Thurgauerin produziert Aromabalsame: «Ich träume von einem riesengrossen Kräutergarten»

Sandra Zurlinden stellt in ihrer kleinen Manufaktur Naturtrends im Thurgau Aromabalsame, Deos und Seifen her. Ehemann Christian ist für die Bienen und den Honig zuständig. Neu versenden sie Honig im Nachfüllbeutel – das ist bis jetzt einzigartig in der Schweiz.

Maria Kobler-Wyer
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Sandra und Christian Zurlinden inmitten ihres Lavendels: Die Pflanze braucht sie häufig für ihre Aromabalsame. (Bild: Donato Caspari)

Sandra und Christian Zurlinden inmitten ihres Lavendels: Die Pflanze braucht sie häufig für ihre Aromabalsame. (Bild: Donato Caspari)

Der Lavendel steht in voller Blüte, Bienen summen, Schmetterlinge setzen sich auf die farbigen Blüten: Inmitten dieser Idylle im thurgauischen Mattwil stellt Sandra Zurlinden Aromabalsame, Deos und Seifen her. Entsprechend fein duftet es in der kleinen Manufaktur Naturtrends, die sie und ihr Mann Christian 2012 selber aus Lehm und Schafwolle gebaut haben.

Auch bei ihren Produkten setzt die dreifache Mama auf Natürlichkeit: Die Aromabalsame, auch Dufties genannt, bestehen ausschliesslich aus biologischen Rohstoffen. Die Basis der Dufties bilden Bio-Sheabutter, Kokosöl und Bienenwachs, dazu kommen 100 Prozent naturreine ätherische Öle. Häufig verwendet Sandra Zurlinden Lavendel. Neroli setzt sie als Tröster ein, Melisse wirkt beruhigend, Bergamotte und Zitrone stärken die Konzentration, Zeder erdet, Mandarinenöl soll Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Bei Heimweh, Angst vor Monstern oder triefender Nase können Dufties Abhilfe schaffen. (Bild: Donato Caspari)

Bei Heimweh, Angst vor Monstern oder triefender Nase können Dufties Abhilfe schaffen. (Bild: Donato Caspari)

Ebenso setzt Sandra Zurlinden bei der Herstellung ihrer Deocremes auf biologische Zutaten. Die Deos enthalten kein Aluminium, dafür Sheabutter, Kokosöl, ätherische Öle sowie Natron und Magnesium. «Ich finde Magnesium natürlicher als die in vielen Rezepten im Internet angebenen anderen Inhaltsstoffe», sagt die Thurgauerin. «Magnesium und Natron neutralisieren auf natürliche Art den unangenehmen Schweissgeruch.»

«In Flüssigseifen ist viel chemisches Zeugs»

Bei der Kundschaft noch weniger bekannt als die Dufties, sind derzeit noch die Seifen. Bei Familie Zurlinden sind sie jedoch heiss begehrt. Die selbst hergestellten Seifen haben die Flüssigseife aus dem Haus verdrängt. «In Flüssigseifen ist viel chemisches Zeugs drin», sagt Sandra Zurlinden. «Das löst viele Allergien aus.» Auch beim Duschen kommen die Seifen zum Einsatz. «Das Eincremen danach kann man sich so sparen», sagt die 42-Jährige. Ehemann Christian schwört beim Rasieren auf die Hanfseife. «Ich brauche kein Aftershave», sagt er. «Meine Haut trocknet dank des Öls in der Seife nicht aus.»

Idee entstand beim Einkaufen

Sandra Zurlinden startete 2009 mit Badekugeln, Badeschoggi und Badesalz und machte dann eine zweijährige Ausbildung im Bereich der Aromatherapie. An einer Messe hatte sie dann erstmals sieben Sorten Dufties dabei. «Sie kamen direkt gut an», sagt die 42-Jährige. Auf die Idee mit den Dufties stiess Zurlinden beim Einkaufen mit ihren Kindern.

«Ich habe mich immer stark aufgeregt, weil mir die Kinder im Laden davonliefen.»

Deshalb dachte sich die dreifache Mama, dass sie etwas brauche, um ruhiger zu bleiben. So entstand Aromabalsam Nummer eins – Slow down. Auch bei Ehemann Christian kam der Duftie zum Einsatz: Er nahm an Rennen mit ferngesteuerten Autos teil. «Da muss man sehr konzentriert sein», sagt der 44-Jährige. «Ich war aber jeweils sehr nervös.» Dank des Balsams konnte er sein Auto mit ruhiger Hand ins Ziel lenken. Mittlerweile profitieren auch die drei Kinder im Alter von 12, 10 und 9 Jahren von der Erfindung ihrer Mutter. Der Duftie hilft ihnen, die Nervosität vor Karate-Wettkämpfen abzulegen.

Wenig Hilfe von aussen

Der Familienalltag bringt Sandra Zurlinden immer wieder auf neue Ideen für Dufties. Rund 80 Dufties gehören zum Sortiment, darunter solche gegen Schnupfen, wunde Babypos, raue Hände, Kopfweh, Prüfungsangst, Liebeskummer oder Heimweh, aber auch für jedes Sternzeichen. Zurlinden tüftelt an neuen Rezepten, designt die Bilder für die Dosen, etikettiert von Hand, ist zuständig für Marketing und Vertrieb. Ehemann Christian unterstützt sie bei der Technik für den Webshop. Bei der Auswahl der Bilder helfen ihr die Kinder bei der Entscheidung. «Wir wollen so wenig wie möglich Hilfe von aussen beanspruchen», sagt die Naturtrends-Betreiberin. Einzig die Etiketten lässt sie drucken.

