Thurgauer Apfelkönigin tritt der SVP bei und schweigt

Apfelkönigin Melanie Maurer ist neues Parteimitglied der SVP. Politische Positionierungen sind in der Welt der Missen und Königinnen sehr ungewöhnlich.

Geraldine Bohne
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Die Apfelkönigin Melanie Maurer beim Frühlingsfest der SVP im Pentorama Amriswil.

Die Apfelkönigin Melanie Maurer beim Frühlingsfest der SVP im Pentorama Amriswil.

Hübsch, blond, mit einem sympathischen Lächeln. Und die amtierende Apfelkönigin ist seit wenigen Wochen Mitglied einer politischen Partei. Die Sulgerin Melanie Maurer trat bereits letzten Sonntag mit Tracht und Schärpe am Frühlingsfest der SVP Amriswil auf. Dort wurde sie auch als offizielles Mitglied vorgestellt.

Der Parteibeitritt einer Apfelkönigin ist ungewöhnlich. Eine ehemalige Amtsvertreterin erinnert sich an Abmachungen mit der Organisation. «Bei mir war die Abmachung so, dass, sobald ich im Amt war, ich mich neutral verhalten musste», sagt Marion Weibel, Apfelkönigin 2017/2018. Bei verschiedensten Missen-Titeln der Schweiz ist das politische Engagement während der Amtszeit vertraglich nicht geregelt. Doch für einige Amtsträgerinnen steht fest, dass sie während eines Jahres neutral bleiben. «Ich hätte mich nicht getraut einer Partei beizutreten.», sagt die ehemalige Apfelkönigin Angela Kugler-Stocker.

Eine Königin mit Bekenntnis

Zu ihrem politischen Bekenntnis möchten sich die aktuelle Amtsträgerin Melanie Maurer sowie die Leiterin der Geschäftsstelle der Thurgauer Apfelkönigin, Nadja Anderes, nicht äussern. «Der Parteibeitritt ist mit uns als Geschäftsstelle nicht abgesprochen worden, jedoch ist es der jeweiligen Apfelkönigin frei überlassen, was sie ausserhalb ihres Amtes tut», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus.

«Grundsätzlich möchten wir aber nicht, dass das Amt der Thurgauer Apfelkönigin mit einer Partei verbunden wird.»

Wie sich der Parteibeitritt von Melanie Maurer auf die Buchungszahlen auswirken wird, ist ungewiss. Denn nicht nur an Schiffstaufen, Messen und Sportveranstaltungen muss die Apfelkönigin lächelnd Äpfel verteilen, es kommt auch vor, dass sie zu Parteiversammlungen eingeladen wird. «Die Thurgauer Apfelkönigin kann mit einer grossen Portion Charme als Ehrendame die Besucher verzaubern», heisst es auf der Webseite der Apfelkönigin. Die Anforderungen an die Amtsträgerin belaufen sich damit hauptsächlich auf ein gutes Auftreten und eine sympathische Ausstrahlung. Eine Apfelkönigin könnte mit ihrer politischen Positionierung an Attraktivität für potenzielle Kunden verlieren. «Wir hoffen nicht, dass sie dadurch weniger gebucht wird», sagt Müller.

Präsident der SVP Thurgau Ruedi Zbinden freut sich jedoch sehr über den Parteibeitritt der Apfelkönigin. «Es ist erfreulich, dass jemand Junges neu dabei ist. Sie ist ein Ansporn für andere.» Ausserdem hebe sie die eher tiefe Frauenquote der Partei an.