Tierschutz prangert Zirkus an

Der Schweizer Tierschutz greift den Circus Royal scharf an: Dieser misshandle seine Tiere. Der Zirkus wehrt sich dagegen und spricht von «Verleumdung».

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«Wenn die Missstände so gross sind, warum hat der Schweizer Tierschutz (STS) nicht sofort Kontakt mit uns aufgenommen oder Anzeige beim Veterinäramt oder der Polizei gemacht?», fragt der Co-Direktor des Zirkus, Oliver Skreinig. Der STS habe den Circus Royal im März besucht, sagte er der Nachrichtenagentur SDA am Montag. Dann habe der STS zugewartet und sich jetzt direkt an die Medien gewandt. Dem STS gehe es nicht um Tierschutz, sondern um das Sammeln von Spendengeldern, sagt Skreinig.

«Weg über Medien ist der beste»

«Anzeigen zu machen ist nicht unsere Politik. Wir wollen so rasch wie möglich Verbesserungen für die Tiere und denken, der Weg über die Medien ist der beste», sagt STS-Wildtierexperte Peter Schlup dazu.

Gemäss Skreinig erfüllt der Zirkus alle gesetzlichen Anforderungen. Er verweist darauf, dass der Circus Royal vom Veterinäramt des Kantons Thurgau eine Tournée-Bewilligung habe.

«Zudem haben verschiedene Kantone uns kontrolliert und nichts beanstandet», sagte er und fügte an: «Der STS-Bericht entspricht nicht der Wahrheit.» Dass die Tiere während der Vorstellungen misshandelt würden, weist Skreinig als «völligen Quatsch» zurück. «Dies würde das Publikum nicht akzeptieren.»

Ziege im Feuerring

Der STS hatte in seinem diesjährigen Zirkusbericht geschrieben, die Tierhaltung sei so mangelhaft, dass der Circus Royal teilweise noch nicht einmal die Mindestanforderungen des Gesetzes erfülle.

In der Manege fielen «unverständliche Strafen» für Tiere auf, wie etwa unnötige und übertriebene Peitscheneinsätze. Speziell kritisiert wurden die Tiger- und Ziegennummern.

So muss eine Langhaarziege durch einen Feuerring springen. Feuer ängstige Tiere, schreibt der STS. Laut Gesetz dürfe kein Tier ungerechtfertigt in Angst versetzt werden.

Die Tiger hätten «enormes Stressverhalten» und Defensivaggressionen gezeigt: Sie wendeten den Kopf ab, legten die Ohren nach hinten oder duckten sich. Ausserdem schlage der Dompteur den Tigern mit der Peitsche auch ins Gesicht.

Auch dem widerspricht der Zirkus: Der Dompteur habe ein Gerte mit einem Wedel, mit der er die Tiere nur antippe, sagt der Co-Direktor: «Schlagen würde er nur zur Selbstverteidigung.»

Gruppenhaltung bemängelt

Weiter bemängelt der STS, Grosskatzen in Gruppen zu halten widerspreche den einfachsten Grundsätzen der Tierhaltung. Tiger seien Einzelgänger. ««Die Haltung von Tigern in Zirkussen ist nicht verboten. Nach Ansicht des STS können Zirkusse Grosskatzen aber nicht artgerecht halten», sagt Schlup.

Der STS hatte den Circus Royal bereits früher scharf kritisiert. Der Streit hat sich inzwischen so zugespitzt, dass Schlup dort Hausverbot hat. (sda)