TIERQUÄLER: Kantonstierarzt Witzig: «K. fühlte sich provoziert»

Ulrich K. habe Abmachungen mit dem Kanton nicht eingehalten, sagt Paul Witzig. Gleichzeitig gibt der Thurgauer Kantonstierarzt zu, dass die Strategie des Kantons nicht die richtige war.

Donat Beerli
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Kantonstierarzt Paul Witzig gibt auf dem Hof von K. Auskunft. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Kantonstierarzt Paul Witzig gibt auf dem Hof von K. Auskunft. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Donat Beerli

donat.beerli

@thurgauerzeitung.ch

Paul Witzig, haben Sie im Fall Ulrich K. zu lange zugeschaut?

Diese Frage müssen wir uns tatsächlich stellen. Der Kanton hat lange eine deeskalierende Strategie gewählt, die schliesslich nicht gefruchtet hat.

Das Veterinäramt hat seine Kontrollen bei K. jeweils angekündigt. War das von Anfang an so?

Nein, es haben in den vergangenen Jahren immer wieder unangekündigte Kontrollen stattgefunden. Die letzten fünf, welche alle im laufenden Jahr stattgefunden haben, waren angekündigt. Und zwar, weil wir deeskalierend vorgehen wollten.

Was heisst das?

Wir wollten im Gespräch erwirken, dass K. seinen Tierbestand massiv minimiert. Das Problem war jedoch, dass die meisten der Abmachungen nicht eingehalten wurden und sich die Situation in den vergangenen Wochen schnell und unerkannt verschlechtert haben muss. Das zeigen die neusten Bilder. Nachdem uns diese erreicht haben, wurden im Hintergrund sofort geeignete Massnahmen aufgegleist. Nur dank dieser Vorbereitungen konnte bei der Veröffentlichung der Bilder so schnell und so massiv interveniert werden.

Die Fotos, die nun öffentlich sind, vermitteln ein erschreckendes Bild. Haben die Kontrolleure nie etwas davon gesehen?

Nein. Die Kontrollen haben zwar gezeigt, dass der Hof von K. kein Vorzeigebetrieb ist. Von Zuständen wie auf den Bildern war das, was die Kontrolleure zu Gesicht bekommen haben, aber weit entfernt. Auch gab es keine Hinweise, dass solche Zustände vertuscht worden wären.

Man hat aber das Gefühl, K. habe die Spielregeln für die Kontrollen bestimmt. Es müsste umgekehrt sein.

In unserem Rechtsstaat ist es sehr schwierig, vorsorglich gegen jemanden vorzugehen, der Drohungen ausspricht. Deshalb hat der Kanton lange eine deeskalierende Strategie verfolgt.

Wie kurzfristig wurden die Kontrollen angekündigt?

Die Ankündigungen erfolgten bei den verschiedenen Kontrollen unterschiedlich. In der Grössenordnung von ein bis fünf Tagen.

Man hätte die unangekündigten Kontrollen doch unter Polizeischutz durchführen können.

Es wurden mehrfach unangekündigte Kontrollen unter Polizeischutz durchgeführt. Dies wurde vom Betroffenen jedoch als Provokation ausgelegt und behinderte die Strategie der Deeskalation, für welche sich der Kanton entschieden hatte. Die aktuellen Bilder gaben jetzt aber den Ausschlag, von dieser verfolgten Strategie abzukommen und rigoros durchzugreifen.

Wie viele Male waren Sie selbst auf dem Hof von K. ?

Als Kantonstierarzt rund zehnmal.

Wurden Sie jemals von ihm bedroht?

Ja, mit Waffengewalt. Jedoch nicht nur ich, sondern auch weitere meiner Mitarbeitenden. Das passierte mehrere Male – jeweils anlässlich von Kontrollen.

Es heisst, dass K. einige seiner Tiere auf einer Bündner Alp hat, und das schon länger. Wusste das Veterinäramt davon?

Das Veterinäramt weiss von weiteren Standorten. Im Betriebssystem von K. war die jährliche Alpung von ungefähr der Hälfte seines Pferdebestandes fester Bestandteil.

Sie sind heute von Erwin Kessler angezeigt worden. Ihr Kommentar?

Dazu nehme ich keine Stellung.

*Das Interview wurde schriftlich geführt.