Steckborn startet Wiederaufbau

STECKBORN. Geht es nach kantonaler Denkmalpflege und Stadt, wird die Lücke in der geschützten Altstadt von Steckborn mit einer Gesamtplanung geschlossen. Wünschenswert wäre ein Architekturwettbewerb. Das letzte Wort haben aber die Besitzer.

Gudrun Enders
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Stadtpräsident Roger Forrer, Denkmalpfleger Ruedi Elser und Bauverwalter Egon Eggmann inspizieren den ehemaligen Brandplatz. Sie stehen da, wo sich einmal das Haus Seestrasse 101 befand. (Bilder: Andrea Stalder)

Stadtpräsident Roger Forrer, Denkmalpfleger Ruedi Elser und Bauverwalter Egon Eggmann inspizieren den ehemaligen Brandplatz. Sie stehen da, wo sich einmal das Haus Seestrasse 101 befand. (Bilder: Andrea Stalder)

Eine Lücke klafft im national bedeutenden Stadtbild von Steckborn. Der Grossbrand hat zwei Häuser total zerstört und drei stark geschädigt.

Nun wollen Kanton und Stadt gemeinsam mit der Stiftung Ortsbild die heikle Aufgabe angehen, diese Lücke zu schliessen. Schliesslich liegt das im öffentlichen Interesse, steht doch das Stadtbild unter Bundesschutz. «Wir stellen uns einen gestalterisch hochwertigen und würdevollen Ersatzbau vor», sagte der kantonale Denkmalpfleger Ruedi Elser gestern an der Medienkonferenz. Eine Kopie der historischen Gebäude fordere die Denkmalpflege nicht.

Alle Produkte müssen entsorgt werden: Drogist Matthias Brunnschweiler und Tochter Stéphanie leeren die Regale. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Alle Produkte müssen entsorgt werden: Drogist Matthias Brunnschweiler und Tochter Stéphanie leeren die Regale. (Bild: Andrea Stalder (Andrea Stalder))

Gemeinsam und rasch zum Ziel

Stadtpräsident Roger Forrer sieht die Aufgabe der Stadt in der Koordination. Er holt in den nächsten Tagen alle Hauseigentümer an einen Tisch, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Womöglich wollen Hausbesitzer auch verkaufen.

Der Steckborner Bauverwalter Egon Eggmann würde eine Gesamtplanung ebenfalls begrüssen: «Sie wird wahrscheinlich das beste und schnellste Ergebnis liefern.» Alleingänge seien nicht optimal.

Gute Erfahrungen hat Steckborn mit Architekturwettbewerben gemacht. Mit dem Instrument wurde vor Jahren eine Baulücke in der Kirchgasse in unmittelbarer Nähe zum aktuellen Brandplatz geschlossen. «Das ist ein positives Beispiel, wie sich ein modernen Baukörper sehr gut in die Altstadt integriert», sagt Eggmann. So einen Wettbewerb gibt es nicht umsonst: Der Wettbewerb, der zur Überbauung des Lindenareals durchgeführt wurde, kostete Steckborn rund eine viertel Million. «Das Geld ist gut investiert und bringt mehr als nur ein Projekt.» Auch Denkmalpfleger Elser wünscht sich, dass in Steckborn in Varianten gedacht wird. Deshalb wollte er sich nicht festlegen, inwieweit nicht mehr einsturzgefährdete Hausfragmente erhalten bleiben sollten.

Brandschutzmauer hielt stand

Wie effektiv eine Brandschutzmauer sein kann, liess sich gut vor Ort sehen. Etwas russgeschwärzt ragte eine solche Mauer aus der Altstadtlücke. Dank ihr war das Haus nur wenig in Mitleidenschaft gezogen worden. «Diese Liegenschaft musste stark saniert werden, deshalb war es möglich, eine durchgehende Brandschutzmauer einzubauen», sagte Bauverwalter Eggmann. «Bei einer Teilsanierung ist das praktisch unmöglich.» Das macht Altstadtbrände so gefährlich – durchgehende Balken, ineinander verschachtelte Häuser mit verschobenen Ebenen sind kontraproduktiv in Sachen Brandschutz.

Steckborner erinnern sich noch an eine Aktion der Gebäudeversicherung, die den Einbau von Brandschutzmauern speziell förderte. «Das war noch vor meiner Zeit», sagt Christian Vetsch, seit 15 Jahren Leiter Brandschutz beim Feuerschutzamt Thurgau. Wer freiwillig nachträglich eine Brandschutzmauer einbaut, kann bis zu 40 Prozent der Kosten von der Gebäudeversicherung erstattet bekommen: «Das gilt für Mauern, die einem Feuer drei Stunden standhalten.»