Die Bohrstelle hautnah erlebt

SCHLATTINGEN. Schutzhelm auf und Technik erleben: Das war am Tag der offenen Bohrstelle der Geothermie-Erkundungsbohrung am Samstag angesagt. Das Interesse war gross, mehr als tausend Personen kamen nach Schlattingen.

Mathias Frei
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Der Bohrbetrieb stand still. Trotzdem herrschte Hochbetrieb.

Der Bohrbetrieb stand still. Trotzdem herrschte Hochbetrieb.

Der Aushubhügel hinter dem Geothermie-Bohrgelände erscheint einem noch klein, da säumen schon geparkte Autos die Strasse von Schlattingen nach Diessenhofen. Auch das Wetter meint es gut mit dem Bohrherr und Gemüsebauer Hansjörg Grob, der die Bevölkerung zu einem Tag der offenen Bohrstelle eingeladen hatte. Und so herrscht Hochbetrieb auf dem Areal. Sobald man das umzäunte 2200 Quadratmeter grosse Bohrgelände betritt, herrscht Tragpflicht für einen blauen Bauhelm. Einer verteilt nach Augenmass Helme und meint dann lachend: «Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich an die mit den weissen Helmen. Und wenn es die nicht wissen, fragen Sie mich.»

Spielplatz der Gefühle

Auf einem Rundgang wird einem die Geothermie in sechs Stationen näher gebracht. Überall erklären Fachpersonen gerne und einfach verständlich. Vor dem aufgebahrten Bohrgestänge nimmt eine Gruppe Herren mittleren Alters einen Augenschein von Kernkronen und –rohr. Einer erzählt von den Unwägbarkeiten der Geothermie. Die Zuhörer nicken anerkennend, wirken sehr interessiert. Die Bohrstelle muss für jeden technisch halbwegs interessierten Herrn ab 40 irgendetwas sein zwischen Spielplatz der Gefühle und weihnachtlicher Bescherung, als man noch Kind war.

Auch Familien vor Ort

Aber auch viele Familien sind zugegen. Denn man kann vieles anfassen oder sogar in die Hand nehmen, was den Kleinen durchaus Spass zu machen scheint. Trotzdem bleibt die Sicherheit für die Besucher gewährleistet. Natürlich stehe der Bohrbetrieb still, erklärt Grob. Zudem seien die sicherheitsrelevanten Teile der Anlage abgesperrt. Jedoch sei sehr viel teures Equipment ausgestellt.

Beim Hydro-Testing fragt einer nach der erwarteten Wassertemperatur. Antwort: 55 bis 60 Grad in etwa 1200 Metern Tiefe. Nebenan auf der Bohrbühne riecht es nach Öl. Ein bodenständiger Unterthurgauer duzt den deutschen Bohrspezialisten unverhohlen: «Du, wie lange braucht ihr, um das Gestänge aufzustellen?» Der erzählt dann von den 1800 Metern an vorhandenem Rohrgestänge und von den zwölf Stunden Arbeit pro Tag, 14 Tage am Stück.

«Will mol luege!», macht ein kleines Mädchen auf sich aufmerksam. Papi hebt die Kleine hoch, damit sie sich die Armaturen in der Kabine der Bohrbühne anschauen kann. Da macht sie aber grosse Augen.

Referate und Festwirtschaft

Ein Blick auf die Schlattinger Bohrkerne geworfen, Gestein, sogenannter Opalinuston, aus einer Tiefe von 870 Meter berührt. Und weiter geht's zu einem Geothermie-Referat in einer Baracke. Die 30 Stühle reichen ob der Anzahl Interessierter natürlich nicht aus.

Erklärungsbedarf: Jene mit den weissen Helmen informierten jene mit den blauen Helmen. (Bilder: Reto Martin)

Erklärungsbedarf: Jene mit den weissen Helmen informierten jene mit den blauen Helmen. (Bilder: Reto Martin)