Tierimporte
Die Ostschweiz ist das Einfallstor für illegale Tierimporte: Im Thurgau haben sich die Meldungen gegenüber dem Vorjahr vervierfacht

In Coronazeiten kommt bei vielen der Wunsch nach einem tierischen Freund auf. Lange Wartelisten bei Züchtern und Tierheimen verführen zum Kauf im Ausland, teils bei skrupellosen Tierhändlern. Die Zollbehörden und Veterinärämter der Ostschweizer Grenzkantone sind gefordert.

Saskia Ellinger
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Illegale Tierimporte fordern die Ostschweizer Zollbehörden und Veterinärämter.

Illegale Tierimporte fordern die Ostschweizer Zollbehörden und Veterinärämter.

Bild: Imago Stock&people

Der Hund ist bekanntlich des Menschen bester Freund, vor allem während der von sozialer Isolation geprägten Coronazeit. Die Zahlen der registrierten Hunde in der Schweiz sind denn auch aktuell so hoch wie nie zuvor. Bei Tierheimen und Zuchtbetrieben gibt es laut SRF mittlerweile lange Wartelisten, weshalb die Bestellungen von Hunden aus dem Ausland zunehmen. Der Hund ist vor den Katzen das meist importierte Tier: Jeder zweite Hund komme mittlerweile von ennet der Grenze.

Ob Auslandskäufe von Tierheimen, seriösen Züchtern oder schlimmstenfalls von skrupellosen Händlern: Sie alle müssen über die Grenze in die Schweiz. Die gängigen Verkehrsrouten aus Osteuropa machen die Kantone St.Gallen und Thurgau zu Einfallstoren für den Handel mit Tieren, auch den illegalen.

Meldungen von illegal importierten Tieren im Thurgau sind viermal so hoch

Im Thurgau haben sich die Zahlen der mutmasslich illegal importierten Tiere im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Im Thurgau haben sich die Zahlen der mutmasslich illegal importierten Tiere im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Symbolbild: BAD

Im Thurgau haben sich die Meldungen von mutmasslich illegal importierten Tieren in diesem Jahr vervierfacht: Im Jahr 2019 gingen laut Robert Hess, Leiter des Veterinäramts Thurgau, insgesamt 22 Meldungen ein, davon kamen deren 11 von der Zollverwaltung. Bis zum 3. Dezember waren es 88 Meldungen betreffend mutmasslich illegal importierter Tiere, davon waren 63 von der Zollverwaltung. Beim Veterinäramt Thurgau gehen aktuell bis zu fünf Meldungen pro Woche ein.

Eine mögliche Erklärung hierfür ist laut Hess die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Zollbehörden und Veterinäramt, mit der auch die Sensibilisierung für den Tierimport angeregt wurde. Zudem habe das Veterinäramt Thurgau einen Pikettdienst eingerichtet, der als Anlaufstelle für die Zollverwaltung diene.

Matthias Diener, amtlicher Tierarzt beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen.

Matthias Diener, amtlicher Tierarzt beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen.

Bild: PD

Matthias Diener, amtlicher Tierarzt beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen (AVSV), hat dafür eine weitere Erklärung: Die intensivierten Grenzkontrollen an den Grenzübergängen des Kantons St.Gallen schrecken Tierschmuggler ab, weshalb sie ihr Glück lieber an den Grenzen anderer Kantone wie Schaffhausen oder Thurgau versuchen.

70 bis 80 Meldungen im Kanton St.Gallen

Im Kanton St.Gallen gab es dieses Jahr laut Diener keine nennenswerte Zunahme der nicht korrekten Einfuhr von Tieren. Zwar sei die Anzahl an Meldungen von illegal importierten Tieren in den letzten fünf Jahren drastisch angestiegen, sie habe sich jedoch im Jahr 2020 nicht auffallend verändert. Bis Ende Jahr rechnet Diener mit 70 bis 80 Meldungen.

Und trotzdem hat das AVSV mit den Tierimporten genügend Arbeit: Stellt die Zollverwaltung an der Grenze fest, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Einfuhr eines Tieres nicht erfüllt sind, so muss sie dies der betreffenden kantonalen Veterinärbehörde melden. Gründe für eine solche Meldung sind beispielsweise ein fehlender Chip, eine fehlende Impfung oder unvollständige oder falsche Papiere.

Dadurch ist laut Matthias Diener, amtlicher Tierarzt beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St.Gallen (AVSV), seit einigen Jahren ein erhöhter Arbeitseinsatz von den Veterinärämtern der Grenzkantone nötig:

«Die Veterinärämter der Grenzkantone haben bezüglich nicht korrekter Heimtiereinfuhren deutlich mehr Aufwand als Kantone ohne Aussengrenze zur EU.»

Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier

Um zu überprüfen, ob die gesetzlichen Einfuhrbedingungen des Vierbeiners erfüllt sind, müssen laut Robert Hess zahlreiche medizinische und teils rechtliche Abklärungen vorgenommen werden. Die Hauptaufgabe ist dabei die Sicherstellung vom Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier:

«Dies kann je nach Sachlage, insbesondere bei tollwutverdächtigen Tieren, so weit gehen, dass das fragliche Tier der Euthanasie zugeführt werden muss.»

Die teils erheblichen Kosten müsse der fehlbare Tierhalter respektive die fehlbare Tierhalterin tragen.

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