TIERWELT: Geheimnis um weisse Rehe

Seit geraumer Zeit tummeln sich in der Gegend um Heiden zwei weisse Rehe. Ein Leserreporter konnte die Tiere fotografieren. Den exakten Aufenthaltsort gibt er nicht preis.

Tim Naef
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Kein besonderer Schutz: Die beiden weissen Rehe in der Nähe von Heiden. (Bild: PD)

Kein besonderer Schutz: Die beiden weissen Rehe in der Nähe von Heiden. (Bild: PD)

Tim Naef

tim.naef@tagblatt.ch

«So gut habe ich die beiden noch nie fotografieren können», sagt der Leserreporter auf Nachfrage unserer Zeitung. Genau vor seinem Haus haben zwei weisse Rehe auf einer Wiese gegrast. Er wohne mit seiner Familie gleich am Waldrand und habe die Tiere bereits im vergangenen Sommer als junge Kitze gesehen. «Wir durften den beiden beim Aufwachsen zusehen.» Die Tiere seien immer wieder mit ihren Geschwistern aus dem Wald auf die Wiese gekommen.

Wo genau er die Tiere beobachtet hat, will der Leserreporter aber nicht sagen. «Wir wohnen an einem privilegierten Ort, um wilde Tiere zu beobachten.» Sie wollten nicht, dass die Tiere nun bedrängt würden. «Die beiden Tiere sind auch den Behörden bekannt», sagt Heinz Nigg, Amtsleiter für Raum und Wald Appenzell Ausserrhoden. «Sie wurden bereits im vergangenen Jahr als neugeborene Kitze entdeckt.» Es handle sich aber nicht um Albino-Rehe, da die Augen und Nasen dunkel seien. Die weisse Farbe sei lediglich auf einen Pigmentfehler zurückzuführen. «Wenn wir den genauen Ort preisgeben würden, brächten wir die Tiere unnötig in Gefahr. Wir wollen nicht, dass nach der Bekanntmachung unzählige Spaziergänger, allenfalls sogar in Begleitung von Hunden, nach den Tieren suchen.»

Bild: Leserreporter
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Trotz ihres Pigmentfehlers haben die beiden Rehe ähnliche Überlebenschancen wie ihre braunen Artgenossen. «Der einzige natürliche Feind ist der Luchs», so Nigg. Dass ein Luchs genau eines der beiden weissen Rehe reisse, sei aber äusserst unwahrscheinlich.

Rehe stehen nicht unter besonderem Schutz

Die weitaus grössere Gefahr für die Tiere geht vom Menschen aus – einerseits durch den Strassenverkehr, andererseits durch die Jagd. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden dürfen Patentjäger während der Jagdzeit nämlich Rehe erlegen – auch die beiden Tiere mit Pigmentfehler. «Die beiden Rehe stehen nicht unter besonderem Schutz», sagt Nigg. Gleichzeitig sei es aber auch durchaus möglich, dass ihnen ihr Aussehen nütze. «Ein Jäger wird sich sicher zweimal überlegen, ob er ein weisses Reh erlegen will.» Einen gewissen Vorteil aufgrund ihres weissen Felles sieht auch Andreas Moser, Biologe und Moderator der SRF-Sendung «Netz Natur». «Bei den Gämsen gibt es ebenfalls weisse Exemplare, und unter Jägern ist der Aberglaube verbreitet, dass es Unglück bringt, eine weisse Gams zu erlegen.» Dieser Fakt könne zum Vorteil der weissen Rehe werden, da der Jäger das gefährlichste «Raubtier» für ein Reh sei.

Auch Moser geht davon aus, dass die beiden Rehe an einem Gendefekt leiden. Ob es sich um Albinotiere handele, könne man kaum von weitem erkennen. «Die Tiere leiden höchstwahrscheinlich an einer Ausprägung von Leuzismus.» Dies bedeutet, dass der Körper keine beziehungsweise nur wenig farbstoffbildende Zellen enthält.