Die Mutter aller TG-Kennzeichen

STECKBORN. Der uralte Benz im Steckborner Heimatmuseum ist das erste Thurgauer Auto. Es knatterte sicher ab 1905 mit dem Kennzeichen Nummer 1 durch Steckborn. Das hat Archivar Angelus Hux aus Frauenfeld herausgefunden.

Gudrun Enders
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Blick in den Motorraum des uralten Benz und auf das Nummernschild. Der Wagen steht im Turmhof von Steckborn. (Bild: Reto Martin)

Blick in den Motorraum des uralten Benz und auf das Nummernschild. Der Wagen steht im Turmhof von Steckborn. (Bild: Reto Martin)

Womöglich ist das Nummernschild am ersten Thurgauer Auto doch echt. Das Heimatmuseum hütet den uralten Benz, erbaut zwischen 1898 bis 1900, im Turmhof. Doch von vorne: Als der Archivar der Bürgergemeinde Frauenfeld, Angelus Hux, vor Jahren im Staatsarchiv nach dem Halter eines Martini-Fahrzeugs suchte, stiess er auf ein Verzeichnis der ersten Autokennzeichen, die im Thurgau vergeben wurden. Daran erinnerte er sich, nachdem er in unserer Zeitung über das Auto, das älter als die Kennzeichenpflicht ist, las.

Das Kennzeichen für die Fasnacht. Das Foto ist undatiert. (Bild: pd)

Das Kennzeichen für die Fasnacht. Das Foto ist undatiert. (Bild: pd)

Womöglich das Original

Eine Kopie der ersten Auto-Registrierung schickte Angelus Hux unserer Zeitung zu. Sie beweist, dass am 28. Juli 1905 an den Benz (Fabriknummer 2095) von Maschinenfabrikant Fritz Gegauf die Nummer 1 vergeben wurde – an den Wagen, der im Turmhof steht. In den Unterlagen des Museums ist vermerkt, dass der Wagen 1905 aus dem Verkehr gezogen wurde. Doch nun kommt heraus, in dem Jahr wurde er erstmals registriert. «Die Kennzeichen-Nummer 1 ist absolut zutreffend», schreibt Angelus Hux, der allerdings nicht entscheiden will, ob das Schild selbst eine Fälschung ist oder nicht. Er fügt aber an: «Von 1905 bis 1912 waren schwarze kantonale Kontrollschilder in Gebrauch.» Archivar Beat Oswald vom Thurgauer Staatsarchiv bestätigt die Angaben seines Kollegen. In verschiedenen Immatrikulationsbänden tauche der Benz von Gegauf, ein Zweiplätzer, mit der Autonummer 1 auf. Die Nummer 2 ging ebenfalls an einen Benz von Gegauf. «Das war ein Vierplätzer», sagt Oswald.

Fasnacht: Auch diese Fotografie des Benz ist undatiert. (Bild: pd)

Fasnacht: Auch diese Fotografie des Benz ist undatiert. (Bild: pd)

Beat Labhart aus Steckborn kennt das erste Thurgauer Auto wie kein zweiter. 25 Jahre arbeitete er als Meistermechaniker der Fritz Gegauf AG respektive Bernina. 1993 setzte er den uralten Benz für das Firmenjubiläum wieder in Gang. Viele Jahre hatte das uralte Auto noch seinen Auftritt an der Fasnacht. «Doch 1950 liessen sie ihn vor der Sonne stehen.» Es war kalt und das Wasser gefror. Der Motorblock aus Gusseisen trug einen Riss davon. Den schweisste Labhart und setzte unter anderem die sehr seltene Zündung instand.

Kein endgültiger Beweis

Der Wagen sei ein Unikat, sagt Labhart. Nachträglich fügte die Sattlerei Labhart ein Faltdach hinzu: «Der Wagen ist mindestens eine Million Franken wert.» Aber ob das Kennzeichen echt ist, vermag auch er nicht zu sagen.

Ist es nun ein Original? Museumsleiter Peter Imhof und Ernst Füllemann inspizierten es vor Ort: «Es ist maschinell und fachmännisch geprägt», sagt Füllemann. Imhof sieht, dass es von neueren Schrauben gehalten wird. «Das Kennzeichen selbst wirkt alt.»