Thurgauerin klagt: Freispruch beim Prozess um falsche Eizellen

Eine Thurgauerin geht im Streit um Eizellen leer aus: Das Gericht Feldkirch sieht keine Fehler beim österreichischen Fortpflanzungsinstitut.

Christiane Eckert
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Eine Thurgauerin hoffte durch eine künstliche Befruchtung auf ein spätes Mutterglück.

Eine Thurgauerin hoffte durch eine künstliche Befruchtung auf ein spätes Mutterglück.

Bild: Michel Canonica

Etliche Male sassen sich Klagevertreter Andreas Ermacora und Michael Konzett, Vertreter des fortpflanzungsmedizinischen Instituts, am Landesgericht Feldkirch gegenüber. Nun liegt das Urteil auf dem Tisch. Ein erstinstanzliches zumindest. Demnach, so Maximilian Murtinger, Geschäftsführer der Nextclinic IVF Zentren Prof. Zech-Bregenz GmbH, lief die Behandlung zu hundert Prozent korrekt ab. Murtinger sagt weiter:

«Das Urteil attestiert, dass unsere hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards eingehalten wurden.»

Erster Vorwurf: Falsche Eizellen eingepflanzt

2015 wandte sich eine Frau aus dem Thurgau an das Vorarlberger Institut. Bislang blieb der Kinderwunsch des Paares unerfüllt. Die Frau war bereits um die vierzig, eine künstliche Befruchtung ihre letzte Hoffnung. Nachdem der erste Versuch, mit fremder Hilfe doch noch ein Kind zu bekommen, fehlschlug, startete die Frau einen zweiten.

Beim zweiten Versuch wurde die Frau zwar schwanger, erlitt aber eine Fehlgeburt. Behauptungen, es müssten weitere tiefgefrorene Eizellen vorhanden sein, wurden laut. Zudem vermutete das Paar, einer fremden Patientin könnten die befruchteten Eizellen der Klägerin eingepflanzt worden sein.

Herausgabe von weiteren Embryonen verlangt

Jedenfalls wurde die Herausgabe der vermeintlichen Reserveembryonen verlangt und zudem 10'000 Euro für die erlittenen psychischen Leiden. Von undurchschaubarer Dokumentation und mangelnder Transparenz war die Rede. Das Institut sah seinen guten Ruf in den Schmutz gezogen und wehrte sich.

Mediziner, Biologen, Chemiker, EDV-Experten, heutige und einstige Angestellte wurden einvernommen. Möglichen Dokumentationsfehlern wurde nachgegangen, zum Schluss hofften beide Seiten auf einen Prozesssieg. Murtinger sagt:

«Aus menschlicher Sicht können wird die Enttäuschung der Patientin nachvollziehen, aber wir akzeptieren keine haltlosen Vorwürfe.»

Er ist froh über den Ausgang des Verfahrens.

Zweite Instanz ist auch eine Kostenfrage

Ob der Prozess in die zweite Instanz weitergetragen wird, ist offen, hängt vermutlich auch mit der Kostenfrage zusammen. Die Verliererin muss dem Prozesssieger bereits die Kosten des ersten Rechtsstreites ersetzen. Weitere rechtliche Schritte wären mit weiteren Kosten verbunden, wobei die Ungewissheit des Ausgangs bleibt.

Der Zivilprozess war geprägt von einer grossen Menge Fachwissen und von vielen Expertenerklärungen. Zum einen musste sich Richterin Sieglinde Stolz ein genaues Bild der medizinischen Vorgänge machen, zum anderen musste der Dokumentationsexperte aus dem Bereich der EDV sogar zwei Mal einvernommen werden.

Das fortpflanzungsmedizinische Institut ist den Vorwurf von Vertuschung und schlampiger Arbeitsweise durch das Urteil und die damit erfolgte Klageabweisung losgeworden. Bleibt noch abzuwarten, ob die Entscheidung des Gerichts von der Klägerin akzeptiert wird.

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