WEINFELDEN: «Dorf oder Stadt – beides ist möglich»

Die Gemeinde Weinfelden revidiert ihre Ortsplanung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind aber nur einer von vielen Faktoren für die bauliche Entwicklung. Für den Gemeindepräsidenten Max Vögeli ist auch die Qualität des Zusammenlebens wichtig.

Esther Simon
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Gemeindepräsident Max Vögeli. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Max Vögeli. (Bild: Reto Martin)

Herr Vögeli, heute abend informiert die Gemeinde Weinfelden im Rathaus über die Revision der Ortsplanung. Warum sollen die Weinfelderinnen und Weinfelder an diesen Informationsabend kommen?

Max Vögeli: Es geht mir um eine hohe Transparenz im ganzen Verfahren der Ortsplanung. Wir sind nun in einer wichtigen Phase der Umsetzung und möchten der Bevölkerung den aktuellen Stand der Arbeit gerne präsentieren.

Gemeindepräsident Max Vögeli. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Max Vögeli. (Bild: Reto Martin)

Der Gemeinderat hat den Richtplan «Siedlung, Natur und Landschaft» inklusive Richtplantext, Baureglement und Zonenplan bereits zur Vorprüfung an das Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau geschickt. Könnte da bei den Weinfeldern nicht der Eindruck entstehen, dass die Sache ohnehin schon gelaufen ist und sie zur baulichen Zukunft ihres Dorfes nichts mehr zu sagen haben?

Vögeli: Nein, gar nicht. Dass wir das Paket zur Vorprüfung geschickt haben, ist ein übliches Verfahren. Um den Puls der Bevölkerung zu spüren, haben wir zu Beginn des Prozesses einen öffentlichen Workshop durchgeführt. Die vom Gemeinderat eingesetzte Kommission hat in den vergangenen Monaten auch diese Anliegen geprüft und wenn möglich berücksichtigt. Aktuell geht es nun um die Phase der Vernehmlassung, die nach der öffentlichen Info-Veranstaltung bis Ende November stattfinden wird. Es ist üblich, dass gleichzeitig auch der Kanton die Möglichkeit hat, sich in einer sogenannten Vorprüfung zu äussern.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind ja nur ein Faktor für die bauliche Entwicklung. Weinfelden muss auch wissen, welche Rolle es künftig spielen will. Hand aufs Herz: Geht es Richtung Dorf oder Stadt? Oder Kleinstadt?

Vögeli: Weinfelden hat vor sieben Jahren die 10 000-Einwohner-Grenze überschritten und gilt seither in der Schweiz als Stadt. Nun gibt es zwei Betrachtungen. Die eine betrifft die Qualität des Zusammenlebens der Menschen, das ist die wichtigere, die andere betrifft die Infrastrukturen. Infrastrukturen werden dabei weiterentwickelt oder ausgebaut, die persönlichen Begegnungen hingegen sollen nicht verlorengehen und weiter gestärkt werden. Darum glaube ich, dass sich Weinfelden in Zukunft sowohl als Dorf als auch als Stadt weiterentwickeln wird.

Wenn es Richtung Stadt ginge: Da gibt es auch eine formelle Seite?

Vögeli: Ja. Der Gemeinderat wird noch in dieser Legislaturperiode einen Vorschlag zur Revision unserer Gemeindeordnung präsentieren. Dabei kann auch über die Stadtbezeichnung diskutiert werden.

Gemäss Planungs- und Baugesetz sind neu Hochhäuser und höhere Häuser möglich. Die Studie, welche die Gemeinde Weinfelden in Auftrag gegeben hat, liegt vor. Ist sie überraschend ausgefallen?

Vögeli: Für Weinfelden ist das nicht neu. Wir haben bereits Gebäude, die in diese beiden Kategorien fallen. In der Studie sind nicht Einzelstandorte, sondern insgesamt neun Gebiete definiert worden, die dafür geeignet sind. Diese Gebiete werden in den kommunalen Richtplan übernommen und Bedingungen formuliert, unter denen die Erstellung von weiteren höheren Häusern oder Hochhäusern zulässig ist.

Wie geht es nach der Informationsveranstaltung von heute abend weiter?

Vögeli: Es kommt nun die wichtige Phase der Vernehmlassung. Alle interessierten Personen, Parteien, Verbände, Unternehmen und Vereine sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Damit wir die Vernehmlassung etwas strukturieren können, haben wir einen Fragebogen ausgearbeitet. Dieser wird dann zusammen mit den notwendigen Unterlagen und Plänen auch elektronisch zur Verfügung stehen.

Hochhäuser am Marktplatz in Weinfelden. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Studie definiert neun Gebiete, wo weitere Hochhäuser und höhere Häuser möglich wären. (Bild: Reto Martin)

Hochhäuser am Marktplatz in Weinfelden. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Studie definiert neun Gebiete, wo weitere Hochhäuser und höhere Häuser möglich wären. (Bild: Reto Martin)

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