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THURGAUER REGIERUNG UNTER DRUCK: "Skandal von ausserordentlicher Tragweite"

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau wird sich im Streit um Pferdequäler Ulrich K. unangenehme Fragen von Kantonsräten gefallen lassen müssen. Derweil steigen Tierschützer gegen die Versteigerung der beschlagnahmten Pferde auf die Barrikaden.
Sabrina Bächi
Polizeieinsatz auf dem Hof von Skandal-Züchter Ulrich K. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Polizeieinsatz auf dem Hof von Skandal-Züchter Ulrich K. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Der Fall Hefenhofen setzt der Thurgauer Regierung gehörig zu. Jetzt hat sie eine externe Untersuchungskommission eingesetzt. "Die Kommission hat den Auftrag, den Vollzug des Tierschutzgesetzes im Kanton Thurgau systematisch zu analysieren sowie Reformvorschläge auszuarbeiten", schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung. Ziel sei es, das Tierschutzgesetz konsequent durchzusetzen sowie allfällige Lücken im Vollzug aufzudecken.

Der Regierungsrat hat sich an seiner Sitzung am Dienstag intensiv mit dem Fall Ulrich K. befasst und diese Massnahmen getroffen. Am Mittwoch wird er vor dem Grossen Rat zu den Vorkommnissen der letzten Wochen und zu der geplanten Aufarbeitung des Falls Stellung nehmen.

Krisenanfällige Kommunikation

SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen und CVP-Kantonsrat ­Patrick Hug wollen am Mittwoch in der Grossratssitzung eine einfache Anfrage einreichen. "Es handelt sich um einen Skandal von ausserordentlicher Tragweite", schreiben sie zum Fall Ulrich K. "Besonders gefordert ist in einem solchen Fall auch die Krisenkommunikation." Die zuständigen Personen hätten sich in Erklärungsnot befunden und nicht durchwegs souverän reagiert und agiert. Sie bitten den Regierungsrat deshalb um eine Stellungnahme zur Krisenkommunikation. Sie wollen unter anderem wissen, ob es vorkommen darf, dass ein Amt wie das Vete­rinäramt keine Auskunft geben kann, weil der Amtsleiter in den Ferien weile und keine Stellvertretung zur Verfügung stehe.

Am Donnerstag werden die Pferde vom Hof des Tierquälers Ulrich K. im bernischen Schönbühl verkauft. "Alle 93 Pferde sind in gutem Gesundheitszustand", sagt Jürg Liechti vom Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere des Bundes. Die Tiere werden von Militärangehörigen vorgeführt. Gibt es mehr als einen Interessenten pro Pferd, geht der Zuspruch an den Meistbietenden. Eine eigentliche Auktion sei dies nicht, sagt Liechti. Denn es gehe nicht darum, möglichst viel Erlös zu erzielen. Auch sei für jedes Tier von Experten ein Richtpreis geschätzt worden, der die Grundlage für den Verkauf bietet. Die genauen Preise lägen aber noch nicht vor, meldet das Veterinäramt des Kantons Thurgau auf Anfrage. Ihm obliegt die Durchführung des Verkaufs der Tiere. Für fünf bis sechs Pferde sei gemäss Veterinäramt mittlerweile erwiesen, dass sie nicht Ulrich K. gehörten, sondern anderen Haltern. Diese können ihre Pferde bereits am Mittwoch abholen.

Kundgebungen in Bern und Frauenfeld

Der Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) will am Mittwoch ab 11 Uhr in Frauenfeld demonstrieren. Er fordert die Absage der für Donnerstag angekündigten Auktion in Schönbühl. Auf Anfrage des VgT-Präsidenten Erwin Kessler schreibt der Kanton, die Käufer der Pferde seien verpflichtet, die Tiere nicht für eine unmittelbare Schlachtung zu erwerben. Trotzdem will Kessler demonstrieren. "Es sind noch zu viele Fragen offen, und die Aktion ist übereilt", sagt er. Der Verkauf unter der Woche sei ebenfalls sehr ungünstig. "Viele müssen arbeiten oder haben keine Zeit mehr, einen Pferdetransport zu organisieren." Der Verein will deshalb am Donnerstag auch in Schönbühl vor Ort sein, jedoch nicht demonstrierend, sondern protestierend und beobachtend, sagt Kessler.

Das Geld für den Verkauf der Pferde geht an Ulrich K. "Der Erlös steht nach Abzug aller Kosten des Kantons Thurgau Ulrich K. zu", schreibt ­Walter Hofstetter, Leiter Informationsdienst des Kantons Thurgau, auf die Anfrage der "Schweizer Illustrierten". So ist es im Tierschutzgesetz festgelegt. Mit der Beschlagnahmung der Tiere durch das kantonale Veterinäramt hat Ulrich K. sämt­liche Eigentumsrechte an den Tieren verloren. Deshalb können diese am Donnerstag verkauft werden.

60 Tiere wurden geschlachtet

Nebst 93 Pferden wurden auch noch 33 Kühe und rund 100 Schweine auf dem Hof von Ulrich K. beschlagnahmt. Von den Kühen mussten 23 aus wirtschaftlichen Gründen geschlachtet werden. "Das wird gemacht, wenn bei Kühen die Milchleistung sowie die Fruchtbarkeit nachlässt", sagt ein Fleischfachmann. "Das daraus gewonnene Fleisch wird zu hochwertigen Wurst-Pökelfleischwaren und nicht zu Tiernahrung verarbeitet", sagt er. Etwa 30 Schweine wurden ebenfalls geschlachtet. Sie litten unter Hoden- und Nabelbrüchen sowie unter Krytorchismus, dem Fehlen eines oder beider Hoden. Die restlichen Nutztiere wurden verkauft.

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