Ein Mann will sich als Pferd versichern lassen

DIETINGEN. Die Geschäftsführerin der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen liess sich nicht zum Narren halten. Auf die Bitte eines Mannes, ihn als Pferd in die Genossenschaft aufzunehmen, antwortete sie höflich und humorvoll. Zum Glück: Jetzt findet die Geschichte Eingang in ein Buch, welches das «Pferd» schreibt.

Margrith Pfister-Kübler
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Geschäftsführerin Sandra Seiler und Norbert Hasler, Präsident der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Geschäftsführerin Sandra Seiler und Norbert Hasler, Präsident der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Jahresversammlung der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen begann wie immer. Präsident Norbert Hasler begrüsste in der «Traube» 55 Genossenschafter und den Referenten, den Spezialtierarzt für Pferde, Hanspeter Meier. Dann begann der Jahresbericht mit einer verrückten Information – zum ersten Mal in der Geschichte der Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen, die 2018 das 150jährige Bestehen feiert.

Sie nimmt jede Anfrage ernst

Geschäftsführerin Sandra Seiler legte eine Versicherungsanfrage eines «Stallbewohners G. Chummer» aus Steffisburg vor. «Sie, losen Sie einmal», schrieb er, «meine Versicherung ist leider schon wieder ein paar Fränkli gestiegen, und langsam, aber sicher wird mir das zu blöd. Nun habe ich auf Ihrer Webseite gelesen, dass Sie Pferde aller Gattungen gegen Unfälle und Tod versichern. Aus diesem Grund möchte ich Sie jetzt fragen, ob es wohl möglich wäre, dass ich mich bei Ihnen versichern lasse? Mir ist schon klar, dass ich vermutlich streng zoologisch gesehen nicht zu einer Rössli-Gattung gehöre, aber ich kann ganz laut und authentisch wiehern, und auch rein optisch ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Pferden nicht zu leugnen. In Erwartung Ihrer fachkundigen Antwort. Es grüsst Sie zweimal laut wiehernd: Gottfried Chummer, Brucheggweg 18, Steffisburg.»

Dienstbeflissen habe sie geantwortet, sagte Sandra Seiler: «Ich nehme jede Anfrage ernst. Damals dachte ich an ein Schulprojekt, das herausfinden wollte, ob überhaupt jemand auf ein solches Schreiben Antwort gibt.» Seiler jedenfalls bestätigte dem Briefschreiber, dass sie erfreut sei über die Anfrage aus Steffisburg. Wörtlich schrieb sie an Gottfried Chummer: «Grundsätzlich nehmen wir tatsächlich Pferde aller Gattungen in unserer Versicherung auf. Sie benötigen dazu ein Gesundheitszeugnis eines anerkannten Tierarztes.» Sie forderte ihn auf – um Täuschungen zu vermeiden – von Vorteil auf allen vieren vorzutraben. «In Erwartung Ihres Antrags und des Gesundheitszeugnisses freue ich mich, wieder von Ihnen zu hören.» Das war 2012. Danach war Schweigen.

Applaus wollte nicht enden

Jetzt – 2015 – wiehert der damalige Versicherungswillige erneut: Er outet sich als Günter Friedrich Struchen, im richtigen Leben Flavio Carrera, eidgenössisch diplomierter Meeresbiologe und Autor, der an allerlei Leute Briefe verschickt und die coolsten Briefwechsel in ein Buch aufnimmt. «Jetzt hat er um Bewilligung für die Publikation angefragt», freut sich Sandra Seiler, jetzt habe die Pferdeversicherungs-Genossenschaft Wigoltingen die Hürde in die Literatur geschafft. Der Applaus der Genossenschafter für die dienstfertige und humorvolle Geschäftsführerin wollte nicht enden.