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TIERHASSER: Hysterie bei Hundeködern: Die meisten Warnungen sind falsch

Hunden droht Gefahr von vergifteten oder mit scharfen Gegenständen versetzten Ködern. Doch die Warnungen in Sozialen Medien und die Zahl der Fälle, mit denen sich die Polizei befassen muss, stehen in keinem Verhältnis zueinander. Halter gewisser Rassen sollten sich aber vorsehen.
Johannes Wey
Sujet aus der Kampagne "Sauhund" der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft: Die Röntgenaufnahme mit Rasierklinge im Verdauungstrackt ist echt. (Bild: PD)

Sujet aus der Kampagne "Sauhund" der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft: Die Röntgenaufnahme mit Rasierklinge im Verdauungstrackt ist echt. (Bild: PD)

Ostschweizer Hunde leben gefährlich. Das könnte man zumindest meinen, wenn man ein aufmerksamer Nutzer Sozialen Medien ist. Hunde werden mit Wurstwaren oder Burger-Patties geködert, versehen sind diese mit Rasierklingen, Schrauben oder ominösen Substanzen - so zumindest der hysterische Ton bei Facebook & Co.

Eine Warnung vor Wienerli mit Schrauben in der Facebook-Gruppe "Du bisch vo Rorschach wenn..." vom 28. Februar wurde über 2300 Mal geteilt. Seither hat es bereits zwei neue Meldungen gegeben. In einem Fall wurden verdächtige Burger-Patties mit "ätzendem" Geruch gefunden. Auch in der entsprechenden Gruppe für Herisau gingen die Wogen hoch, als eine ähnliche Meldung kursierte. Die Frau, die den Beitrag veröffentlichte, war aber offenbar selbst einer Falschmeldung aufgesessen.

Wenn präparierte Hundeköder tatsächlich regelmässig gefunden werden, so erfährt zumindest die Polizei selten etwas davon. "Seit mindestens 2015 hatten wir keine Hinweise diesbezüglich", sagt der Ausserrhoder Kapo-Sprecher Marcel Wehrlin. Im Thurgau liessen sich die jährlichen Meldungen an einer Hand abzählen - "und oftmals bekommen wir nur Informationen aus zweiter Hand, vom Hörensagen", sagt Sprecher Mario Christen. Wenn es dann keine Geschädigten und keine konkreten Anhaltspunkte gebe, resultiere nicht einmal ein Rapport.

Die Kantonspolizei St.Gallen wurde zuletzt vergangenen Freitag auf die Burger-Patties in Rorschach aufmerksam gemacht, in denen der Finder Gift vermutete. Weil aber allfällige DNA-Spuren des Urhebers ohnehin nicht mehr festzustellen gewesen wären, sah die Staatsanwaltschaft von einer Überprüfung auf Giftstoffe ab, wie Florian Schneider von der Kantonspolizei erklärt - so lange es keine Geschädigten gebe und keine Chance bestehe, den Urheber zu finden, liesse sich der Aufwand nicht rechtfertigen.

Jedenfalls seien tatsächliche Funde von gefährlichen Hundeködern auch im Kanton St.Gallen eine Seltenheit, sagt Schneider. 2017 habe es zehn Meldungen gegeben, wobei aber kein Hund zu Schaden gekommen sei. 2016 hat in Berneck ein Hund wegen eines Köders sterben müssen, der vorletzte Todesfall im Kanton ereignete sich 2014.

Was in allen drei Kantonen hervorgehoben wird: Die Zahl der Warnungen in den Sozialen Medien steht in keinem Verhältnis zur Zahl der tatsächlich der Polizei gemeldeten Köder. "Vielfach sind es die immer gleichen Bilder oder Bilder aus anderen Gegenden, die in Sozialen Medien herumgereicht werden", sagt Schneider.

Sujet aus der Kampagne "Sauhund" der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft: Die Röntgenaufnahme mit Rasierklinge im Verdauungstrackt ist echt. (Bild: PD)

Sujet aus der Kampagne "Sauhund" der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft: Die Röntgenaufnahme mit Rasierklinge im Verdauungstrackt ist echt. (Bild: PD)

Gefrässige Hunde lieber an der Leine halten

Laut Hansueli Beer, dem Präsidenten der Kynologischen Gesellschaft Schweiz (SKG), sind Köder, die mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen versetzt wurden, ein Problem. Deshalb waren Köder und Hundehass auch Gegenstand der Kampagne "Sauhund" von 2016. "In vielen Fällen hat man aber wirklich das Gefühl, dass jemand mit solchen Meldungen in Sozialen Medien Aufmerksamkeit erregen oder Angst verbreiten will."

Dass vergiftete Köder versteckt werden und dass noch viel mehr Warnungen davor kursieren, sei kein junges Phänomen. Beer habe aber den Eindruck, dass es die Meldungen in den vergangenen drei Monaten zugenommen hätten. Allerdings könne er diesen Eindruck - wie so oft beim Thema Hundeköder - nicht mit Zahlen bestätigen.

Für Hundehalter gibt es entsprechende Kurse, auch bei der SKG. Dort werde den Tieren abtrainiert, Futter, dass sie im Freien finden, zu fressen. "Die meisten Hunde können das lernen", sagt Beer, auch wenn es dazu viel Training brauche. Es gebe aber besonders gefrässige Rassen wie Labradore, wo man mit Training an die Grenze stosse.

Bei solchen Hunden müsse der Halter sehr aufmerksam sein, wenn sich der Hund frei bewegt, oder auch auf Spaziergängen eine lange Leine benutzen. Denn sobald ein Tier einen gefährlichen Köder gefressen hat, sei es nur noch schwer zu retten. Die beste Chance bestehe, wenn der Halter frühzeitig ein ungewöhnliches Verhalten bei seinem Hund erkennt.
Vergiftete Hunde würden je nach Dossierung beispielsweise Schaum vor dem Mund bekommen oder torkeln. Hunde mit Inneren Verletzungen von Rasierklingen oder Nägeln können beispielsweise apathisch werden. (jw)

Bei Kursen kann Hunden abtrainiert werden, gefundenes Futter zu fressen. (Bild: Keystone)

Bei Kursen kann Hunden abtrainiert werden, gefundenes Futter zu fressen. (Bild: Keystone)

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