Biber müssen in die Sommerferien

BÜRGLEN. Mitarbeiter des Amts für Jagd und Fischerei haben Anfang der Woche die Biber aus dem Kanal in Bürglen eingefangen und umplaziert. Der Kanal wird Ende Mai für den Neubau des Kraftwerks für knapp vier Monate trockengelegt.

Mario Testa
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Mitarbeiter der Biberfachstelle Schweiz und der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau bei der Fangaktion im Kanal Bürglen. (Bild: pd/Klaus Robin)

Mitarbeiter der Biberfachstelle Schweiz und der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau bei der Fangaktion im Kanal Bürglen. (Bild: pd/Klaus Robin)

Die Sommerferien haben für eine vierköpfige Biberfamilie aus Bürglen schon diese Woche begonnen. Die kommenden vier bis fünf Monate verbringt das Elternpaar und die beiden Jungtiere in der Wildstation Landshut im bernischen Utzenstorf. Am Montag und Dienstag haben Mitarbeiter der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau unter Mithilfe von Experten der Biberfachstelle Schweiz die vier Tiere im Kanal unterhalb des Kleinkraftwerks in Bürglen eingefangen.

«Die Axpo erneuert ab Anfang Juni das Wasserkraftwerk und muss dazu den Kanal während rund vier Monaten trockenlegen», sagt Roman Kistler, Amtsleiter Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau. Im trockengelegten Kanal könnten die Biber nicht leben. «Einerseits währen ihre Wohnbauten nicht mehr vor Feinden geschützt, anderseits hätten die Biber den Kanal nicht mehr zur Nahrungssuche verlassen können wegen der hohen, senkrechten Wände.»

Zwischenlösung statt umsiedeln

Anstatt die Biber nun über den Sommer in der Wildstation unterzubringen, hätten sie nach dem Einfangen auch in ein neues Revier umgesiedelt werden können. «Das Problem ist, dass die nah gelegene Thur schon stark von Bibern besetzt ist. Das hätte zu Revierkämpfen unter den Bibern geführt», sagt Kistler. Deshalb habe er sich für die Rückführung der Biber nach Abschluss der Bauarbeiten und Flutung des Kanals entschlossen.

Beim Bau des Kanals wurden Holzbohlen als Wände eingesetzt. Diese sind im Verlauf der vielen Jahrzehnte morsch geworden. «Erst dank der morschen Holzbohlen konnten die Biber überhaupt im Kanal sesshaft werden. Sie konnten sich durchs Holz nagen und im Erdreich dahinter ihre Wohnbauten erstellen», sagt Kistler. Im Zuge der Kanal- und Kraftwerksanierung ersetzt die Axpo die Holzwände nun durch stählerne Spundwände. «Durch diese Stahlplatten können sich die Biber natürlich nicht mehr hindurch nagen. Deshalb werden im Zug der Bauarbeiten extra für die Biber Wohnbauten und Ausstiege angelegt, damit sie auch künftig im Kanal leben können.» Bezahlt werden all diese Bauten für die Biber, wie auch deren Unterbringung in der Wildstation von der Axpo. «Diese Arbeiten sind Ersatzmassnahmen und als solche Bestandteil der Konzession», erklärt Kistler. Er lobt die Zusammenarbeit mit dem Stromkonzern. Schon früh sei Kontakt aufgenommen worden und seien alle Massnahmen besprochen worden.

Erstmalige Aktion im Thurgau

Eine Evakuation von vier Bibern mit späterem Wiedereinsetzen ist einmalig im Kanton Thurgau. «Die Situation ist aufgrund der Trockenlegung sehr speziell, das hatten wir noch nie. Bisher wurde höchstens mal ein Biber eingefangen, der sich ins Siedlungsgebiet verirrt hatte», sagt Roman Kistler. Er hofft, dass die Biberfamilie im Herbst, wenn sie in den Kanal Bürglen zurückkehrt, sich schnell wieder heimisch fühlt. «Wir sind zuversichtlich, dass die Tiere die Kunstbauten annehmen werden. Andernorts hat das bereits gut geklappt.» Bevor der Kanal trockengelegt wird, wird Ende Mai auch noch abgefischt und die Fische in die Thur gesetzt.