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TIERQUÄLER-FALL ULRICH K.: Entwurmt und geputzt in neue Hände

Hunderte Personen haben sich in der Nähe von Bern am Verkauf der Hefenhofer Pferde beteiligt. Für die 80 Tiere wurden insgesamt über 140'000 Franken bezahlt. Für Unmut sorgten das Verkaufsprozedere und die Strategie der Tierschützer.
Tobias Bär/Schönbühl
Auch dieses Pferd aus dem Bestand von Ulrich K. wurde verkauft. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))

Auch dieses Pferd aus dem Bestand von Ulrich K. wurde verkauft. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))

Wer in Schönbühl bei Bern die Autobahn verlässt, der tut dies in den meisten Fällen, um im Shoppyland einzukaufen. An diesem Donnerstag aber biegen viele in Richtung der Kaserne Sand ab. Dort gibt es ab 9 Uhr ebenfalls etwas zu kaufen, Pferde nämlich. Im Kompetenzzentrum der Armee kommen 80 von ihnen unter den Hammer. Bis Anfang vergangener Woche hatten sie auf dem Hof des Pferdezüchters Ulrich K. in Hefenhofen ein trauriges Dasein gefristet.

"Tieren ist Unrecht geschehen"

"Die Umstände sind bekannt und bedürfen keines Kommentars", sagt Moderator Henri Spychiger, seines Zeichens Ehrenpräsident des Schweizerischen Freibergerverbandes. Spychiger versucht nach Kräften, dem Anlass etwas Würde zu verleihen. "Den Tieren ist Unrecht geschehen." Nun biete sich die Gelegenheit zur Wiedergutmachung.

Oberst Jürg Liechti, der Chef auf Platz, drückt seine Hoffnung aus, der Verkauf möge "ruhig und korrekt" über die Bühne gehen. Liechti spricht konsequent von Verkauf. Versteigerung, Auktion, Gant – diese Begriffe will der Kommandant des Kompetenzzentrums nicht gelten lassen, schliesslich gehe es nicht darum, möglichst viel Erlös zu erzielen. Es gilt ein Maximalpreis, Gebote werden nur bis 500 Franken über dem Richtpreis angenommen.

"Die Betroffenheit hat mich hierhin geführt"

Die Nummer eins, eine Stute mit einer Widerristhöhe von 150 Zentimetern, wird für 1200 Franken versteigert, Pardon, verkauft. Nacheinander werden die Pferde vorgeführt. 93 Pferde waren aus dem Thurgau nach Schönbühl gebracht worden. In 13 Fällen konnten Drittpersonen vor dem Verkauf nachweisen, dass sie die rechtmässigen Besitzer sind.

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10 Bilder

Pferde des Thurgauer Tierquälers werden versteigert

Neben Kaufinteressenten haben Tierschützer, Schaulustige und Journalisten den Weg nach Schönbühl gefunden. Gemäss Liechti drängen sich zeitweise bis zu 2000 an die Absperrgitter. Sie sehen, wie Nummer 2, ein Wallach, für 1900 Franken an eine 30-jährige Thurgauerin geht. Sie sei schon zweifache Pferdebesitzerin, sagt die Frau. Und: "Es ist die totale Betroffenheit, die mich hierhin geführt hat." Für das Tier geht die Reise also wieder zurück in die Ostschweiz. Wie, das sei noch nicht ganz klar, sagt die Käuferin. Die Kollegen hätten einen Anhänger dabei, wollten aber selber noch zuschlagen. Die Wahl fiel nicht zufällig auf den Wallach. "Ich habe gehört, dass es sich um einen schwierigen Charakter handelt. Bei einem anderen Besitzer könnte er schnell beim Metzger landen, wenn er nicht spurt."

Diese Sorge sei unbegründet, meint Oberst Liechti. Mit Unterzeichnung des Kaufvertrags verpflichten sich die neuen Besitzer, "das Pferd nicht zum Verwendungszweck der unmittelbaren Schlachtung zu erwerben". Ausserdem, so Liechti, habe man sämtliche Pferde unmittelbar nach Ankunft in Schönbühl entwurmt. Der Medikamenteneinsatz verunmögliche eine Schlachtung in den kommenden Wochen.

Etwas abseits des Geschehens wundert sich ein Thurgauer über den guten Zustand der Tiere und steigert sich dann in eine Verteidigungsrede für Ulrich K. Da schaltet sich Beni Strickler, Vorstandsmitglied des Schweizer Tierschutzes STS, ein: "Also einige sind schon in einem miesen Zustand." Oberst Liechti spricht von einem erbärmlichen Anblick, der sich ihm und seiner Truppe bei der Ankunft der Pferde vor neun Tagen geboten habe. Seither hätten seine Mannen die Pferde auf Vordermann gebracht. Die Hufe wurden gekürzt, die verklebten Mähnen und Schweife geschnitten und frisiert. "Bei den abgemagerten Tieren dauert es aber Wochen und Monate, um Körpergewicht und Muskulatur aufzubauen."

Unmut über organisiertes Vorgehen der Tierschützer

Der Pferdeverkauf geht nun in die dritte Stunde, und der Unmut über das Prozedere ist greifbar. Die Tierschützer wiederholen ihre Kritik am "überstürzten" Verkauf. Eine Vorkontrolle der Käufer wäre aus ihrer Sicht zwingend gewesen. So sei zu befürchten, dass die Tiere auch an ungeeignete Besitzer gingen. Die Organisation "Pferde in Not" versucht dies mit einem geschlossenen Vorgehen zu verhindern. Trotz Ermahnung von Moderator Spychiger bieten meist gleich mehrere Mitglieder mit. Wegen des Maximalpreises können sie von finanziell potenten Pferdehändlern nicht überboten werden. Oft entscheidet deshalb das Los, wobei die Aktivisten wegen ihrer schieren Anzahl gute Karten haben. "Das ist ja keine Versteigerung", enerviert sich ein Besucher. Oberst Liechti hat es doch gesagt.

Kurz nach 12 Uhr meint eine Vertreterin des Tierschutzes, einen Mitarbeiter von Ulrich K. im Kreise der Bieter entdeckt zu haben. Der Mann stellt sich als Mitarbeiter des Walliser Tierschutzes vor. Gleichzeitig klagt er, Ulrich K. werde mit dem Verkauf der Pferde "beschissen". Später wird er von der Polizei kontrolliert. Ansonsten melden die Verantwortlichen keine besonderen Vorkommnisse. Nummer 80 wechselt um 17.50 Uhr den Besitzer. Sämtliche Exemplare mit Ausnahme von Pony "Köbeli" haben den Maximalpreis erzielt.

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