Ein Massanzug für Weinfelden

Das Dorf revidiert in den nächsten beiden Jahren die Ortsplanung. Gemeindeammann Max Vögeli spricht von einem Generationenwerk. Der Gemeinderat will jetzt schon möglichst viele Meinungen der Einwohner hören.

Esther Simon
Drucken
Teilen
Der Weinfelder Gemeindeammann Max Vögeli auf dem Marktplatz in Weinfelden – vor dem Hochhaus der Zentrums-Passage. (Bild: Mario Testa)

Der Weinfelder Gemeindeammann Max Vögeli auf dem Marktplatz in Weinfelden – vor dem Hochhaus der Zentrums-Passage. (Bild: Mario Testa)

Herr Vögeli, würden die Weinfelder die Ortsplanung auch ohne den Druck des Kantons und die Änderung im Bundesrecht revidieren?

Max Vögeli: Ja, unsere raumplanerischen Instrumente haben ihr ordentliches Alter erreicht. Dazu kommt die Neuausrichtung der Raumplanung von Bund und Kanton, die den Takt und den Inhalt der Revision wesentlich beeinflusst. So gesehen ist der Zeitpunkt ideal.

Totalrevision der Ortsplanung – zwei Jahre Arbeit von Gemeinderat und Kommission. Nach dem Abschluss der Revision, wie lange werden Pläne und Programme gültig sein?

Vögeli: Bei Richtplänen gehen wir von einer Lebensdauer von 25 Jahren, beim Baureglement und dem Zonenplan von 15 Jahren aus.

Bis 2018 haben die Thurgauer Gemeinden Zeit, ihre Ortsplanungen zu revidieren. Die Weinfelder Kommission hat bereits die erste Sitzung absolviert. Man hat den Eindruck, dass sich die Weinfelder mit Euphorie an diese Aufgabe machen.

Vögeli: Die Revision ist eine sehr entscheidende Aufgabe für die weitere Entwicklung von Weinfelden. In meinen Augen ist ein positives Engagement eine notwendige Voraussetzung für eine zukunftsfähige Lösung unserer Raumplanung.

Welche neuen Entwicklungen ergeben sich durch die Totalrevision für das Dorf? Hochhäuser oder höhere Häuser wären zum Beispiel möglich?

Vögeli: Als Ergebnis dieser Totalrevision sollten Planungsinstrumente vorliegen, die für Weinfelden eine angemessene Entwicklung in verschiedenen Bereichen – wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Mobilität, Bildung, Kultur und vieles andere mehr – ermöglichen. Gleichzeitig sind die räumlichen, baulichen und gesellschaftlichen Qualitäten und Werte in Weinfelden zu erhalten und zu fördern. Das Thema höhere Bauten oder Hochhäuser wird sicher spezifischen Klärungsbedarf auslösen und braucht in der Umsetzung eine sehr feine Klinge.

Der Gemeinderat lädt am 19. November zu einem Workshop in den Saal des Rathauses ein. Dort können die Weinfelderinnen und Weinfelder ihre Vorstellungen über die Entwicklung des Dorfes einbringen. Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?

Vögeli: Wir wollen zu Beginn des Prozesses möglichst viele Meinungen einholen. Es geht dabei vor allem darum, unsere Stärken, Defizite und die Trends zu erkennen, Szenarien zu entwickeln und gleichzeitig die Basis für eine lösungsorientierte Planung und die Schwerpunkte unserer Arbeit zu legen.

Können die Weinfelder auch nach dem 19. November noch ihre Vorstellungen einbringen?

Vögeli: Ja, sicher. Die ganze Revisionsarbeit wird in Etappen erfolgen, zum Teil mit politischer Mitwirkung des Gemeindeparlaments, zum Teil durch öffentliche Bekanntmachung mit Möglichkeiten zu Einwendungen. Die Genehmigung durch den Kanton bildet den Abschluss der Verfahren.

Wie gehen Sie damit um, dass der Gemeinderat wohl kaum alle Wünsche der Bevölkerung erfüllen kann?

Vögeli: Das ist der politische Alltag. Wir wissen alle aus Erfahrung, dass jede Ausmarchung von Ideen letztlich Gewinner und Verlierer hat. Das ist unser demokratisches System mit der Vorgabe, dass die Mehrheit entscheidet. Es kann auch das Schicksal eines Vorschlags sein, dass er durch einen anderen oder einen besseren ersetzt wird.

Gibt es Unsicherheiten, welche die Weinfelder Revision erschweren?

Vögeli: Unsicherheiten oder unklare Vorgaben gibt es viele. Bei der Verdichtung nach innen beispielsweise, der Zersiedlung oder der haushälterischen Bodennutzung gibt es zahlreiche Ansichten und entsprechende Definitionen, die nicht übereinstimmen. Wir haben in diesem Umfeld den Massanzug für Weinfelden zu finden – möglichst losgelöst von Partikularinteressen. Es muss letztlich für uns stimmen, denn in Weinfelden leben bekanntlich wir und keine Basler oder Berner.

Aktuelle Nachrichten