Thurgauer Steueramt überlegt, mit Algorithmen nach Steuerhinterziehern zu suchen

Dank der Digitalisierung gibt es immer mehr Möglichkeiten, Steuerhinterziehern auf die Schliche zu kommen. Das Thurgauer Steueramt prüft den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Marlen Hämmerli
Drucken
Teilen

Steuererklärungen sind nicht gestreift oder gepunktet, trotzdem folgen sie Mustern. Wer zum Beispiel Immobilien versteuert, hat in der Regel auch Mieterträge. Der Kanton Thurgau überlegt nun, sich diese Muster zunutze zu machen, wie Jakob Rütsche, Leiter der Thurgauer Steuerverwaltung, sagt. So könnte eine künstliche Intelligenz (KI) aufgrund der Steuerdaten vergangener Jahre typische Muster feststellen und neu eingereichte Steuererklärungen auf diese hin prüfen. Vergisst ein Immobilienbesitzer, das Mietzinskonto zu deklarieren, weist der Computer auf den Mangel hin.

Die KI würde so künftig die Regelwerke ergänzen, die die Ostschweizer Kantone heute schon nutzen. Diese Regeln sind im Computersystem der Steuerämter hinterlegt und prüfen die Steuererklärungen automatisiert. Überschreitet zum Beispiel der Lohn eines Steuerpflichtigen im Vergleich zum Vorjahr einen bestimmten Betrag, meldet das System dies. Erfüllt hingegen eine Steuererklärung alle Regeln des Regelwerks, wird die Deklaration automatisch visiert. «Dabei besteht ein gewisses Risiko», sagte Felix Sager, Chef des St.Galler Steueramts letzten April gegenüber dieser Zeitung.

Sind die Regeln zu locker und visiert das System die Steuererklärungen zu schnell, können Steuereinnahmen verloren gehen.

Informationen erhalten die Kantone auch durch den automatischen Informationsaustausch (AIA). Wichtig sei zudem der Meldungsaustausch zwischen Bund und Kantonen sowie unter den Kantonen, sagt Jakob Rütsche. Im Appenzellerland recherchieren die Steuerbeamten auch im Internet. «Sie tun dies aber nicht systematisch. Dazu fehlt die Zeit», sagt der Leiter der Innerrhoder Steuerverwaltung, Werner Nef.