Kommentar

Thurgauer Wahlen: Die SVP hat mit Urs Martin hoch gepokert und gewonnen

Ein Umsturz bei den Thurgauer Wahlen bleibt aus. Die Regierungsparteien kommen mit einem blauen Auge davon.

David Angst
Drucken
Teilen
David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung»

David Angst, Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung»

Bild: Ralph Ribi

Die Thurgauer Wahlen sind vorbei, ein Umsturz hat nicht stattgefunden. Die vier Regierungsparteien SVP, FDP, CVP und SP haben ihre Sitze im Regierungsrat verteidigt. Noch selten zuvor wären die Voraussetzungen für eine Veränderung so gut gewesen. Denn alle vier grossen Parteien haben ihre Handicaps gehabt.

Bei der CVP war es einzig der Umstand, dass sich ihre Regierungsrätin Carmen Haag mit ihrer Raumplanungspraxis nicht nur Freunde gemacht hat. Die SP kann froh sein, dass sie mit einer bisherigen Regierungsrätin angetreten ist, die ihr Departement gut führt und auch bei den bürgerlichen Wählern beliebt ist. Denn die SP hat bei den Parlamentswahlen Wähleranteile und Sitze verloren.

Eine neue Epoche der Thurgauer SVP

Die FDP war mit ihrem wegen der Hefenhofen-Affäre ramponierten Regierungsrat Walter Schönholzer angetreten, die SVP mit dem Polterer Urs Martin. Beide haben zwar kein Glanzresultat gemacht. Aber die Thurgauer Wählerinnen und Wähler sind offenbar nicht nachtragend, sondern bleiben ihrer Linie treu.

Bei der Thurgauer FDP wäre eine Abwahl aus der Kantonsregierung der Tiefpunkt in ihrer Geschichte gewesen. Nachdem sie im Herbst ihren einzigen Nationalratssitz verloren hatte, hat sie sich aufgerappelt und ihren Regierungssitz verteidigt. Im Grossen Rat aber gehört die FDP zu den Verlierern.

Die Delegiertenversammlung der SVP hat hoch gepokert und gewonnen. Es musste den Delegierten bewusst sein, dass sie mit einem Kandidaten wie Urs Martin einen ihrer Sitze riskierten. Martin war ein Kantonsrat, der viel Geschirr zerschlug und bisweilen übers Ziel hinausschoss. Noch nie hat die Thurgauer SVP einen Kandidaten aufgestellt, der so stark polarisierte. Seine Wahl bedeutet auch eine neue Epoche in der Thurgauer SVP.

Ueli Fisch von den Grünliberalen liegt letzten Endes lediglich 864 Stimmen hinter Urs Martin. Bei einem Wählerverhältnis der GLP zur SVP von 1:4 ein mehr als beachtliches Resultat.

Historische Machtverschiebung im linken Lager

Die Grünen haben zwar im Parlament massiv zugelegt, statt neun Sitze haben sie neu deren 15. Bei den Regierungswahlen haben sie aber auf die falsche Kandidatin gesetzt. Eine Kooperation mit der GLP hätte der grünen Sache mehr gedient. Aber das ist nicht allein der Fehler der Grünen.

Möglicherweise haben die Grünen und die Grünliberalen die Chance auf eine historische Wahl selber vergeigt, indem sie sich nicht auf eine gemeinsame Kandidatur geeinigt haben. Und so bleibt im Thurgau mal wieder alles beim Alten.

Fast alles: Unter den linken Parteien hat es eine historische Machtverschiebung gegeben. Erstmals sind die Grünen im Grossen Rat stärker vertreten als die SP.

Und die BDP ist am Ende – zumindest im Thurgau. Bei der Wahl des Grossen Rats hat sie nun auch noch ihre letzten drei Sitze verloren. Die Widmer-Schlumpf-Partei dürfte in den nächsten Jahren von der Landkarte verschwinden.

Mehr zum Thema