Tinners Wahlwerbung überführt zwei Einbrecher – Haftstrafen und Landesverweis

Das Kreisgericht in Mels spricht hohe Haftstrafen für zwei Diebe aus. Die Nordafrikaner hatten in der Region Dutzende Male eingebrochen und über 50'000 Franken ergaunert. Eine Flasche Sonnenbräu wurde ihnen schliesslich zum Verhängnis.

Reinhold Meier
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Die Einbrecher liessen ein Werbegeschenk mitlaufen und entlarvten sich so selber.

Die Einbrecher liessen ein Werbegeschenk mitlaufen und entlarvten sich so selber.

Bild: Imago

Die beiden Mittzwanziger aus Marokko und Algerien waren unter dem Vorwand eines Asylgesuchs über Genf in die Schweiz eingereist. Der algerische Haupttäter hatte dabei seine Identität mehrfach verschleiert, sie ist bis heute nicht vollständig geklärt. Kaum im Lande, startete er seine einträgliche Diebestour. Dabei war er meist nachts mit wechselnden Mittätern unterwegs, bis er schliesslich im Raum Buchs mit dem besagten Kumpan gefasst wurde. Beide hatten sich jetzt in Mels zu verantworten.

Dieb führte «Tagebuch» über die Taten

Schon im Asylzentrum von Altstätten hatte der Algerier mehrere Pässe gestohlen. Das Portfolio umfasste bald aber auch Natels, Portemonnaies, Kreditkarten, Schmuck und Bargeld, meist aus Einbrüchen in Privathäuser oder Autos. Dabei nutzten sie günstige Gelegenheiten, als ihre Opfer kurz unaufmerksam waren, oder sie schlichen sich in Liegenschaften oder Fahrzeuge ein, die leichte Beute schienen und unverschlossen waren. Ihr Zielgebiet war die Region Werdenberg-Sarganserland, sie schlugen aber auch in Liechtenstein, in Graubünden, St.Gallen und Zürich zu.

Der Haupttäter führte dabei gar eine Art «Tagebuch», in dem er seine Untaten recht säuberlich vermerkte. Das erwies sich bei der späteren Beweisführung als nicht unerhebliche Unterstützung für die Polizei. Hinzu kamen zahlreiche DNA-Belege und Videobeweise.

Sujet der Heimatverbundenheit

Aufgeflogen war die Bande aber im Zusammenhang mit der jüngsten Regierungsratswahl. Zu der Zeit hatte der damalige Gemeindepräsident von Wartau mit einer kleinen Aufmerksamkeit für seine Wahl geworben, einem Hopfentrank der Sonnenbräu AG. So verschenkte er in seinem nahen und parteilichen Umfeld das Regionalgetränk mit der Spezialaufschrift «Beat Tinner in den Regierungsrat».

Als sich die beiden Diebe, wohl unwissentlich, ausgerechnet das Haus eines Mitarbeiters der Steuerverwaltung in der Region für einen Einbruch ausgesucht hatten, stiessen sie nebst kostbaren Euros und Franken auch auf die besagte Flasche und liessen das süffige Statement der Heimatverbundenheit kurzerhand mitgehen. Die Ausrede, sie hätten das Bier irgendwo gekauft, verfing später nicht, weil die besagte Flasche gar nicht käuflich erworben werden konnte. Der blosse Besitz belegte also klar ihren illegalen Erwerb und führte gleich noch zum Tatort am Sitz des Finanzbeamten, wo alsbald weitere Spuren gesichert werden konnten.

Keine Bande?

Die Anklage forderte hohe Freiheitsstrafen, knapp vier Jahre Haft unbedingt für den Haupttäter sowie gut zwei Jahre für seinen Kumpan. Dies wegen bandenmässigen und gewerbsmässigen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Urkundenfälschung, Geldwäscherei und Drogendelikten, alles jeweils mehrfach. Der Hauptangeklagte zeigte sich an Schranken im Wesentlichen geständig und räumte den Grossteil der Taten ein, sein Kumpel mochte sich zur Sache nicht äussern.

Die Verteidiger forderten im Wesentlichen Freisprüche vom schwersten Vorwurf, dem des bandenmässigen Vorgehens, sahen nur einfache Diebstähle und plädierten für deutlich mildere Strafen, bedingte Haft von zwei Jahren für den einen, sechs Monate bedingt für den anderen. Die fälligen Landesverweise dürften höchsten fünf Jahre betragen, hiess es.

Europa ist vorerst tabu

Das Gericht gelangte jedoch zur Überzeugung, dass die Schuld im Wesentlichen erwiesen ist. Es liess denn auch in seinem Urteil keinen Zweifel daran aufkommen, dass die beiden Kriminaltouristen allein zum Zweck der Delinquenz eingereist waren. So verhängte es eine unbedingte Haft von 40 Monaten für den Haupttäter sowie 20 Monate für den Mitläufer.

Die Landesverweise fielen mit jeweils zehn Jahren hoch aus, zudem erfolgt die Ausschreibung im Schengensystem SIS, welches nun auch die Einreise in fast alle anderen europäischen Länder verhindert. Die Verfahrenskosten von rund 65'000 Franken bleiben bei den Verurteilten hängen.