Thurgauer Bäckereien unterstützen «Kaffee zum nochmals Mitnehmen» – im eigenen Becher oder im Mehrwegsystem

Mit Mehrweglösungen können Kunden das Einweggeschirr umgehen. «K Kiosk» bietet Kunden mit eigenem Kaffeebecher Rabatt, und «Brezelkönig» lockt mit dem Angebot einer grösseren Getränkemenge.

Janine Bollhalder
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Einwegbecher belasten die Umwelt und das Landschaftsbild.

Einwegbecher belasten die Umwelt und das Landschaftsbild.

Ein zweifelhafter Erfolg für die Schweiz: der dritte Platz im europäischen Vergleich der Abfall-Produktion. Jährlich verursacht jede Bewohnerin und jeder Bewohner hierzulande 700  Kilogramm Abfall. Ein Drittel davon machen Einwegverpackungen aus. Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Einwegverpackungen sind Mehrweglösungen – etwa selbst mitgebrachte Behälter für den Kaffee.

Zum Auffüllen anstatt zum Mitnehmen

Matthias Kunz von der Bäckerei Kunz mit Standorten in Altnau, Uttwil und Arbon sagt: «Es kommen Leute mit einem eigenen Becher bei uns vorbei.» Zwar vereinzelt, aber er ist überzeugt: «Das kommt noch.» Denn:

«Mein Vater hat schon vor 20  Jahren während einer Reise in Kanada gesehen, dass die Leute ihre eigenen Becher zum Auffüllen mitbringen.»

Die Bäckerei setzt zur Zeit die Idee um, Chromstahlbecher ins Verkaufssortiment aufzunehmen. Bis dahin gibt es noch Pappbecher. Kunz sagt: «Es ist zwar kein Plastik, aber wir wollen eine nachhaltigere Lösung anbieten.»

Bei vielen Anbietern entlastet der selbst mitgebrachte Becher auch das Portemonnaie: «In den Avec-Verkaufsstellen erhalten Kunden einen Rabatt von 20 Rappen auf alle Heissgetränke, wenn sie einen eigenen Becher mitbringen», sagt Martin Zehnder von der Valora Gruppe. Zu dieser gehören nicht nur die Avec-Verkaufsstellen, sondern auch K Kiosk sowie Press & Books, bei denen ebenfalls eine Gutschrift im Wert von 20 Rappen winkt. Bei «Caffè Spettacolo» und «Brezelkönig» erhalten Kunden mit einem eigenen Becher ein Upgrade – eine grössere Menge des ausgewählten Getränks.

Unternehmer Roger Mohn von der Bäckerei, Konditorei und Patisserie Mohn mit Hauptsitz in Sulgen sagt, er sei bisher noch nie mit dem Befüllen eines eigens mitgebrachten Kaffeebechers konfrontiert worden. Er sagt aber: «Sauber gehaltene, selbst mitgebrachte Becher werden selbstverständlich befüllt.» Allerdings berichtet Mohn:

«Bäckerkollegen haben die Erfahrung gemacht, dass teilweise säuerlich riechende Mehrwegbecher von Kunden zum Befüllen mitgebracht wurden. Das ist natürlich nicht mit unserer Hygieneempfindung und -verantwortung vereinbar.»

Die Hygiene des eigenen Kaffeebechers

«Die Sauberkeit des wiederverwendbaren Bechers liegt in der Verantwortlichkeit des Konsumenten», sagt Davide Degiorgi, Leiter des Lebensmittelinspektorats und stellvertretender Kantonschemiker des Kantons Thurgau. Allerdings können die Angestellten das Befüllen des Bechers verweigern, wenn dieser zu unhygienisch ausschaut. Beim Abfüllen des Kaffees sieht er ansonsten keine Gefahr für bakterielle Verschmutzungen. «Natürlich ist aber eine gewisse Vorsicht geboten, wenn der Kunde einen kranken Eindruck macht», sagt er.

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Mehrweg sagt Littering den Kampf an

Der herkömmliche Einwegbecher birgt noch ein Problem: Das Wegwerfen nach Lust und Laune fern eines Mülleimers – Littering. Das Unternehmen «Recircle» aus Bern will die Umwelt- sowie die Abfallproblematik durch eine Erfindung bekämpfen. Das Team hat die Recirclebox und den Good Cup entwickelt, mehrfach verwendbare Essens- und Getränkebehälter, die bei Partnern des Unternehmens mitsamt dem Essen gekauft und gegen Rückerstattung des Pfandes zurückgegeben werden können.

Das Unternehmen hat bereits zwei Partner im Thurgau gefunden, die nebst dem Mehrweg-Essensgeschirr auch den Good Cup anbieten: Die Café-Bar «Sorriso» in Kreuzlingen sowie das Personal- und Gästerestaurant des Kantonsspitals Münsterlingen. Fabrizio Ribezzi von «Sorriso» will das Geschirr sowie die Mehrwegbecher voraussichtlich im Dezember anbieten. Ihm sei das Einweggeschirr schon immer ein Dorn im Auge gewesen – speziell die Plastikverpackungen für das beliebte Sushi.

Das Kantonsspital Münsterlingen hat das Mehrweg-Geschirr von Recircle schon vor acht Wochen eingeführt. Restaurantleiter Martin Uetz ist bisher zufrieden: «Das Geschirr kommt gut an und wir haben das Einweggeschirr eliminieren können.»