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Thurgauerin klagt gegen Befruchtungsklinik – Seniorchef vom eigenen Sohn belastet

Beim Prozess gegen ein Vorarlberger Institut für In-vitro-Fertilisation bekommt ein Thurgauer Paar Unterstützung.
Christiane Eckert
Künstliche Befruchtung ermöglicht es vielen Paaren, ein Kind zu bekommen. (Bild: Fotolia)

Künstliche Befruchtung ermöglicht es vielen Paaren, ein Kind zu bekommen. (Bild: Fotolia)

In-vitro-Fertilisation – für viele Paare eine Chance, ein Kind zu bekommen. Nicht so bei einer 43-jährigen Thurgauerin, die ein Vorarlberger Institut anklagt. Sie erhebt schwere Vorwürfe. Unter anderem ist sie überzeugt, dass zwei ihrer Embryos einer fremden Frau eingepflanzt worden seien. Ausserdem verlangt sie, das Institut solle jene zwei Embryos herausgeben, die sie bei der Einrichtung vermutet. Die klagende Partei spricht von Verwechslung und Vertuschung. Die Gegenseite kontert: «Nebulöse Vermutungen und Geschäftsschädigung!»

Im Zeugenstand erklären zwei Ärzte und eine Biologin, wie immer wieder Name und Geburtsdatum der Patienten überprüft werden. Alle drei gehen davon aus, dass durch die mehrfache Identifikation keine Verwechslung möglich ist.

Beim ersten Embryotransfer blieb eine Schwangerschaft aus. Bezüglich des zweiten Transfers behauptet die Klägerin, es wären fremde Eizellen, befruchtet mit fremdem Spermium, eingepflanzt worden. Die Frau wurde zwar schwanger, erlitt aber eine Fehlgeburt. Die Vermutung des Paares ist, dass «ihre» Embryos fremden Frauen eingesetzt wurden.

«Wir wissen nicht, ob unsere Kinder irgendwo aufwachsen, während wir kinderlos sind.»

Das sagte der Ehemann in der letzten Verhandlung. «Das kann ich definitiv ausschliessen», hielt der Geschäftsführer des Zen­trums entgegen.

Es waren keine Embryos übrig

Dass es noch zwei weitere «Reserveembryos» gebe, verneinen sowohl ein Arzt als auch die damals involvierte Biologin. «Die Embryos müssen eine gewisse Qualität haben, damit sie das Einfrieren und Auftauen überstehen. Bei der Patientin wurden deshalb nur zwei kryokonserviert.» Eine Herausgabe von bislang vorenthaltenen Embryos sei demzufolge gar nicht möglich.

Probleme bereitet der Umstand, dass aufgrund der EDV ausgedruckte Unterlagen nicht den – bei der medizinischen Arbeit verwendeten – Versionen entsprechen. Im medizinischen Zentrum arbeitet man ausschliesslich digital, nur der Arztbrief wird in Papierform erstellt. Ein EDV-Experte sagt:

«Abweichung von digital und Ausgedrucktem ist nichts Besonderes, auch das Lan­deskrankenhaus Feldkirch arbeitet ähnlich.»

In eine ganz andere Richtung geht die Aussage des Sohnes des aktuellen Seniorchefs. Der heute 46-Jährige, selbst Facharzt, war acht Jahre lang Geschäftsführer im medizinischen Zentrum. «Aufgrund von Softwareproblemen kam es immer wieder zu Fehlern», sagte der Zeuge. «In Protokollen, es gab Verwechslungen, Unübersichtlichkeit, verschwundene Daten», behauptet der Mediziner. Auch nachträgliche Änderungen seien entgegen der Behauptung der Beklagten möglich und auch gemacht worden.

Ein familiäres Zerwürfnis

Der Anwalt des medizinischen Institutes betont, dass die belastenden Aussagen des Sohnes auf ein tiefes familiäres Zerwürfnis zurückzuführen seien. Auch Richterin Sieglinde Stolz wundert sich über die belastende Aussage: «Wenn Sie damals Geschäftsführer waren, warum erstatteten Sie nicht Anzeige bei der Staatsanwaltschaft?»

Nun wird ein EDV-Experte ergänzend befragt und ein ganzes Paket von weiteren Zeugen einvernommen. Weiter geht es im Dezember.

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