Pro Sorte hat Sandra Zurlinden 20 bis 40 Stück an Lager. «Fehlt ein gewünschter Balsam, kann ich den Duftie innert einer Woche produzieren, etikettieren und versenden», sagt die Thurgauerin.

«Ich bin sehr flexibel bei der Nachproduktion.»

Verkauft werden die Dufties vor allem in Apotheken, Drogerien, Geschenk- und Blumenläden in der ganzen Schweiz. Auch im Internetshop sind die Dufties erhältlich, allerdings werden im Sommer keine Aromabalsame verschickt. «Im Sommer ist es zu heiss dafür», sagt sie. «Ich will nicht, dass das Produkt beschädigt beim Kunden ankommt.»

Zu wenig Läuse für Waldhonig

Christian Zurlinden, der Vollzeit im Informatikbereich arbeitet, ist in seiner Freizeit ebenfalls für das Familienunternehmen tätig. Er hat einen Imkerkurs absolviert und kümmert sich derzeit um die zehn Bienenvölker, die Königinnenzucht sowie den Honig. Einige Völker sind auf einem Schuldach in Kreuzlingen platziert. Sie sorgen für den Stadthonig, den es immer gibt. Der Frühlingshonig stammt von den Bienen, die in der Obstanlage eines Bauern stationiert sind. Keinen Honig gibt es dieses Jahr aus dem Wald. «Es gab zu wenig Läuse», sagt Zurlinden. Im Garten befindet sich die Babystation, wie der Thurgauer sagt. Diese Bienen braucht er für die Zucht und den Gartenhonig.

Honig aus dem Beutel

Statt im Glas wird der Honig nun im Beutel verschickt. (Bild: Donato Caspari)

Statt im Glas wird der Honig nun im Beutel verschickt. (Bild: Donato Caspari)

Bisher hat Sandra Zurlinden den Honig in Gläsern verschickt. «Ich habe sie zwar sorgfältig verpackt», sagt sie. «Doch eines von vier Gläsern kam kaputt beim Kunden an.» Auf der Suche nach einer Alternative, haben sie eine tolle Idee in Deutschland gesehen. «Wir verschicken den Honig nun in Nachfüllbeuteln», sagt die Mutter von drei Kindern. Sie bestehen aus Kraftpapier, haben innen eine lebensmitteltaugliche Beschichtung und können als Brief verschickt werden.

«Der Beutel ist wiederverschliessbar, ressourcenschonend und spart Versandkosten.»

Die Thurgauer Manufaktur ist zudem das erste Unternehmen in der Schweiz, welches den Honig im Nachfüllbeutel anbietet.

Kleine Auszeiten an Karate-Turnieren

Neben dem Familienbetrieb stecken Sandra und Christian Zurlinden viel Zeit in das Hobby ihrer Kinder. An den Wochenenden sind sie häufig an Karate-Turnieren anzutreffen. «Für uns sind das kleine Auszeiten», sagt das Ehepaar. «Wir bleiben wenn möglich auch mal einen Tag länger und besichtigen die Ortschaft oder setzen uns mit der Angelrute an den See.» Ansonsten bringt der grosse Garten mit Trampolin und Platz zum Zelten viel Abwechslung. «Die Kinder erzählen heute noch von der Nacht im Zelt, als der Fuchs vorbeispaziert ist», sagt Christian Zurlinden.

Wenn die Kinder grösser sind, will Sandra Zurlinden noch mehr Zeit und Energie in ihre Manufaktur stecken. «Ich wünsche mir einen riesengrossen Kräutergarten, in dem ganz viele Kräuter wachsen, ich möchte gerne von jedem ätherischen Öl, das ich für die Herstellung meiner Produkte brauche, die entsprechende Pflanze im Garten», sagt sie.

Bad selber abfüllen

Sandra und Christian Zurlinden mit ihren Produkten in ihrem Garten in Mattwil. (Bild: Donato Caspari)

Sandra und Christian Zurlinden mit ihren Produkten in ihrem Garten in Mattwil. (Bild: Donato Caspari)

Sandra Zurlinden sprudelt vor Ideen und tüftelt ständig an neuen Produkten. Einige davon hat sie Mitte August an der Ornaris, einer Messe für Facheinkäufer der Detailhandelsbranche, vorgestellt. Erstmals präsentierte sie Dufties im «Erwachsenen-Look». «Die Sujets auf den Dosen sind weniger verspielt als die heutigen, die vor allem Familien mit Kindern ansprechen», sagt sie. Besonderen Anklang fanden die Bäder, welche Zurlinden in einer recycelbaren Verpackung mit verschiedenen Sprüchen und auch in Kilo-Gläsern im Offenverkauf anbietet. Der Kunde kann sich dann selber sein Bad per 100 Gramm abfüllen. «Damit möchten wir unseren Beitrag leisten, um dem ganzen Verpackungsmüll entgegenzuwirken», sagt sie. «Sehr viele Fachhändler fanden die Idee toll und haben bei uns bereits bestellt.»

Mehr Informationen unter www.naturtrends.ch