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Tiefe Passagierzahlen, hohe Kosten:
Drei Ostschweizer Zahnradbahnen
droht das Aus

Die Zahnradbahnen Rheineck-Walzenhausen, Rorschach-Heiden und Altstätten-Gais stehen auf der Kippe, weil sie zu wenig rentabel sind. Die Kantone prüfen jetzt Alternativen, etwa die Umstellung auf Busbetrieb. Die Studie soll Ende Juni vorliegen.
Adrian Vögele
Die Rheineck-Walzenhausen-Bahn ist seit 1896 in Betrieb – und jetzt akut gefährdet. (Bild: Urs Bucher)

Die Rheineck-Walzenhausen-Bahn ist seit 1896 in Betrieb – und jetzt akut gefährdet. (Bild: Urs Bucher)

Walzenhausen ohne Walzenhausenbahn? Man kann es sich kaum vorstellen – auch wenn man den herzigen Triebwagen vielleicht schon seit Jahren nur von Weitem gesehen hat, beim Vorbeifahren an der Talstation in Rheineck. Und genau hier liegt das Problem: Trotz aller Sympathie sinken die Passagierzahlen (siehe Grafik), der Kostendeckungsgrad ist tief.

Nun werden die Kantone Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen aktiv: Sie prüfen Alternativen für drei Bergbahnlinien – nebst Rheineck-Walzenhausen sind dies Rorschach-Heiden und Altstätten-Gais. Denkbare Varianten sind die «Optimierung der heutigen Angebote», aber auch eine Erschliessung mit Bussen oder die Umstellung auf automatischen Fahrbetrieb, wie es in einer Medienmitteilung der Kantone heisst. Die Nachfrage auf den drei Linien sei seit Jahren tendenziell rückläufig. Die Wirtschaftlichkeit liegt im Bereich von 30 Prozent – eine kritische Grenze: Sinkt der Wert noch tiefer, stellt der Bund seine Subventionen in Frage.

Erschwerend kommt hinzu, dass auf allen drei Linien in den Jahren 2025 bis 2050 grössere Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge anstehen. «Für die Walzenhausenbahn werden rund 15 Millionen Franken fällig, für die anderen beiden Linien je 30 Millionen Franken», sagt der Ausserrhoder Volkswirtschaftsdirektor Dölf Biasotto. Halte man am heutigen Angebot fest, werde aufgrund der Fahrzeugerneuerungen der Kostendeckungsgrad weiter sinken.

Weniger Schlittler am Stoss

Dass die Bergbahnen weniger genutzt werden, hat auch mit lokalen Gegebenheiten zu tun: Die Linie Altstätten-Gais ist beispielsweise im Winter beliebt bei Ausflüglern, die auf der alten Stossstrasse schlitteln wollen. Das sei heute aber seltener möglich als früher, weil die Schneemengen eher abnähmen, sagt Biasotto. In Walzenhausen falle ins Gewicht, dass das Hotel Walzenhausen nach wie vor geschlossen sei. Ein automatisierter Fahrbetrieb ist laut Biasotto nur für die Walzenhausenbahn mit ihrem einzelnen Triebwagen eine Option, bei den grösseren Bahnen Rorschach-Heiden und Alt­stätten-Gais sei das nicht realistisch. Verkehren dort anstatt der Bahn künftig Busse? Das sei noch völlig offen, sagt Biasotto.

«Sicher ist: Wir werden die Bahnlinien bestimmt nicht ersatzlos streichen.»

Klar sei aber auch: Nur den Fahrplan etwas auszudünnen, helfe nicht. Die Investitionen würden dennoch fällig.

Auch der St.Galler Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann sagt: «Wie die Zukunft der drei Bahnlinien aussieht, steht noch in den Sternen.» Die Überprüfung habe erst begonnen, die Studie soll Ende Juni vorliegen. «Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Bahnlinien weiterbetrieben werden.»

Bei der Rorschach-Heiden-Bahn stehen in den nächsten Jahren 30 Millionen Franken Investitionen an. (Bild: Urs Bucher)

Bei der Rorschach-Heiden-Bahn stehen in den nächsten Jahren 30 Millionen Franken Investitionen an. (Bild: Urs Bucher)

Beteiligt an den Abklärungen sind nebst den beiden Kantonen und den Appenzeller Bahnen auch die betroffenen Gemeinden und Tourismusorganisationen. «Aus touristischer Sicht wäre es eindeutig ein Verlust, wenn wir eine oder mehrere dieser Bahnlinien aufgeben müssten», sagt Biasotto. Das bestätigt Urs Berger, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus.

«Die Bahnen haben für uns eine hohe Bedeutung. Wir sind darum froh, dass wir am Planungsprozess mitwirken können.»

Im Sommer fahren viele Tagesgäste aus Deutschland mit dem Schiff von Lindau nach Rorschach und unternehmen Ausflüge ins Appenzeller Vorderland. Ein Klassiker ist die kleine Rundreise – mit der Bahn nach Heiden, zu Fuss auf dem Witzwanderweg nach Walzenhausen, wieder mit der Bahn hinunter nach Rheineck und dann mit dem Schiff zurück nach Rorschach.

«Das Bähnli hat einen hohen emotionalen Wert»

Der Gemeinderat Walzenhausen hat bereits angekündigt, für sein Bähnli zu kämpfen. «Es hat für uns zunächst einmal einen hohen emotionalen Wert», sagt Gemeindepräsident Michael Litscher. Das erkläre sich aus der über hundertjährigen Geschichte der Bahn. «Unzählige Erinnerungen hängen daran.» Darüber hinaus sei die Bahn als Aushängeschild für die Gemeinde wichtig – und sie werde auch als Transportmittel nach wie vor rege genutzt. Nicht nur von Schulklassen und Touristen, sondern auch von Einheimischen. «Gerade jetzt im Winter nehmen nicht wenige die Bahn statt das Auto.» Nun gelte es, die Ergebnisse der kantonalen Überprüfung abzuwarten, sagt Litscher. «Wenn die Resultate vorliegen, kann die Diskussion beginnen.»

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