THURGAUER TIERSCHÄNDER: «Selbstbefriedigung mit Hilfe eines Tiergenitals»

Ein 19-Jähriger hat sich im Kanton Thurgau mehrfach an einer Stute vergangen. Thomas Knecht, forensicher Psychiater, über den Täter, sexuelle Neigungen und Massnahmen, die nun zu ergreifen sind.

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Thomas Knecht. (Bild: pd)

Thomas Knecht. (Bild: pd)

Was läuft bei einem Mann falsch, wenn er sich an Tieren sexuell vergreift?

In vielen Fällen muss man solche Vorfälle als Ersatzhandlung und Triebventil auffassen. Dass ein Mensch ein Tier als ideales Sexualobjekt erfasst, ist nicht anzunehmen. Solche Männer kommen auf dem normalen Weg nicht zu sexueller Befriedigung, und über mehrere Zwischenstufen tasten sie sich quasi an die Penetration eines Tieres heran.

Der Täter soll gesagt haben: Beziehungen mit Frauen seien ihm zu kompliziert.

Genau das passt ins Schema: Solche Taten sind also der Überbrückung geschuldet, sie sind eine Art Selbstbefriedigung unter Zuhilfenahme eines Tiergenitals.

Hat es einen Einfluss, wenn der Täter selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist?

Natürlich. Er kann Berührungsängste, die vielleicht Städter haben mögen gegenüber diesen doch recht grossen und respekteinflössenden Tieren, in seinen jungen Jahren bereits überwunden haben und kann sich ihnen deswegen vielleicht ohne Angst nähern, sie berühren und seine Taten vollbringen.

Thomas Knecht. (Bild: pd)

Thomas Knecht. (Bild: pd)

Welche Massnahmen müssten nun ergriffen werden?

Am allerwichtigsten erscheint mir die Rückfallprophylaxe. So eine Tat gilt ja als Tierquälerei. Deswegen steht hier der Opferschutz im Vordergrund. Eine geeignete Psychotherapie, bei Triebüberschuss unter allfälliger Einnahme von triebdämpfenden Medikamenten, kann helfen. Ausserdem ist das Aussprechen eines Berufsverbots für Jobs mit Tierkontakt unumgänglich.

Der Täter ist jung. Sind die Heilungschancen besser als bei älteren Tätern?

Ich gehe bei diesem Täter nicht von einer absoluten Fixierung aus. Eine Partnerschaft mit einem Tier ist für einen Menschen kein Ziel. In dem Alter ist der Testosteronspiegel am höchsten, und wäre er nicht auf ein Pferd verfallen, dann auf Kälber, Schweine oder Schafe. Der Täter muss aus dem Milieu entfernt werden, wo solche Taten überhaupt erst möglich sind. Und therapeutisch muss er seine Opferempathie stärken.

Wann manifestiert sich die sexuelle Neigung?

Wenn ein Mensch die Volljährigkeit erreicht, ist jedem klar, wie er sexuell tickt. Mit 18 bis 20 Jahren haben sich die beständigen sexuellen Neigungen herauskristallisiert.

Ist der Täter eine Gefahr für andere Tiere?

Eine Gewöhnung an bestimmte Befriedigungsarten könnte sich einstellen. Auch dass der Täter eine Favoritin unter den Stuten hat, ist möglich. Eine regelrechte Sucht nach einem bestimmten Tier ist aber nicht bekannt. (pex)

Selbst Pferde können zum Objekt der Begierde von Menschen werden. (Bild: Keystone (Symbolbild))

Selbst Pferde können zum Objekt der Begierde von Menschen werden. (Bild: Keystone (Symbolbild))