THURGAUER TIERQUÄLER: Zukunft der Tiere wird abgeklärt

Die Tiere vom Hof von Ulrich K. aus Hefenhofen sind gerettet. Was mit ihnen nun passiert, steht noch nicht fest. Es liegen aber mehrere Angebote vor.

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Vor dem Hof des Tierquälers Ulrich K. in Hefenhofen: Nun hat es keine Tiere mehr auf dem Hof. (Bild: Andrea Stalder)

Vor dem Hof des Tierquälers Ulrich K. in Hefenhofen: Nun hat es keine Tiere mehr auf dem Hof. (Bild: Andrea Stalder)

Gut 90 Pferde hat das Thurgauer Veterinäramt auf dem Hof von Ulrich K. angetroffen. Dazu über 100 weitere Tiere, darunter Lamas, Kühe, Schweine und Schafe. Sie alle wurden gestern Nachmittag während einer Polizeiaktion beschlagnahmt. Der Pferdezüchter wurde in Gewahrsam genommen, um dem Veterinäramt den Zugang zum Hof zu ermöglichen. «K. liess sich widerstandslos abführen. Er wurde gestern Abend bereits befragt», sagte Jürg Zingg, Kommandant der Kantonspolizei Thurgau, am Montagabend an einer Medienkonferenz. Zum Zeitpunkt der Polizeiaktion hätten sich 10 bis 15 weitere Personen auf dem Hof befunden, von denen einige ebenfalls mitgenommen und befragt wurden.

Das Veterinäramt stellte die angemessene Pflege der Tiere sicher. Im Verlauf des heutigen Tages werden die Pferde ins Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere im Kanton Bern gebracht. Die übrigen Tiere werden mit der Hilfe von Tierhändlern evakuiert. Möglichst bald soll über eine künftige Bleibe für die Tiere entschieden werden. Für die Pferde habe das Veterinäramt in den vergangenen Tagen viele Angebote für Plätze erhalten. «Diese werden sehr sorgfältig geprüft», so Kantonstierarzt Paul Witzig. Der Entscheid zur Haltung eines Tieres dürfe «nie und nimmer» in einer emotionalen Situation fallen.

Das Eingreifen des Kantons wurde gemäss Regierungsrat Walter Schönholzer möglich, weil die Fotos von schockierenden Zuständen auf dem Hof am Freitag als authentisch eingestuft wurden. Während der laufenden Ermittlungen wird abgeklärt, wo sich noch weitere Tiere von K. befinden und in welchem Zustand sie sind.

Demonstration am Bahnhof gegen den Tierquäler aus Hefenhofen: Erwin Kessler, Präsident des VGT (Mitte, grünes Shirt, graue Haare). (Bild: Andrea Stalder)
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Bild: Andrea Stalder
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Bild: Mathias Frei
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Demonstration am Bahnhof gegen den Tierquäler aus Hefenhofen: Erwin Kessler, Präsident des VGT (Mitte, grünes Shirt, graue Haare). (Bild: Andrea Stalder)

Kontrollen mussten zur Sicherheit angekündigt werden

Bei seinem Amtsantritt vor mehr als einem Jahr traf Schönholzer verhärtete Fronten zwischen Veterinäramt und K. an: «Vor allem Paul Witzig wurde immer wieder massiv beschimpft, behindert und sogar ernsthaft an Leib und Leben bedroht.» Er habe es nicht verantworten können, Personen aus dem Veterinäramt ohne polizeilichen Schutz auf den Hof zu schicken. Ausserkantonale Fachleute hätten seither die Kontrollen übernommen. Aus Sicherheitsgründen hätten sie sich ankündigen müssen.

Der Thurgauische Tierschutzverband kündigt an, eine Volksinitiative zu lancieren, damit «die Missstände im Veterinäramt beseitigt werden». Verbandspräsident Reinhold Zepf sagt gegenüber unserer Zeitung, dieses sei zu wenig konsequent bei der Durchsetzung von Tierhalteverboten. Auch SVP-Kantonsrat Hermann Lei kündigte an, im Fall K. aktiv zu werden: «Jakob Auer und ich wollen am Mittwoch in einer Woche eine dringliche Interpellation einreichen.» Sie wollen dem Regierungsrat die Frage stellen, warum so lange nichts geschehen ist. Die Beschlagnahmung der Tiere schaffe eine neue Ausgangslage. «Wir behalten uns vor, die Interpellation nicht einzureichen», sagt Lei.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch