Tierische Schnee-Strategien

Längst nicht alle Tiere halten Winterschlaf. Unter und über der Schneedecke ist viel los. Einfach ist es aber nicht in der kalten Jahreszeit: Die Vogelpflegestation St. Gallen hat viele Patienten.

Julia Barandun
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Edible Dormouse / Glis glis (Bild: (48415691))

Edible Dormouse / Glis glis (Bild: (48415691))

Einkuscheln und erst im Frühling wieder Aufwachen: Für Fledermäuse, Siebenschläfer, Haselmäuse und Murmeltiere eine alljährliche Methode, um den Winter zu überstehen.

Ist der Winter lang, kann es laut Biologe René Güttinger für die Winterschläfer gefährlich werden, wenn sie sich im Herbst nicht genug Speck angefressen haben. Aber auch andere Tiere gehen mit verminderter Aktivität durch die kalte Jahreszeit. «Eichhörnchen und Dachse halten zwar keinen Winterschlaf, reduzieren aber trotzdem ihre Körpertemperatur und haben Phasen, in denen sie nicht aktiv sind», sagt Güttinger. Von Spitzmäusen wisse man sogar, dass ihr Schädel kleiner werde im Winter.

Schutz vor dem Frost

«Tiere passen sich dem Winter physiologisch sowie durch ihr Verhalten und einen Lebensraumwechsel an», hält Güttinger fest. «Sobald es Schnee gibt, verkriechen sich Tiere, wie zum Beispiel Mäuse, unter die isolierende Schneedecke, um sich vor dem Frost zu schützen.» Dies kann wiederum Tieren, die auf Mäusejagd spezialisiert sind, Probleme bereiten. «So sind in bestimmten Regionen schon Schleiereulen wegen lang andauernden Wintern gar vorübergehend ausgestorben», sagt Güttinger. Für Hermelin und Mauswiesel hingegen sei die Mäusejagd auch unter der Schneedecke überhaupt kein Problem.

Füttern nicht vergessen

In der Vogelpflegestation St. Gallen merke man es jeweils, wenn schon länger Schnee liege, sagt Christian Müller, Präsident der Voliere St. Gallen. Dann werden vor allem Vögel, die von einem Auto erfasst wurden, in die Pflegestation gebracht. Meist seien es Bussarde und Rotmilane, die an der Autobahn warten, bis etwas Essbares überfahren werde. Findet man einen verletzten Vogel, sei es wichtig, ihn schnellstmöglich in die Vogelstation zu bringen, sagt Müller. «Am besten in einer dunklen Schachtel, um zusätzlichen Stress für den verletzten Vogel zu vermeiden.»

Doch auch anderen Vögeln bereitet der Winter Probleme. «Wegen aufgeräumten Designergärten und der Zerstörung der Landschaft finden die Vögel im Winter oft keine Nahrung mehr. Darum ist es wichtig, sie zu füttern», hält Müller fest. Dabei solle vor allem nicht vergessen werden, den Vögeln auch Wasser bereitzustellen, denn auch dieses sei kaum mehr zu finden. Die Vögel zu füttern sei aber nur sinnvoll, wenn keine Katzen gehalten würden. Zudem sollten die Vögel dabei nicht gestört werden. «Natürlich sterben viele Tiere im Winter, und die vom Menschen geschaffene Zerstörung der natürlichen Landschaft trägt viel dazu bei», betont Müller. «Wir stellen einen gewaltigen Rückgang der Artenvielfalt fest.»

Möglichst wenig bewegen

Im Winter Futter zu finden, sei auch für Hirsche, Rehe, Gemse und Steinböcke nicht einfach, weiss Walter Signer vom Wildpark Peter und Paul. «Was diese Tiere finden, genügt meist nur knapp zum Überleben.» Darum würden sie bei Kälteeinbruch die Körperfunktionen herunterfahren und sich möglichst wenig bewegen, um Energie zu sparen.

Da es bis Ende Dezember eher warm war, haben die Tiere erst in den letzten Wochen begonnen, sich umzustellen. Auch die Hirsche kämen erst jetzt aus hohen Lagen in ihre Überwinterungsgebiete. Ruhe sei für die Tiere jetzt zentral, damit sie nicht unnötig viel Energie verbrauchten, sagt Signer. «Deshalb ist es wichtig, die Wildruhezonen einzuhalten und die Tiere nicht zu stören.»