wissen ja mittlerweile, dass Weissbrot für die Tiere schädlich ist.» Brot kann bei Vögeln zu Verdauungsproblemen führen. Ausserdem enthält es zu viel Salz. Die Vögel würden sich trotzdem wie wild auf das aufgeweichte Brot stürzen, sagt Hunger. Krähen, Möwen und Enten, alles sei dabei.

Roger Böni, Stadtschreiber von Rorschach, hat keine Kenntnis von Verunreinigungen des Wassers durch Toast oder Nudeln. Er sei häufig am See und habe nichts beobachtet. «Auch Rückmeldungen von Seiten der Bevölkerung hat es meines Wissens keine gegeben», sagt er. In Rorschach ist die Stadtgärtnerei für die Reinigung der Seepromenade zuständig. Zweimal am Tag rücken die Mitarbeiter aus. Sie leeren unter anderem Abfalleimer und stellen sicher, dass auch auf den Wegen kein Unrat liegen bleibt. Die Ausrüstung für das Herausfischen von Abfall oder Essensresten aus dem Wasser sei dort aber nicht vorhanden, sagt Böni. Falls etwas aus dem Wasser entfernt werden müsse, arbeite man mit dem Werkhof zusammen. Der habe das nötige Material. Bei der Stadtgärtnerei weiss man nichts von übermässiger Verschmutzung. Zwar habe es ab und zu Brot im Wasser, jedoch nicht in besorgniserregenden Mengen.

Über die Verursacher des Toasts im Wasser möchte Böni nicht spekulieren. Dass es sich dabei um Personen handelt, die Abfälle möglichst einfach entsorgen wollen, hält er aber für möglich. Unwahrscheinlicher scheint ihm, dass es jemand ist, der Vögel füttert. Wenn es sich wirklich um solche Mengen handle, scheine das absurd.

Verbesserung dank Vogelschutz

In Arbon, rund zehn Kilometer weiter, wird Littering am Seeufer anders gehandhabt. Auch dort war es immer wieder zu Verschmutzung des Sees durch Brot gekommen, sagt Peter Gubser, Stadtrat für Bau, Freizeit und Liegenschaften. Sogar ganze Brotlaibe waren keine Seltenheit. Auf Initiative der Präsidentin des Vogelschutzvereins wurden vor rund eineinhalb Jahren Plakate platziert, die das Füttern von Vögeln verbieten. Seither habe sich die Situation merklich verbessert, sagt Gubser. Verunreinigungen des Wassers durch Brot kämen nur noch selten vor. Bald wolle man permanente Schilder aufstellen, da sie sich gut bewährt hätten. Dank der Mitarbeit des Vogelschutzes Arbon sei die Akzeptanz für das Verbot bei der Bevölkerung gross. «Viele meinen, man tue den Tieren mit dem Füttern etwas Gutes, dabei ist das Gegenteil der Fall», sagt Gubser.

Roger Böni sieht das anders. Er glaubt nicht, dass Unkenntnis über Vögel in der Bevölkerung weit verbreitet ist. «Die allermeisten Menschen wissen, dass wilde Tiere nicht gefüttert werden sollen.» Deshalb brauche es in Rorschach auch keine Verbotsschilder.