Da ging kurz die Welt unter

SCHLATT/BASADINGEN. Ein Unwetter am Donnerstagabend traf die Gemeinden Basadingen und Schlatt hart. Die Feuerwehr stand teilweise die ganze Nacht im Einsatz. Gestern wurde weiter aufgeräumt.

Gudrun Enders
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Kübelweise räumte Karl Laasner gestern immer noch Hagel weg. (Bilder: Gudrun Enders)

Kübelweise räumte Karl Laasner gestern immer noch Hagel weg. (Bilder: Gudrun Enders)

Karl Laasner aus Schlatt schleppte gestern mittag den Hagel immer noch Eimer für Eimer vor sein Haus. Ein Gemisch aus Hagel, Schlamm, Geröll und Wasser liegt kniehoch in seinem Vorgarten. Vor der Haustüre stehen Helfer und spritzen einen Tisch ab. Gerne würde Laasner einen kostbaren Teppich retten, doch das sieht nicht gut aus. Der Teppich hat sich mit Schlamm vollgesaugt. Denn am Donnerstag gegen 19 Uhr drückte eine Lawine aus Hagel und Schlamm gegen sein Haus am Schmittweg, strömte in Stube und Küche. Der Keller lief voll. Die Masse zerdrückte den Öltank und ruinierte die Heizung. Seine Werkstatt und die beiden Tiefkühler: «Alles kaputt», sagt Karl Laasner.

Rund 20 Häuser betroffen

Laasner ist nicht der einzige Betroffene. Bei einem Hausbesitzer oberhalb etwa prasselten Hagel und Regen in einem derart ungünstigen Winkel aufs Riegelhaus, dass das Wasser in den Estrich eindrang und in die unteren Etagen tropfte.

In Schlatt war am Donnerstag zum Glück kein Leben in Gefahr wie in Schaffhausen. «Bei uns hatte das Heizöl Priorität eins», rekapituliert Feuerwehrkommandant Hans Möckli. Die ganze Nacht pumpte eine Firma Öl ab, so dass nichts in den nahen Bach gelangte. 40 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Circa 20 Liegenschaften seien betroffen, schätzt Kommandant Möckli. Das Feuerwehrmagazin am Schmittweg gehörte dazu: «Wir mussten die Tür mit Gewalt öffnen.» Die drei Landwirte in seiner Mannschaft erschienen zum Glück schon mit Traktor und Frontlader zum Einsatz, ebenso Ex-Kommandant Walter Monhart. So schoben die Feuerwehrleute die Hagelmassen an die Seite oder in den Dorfbach. Kommandant Möckli lobt seine Mannschaft. Ein Extrakränzlein windet er den sieben Unentwegten, die noch bis morgens um sieben Uhr bei besonders schlimm Betroffenen Schlamm schaufelten. Denn in die Liegenschaft von Familie Roost am Trottenrain spülte es einen ganzen Hang, die Lawine sprengte sogar die Kellertüre. Direkter Nachbar ist Gemeindeammann Kurt Engel. Der zeigt sich betroffen: «Eventuell müssen wir diese Liegenschaft in Zukunft besser schützen.»

Ungewöhnliches Unwetter

Engel erlebte das Unwetter hautnah mit. Als es aufzog, kontrollierte er die neuralgischen Punkte in seiner Gemeinde, doch da zeichnete sich keine Katastrophe ab. Als er wieder in den Dorfkern von Unterschlatt zurückkehrte, sah er die Lawine. «Wasser ist schlimmer als Feuer», findet er. «Für diese Gegend ist das ein aussergewöhnliches Schadenereignis», sagt Schadeninspektor Hans Frehner von der AXA Winterthur. Deshalb rückten gestern sogar gleich zwei Inspektoren an.

Auch Basadingen wurde von dem Unwetter heimgesucht. Dort fiel starker Regen, aber kein Hagel. «Den Schlamm hat es von den frisch angesäten Feldern ins Dorf gespült», sagt Kommandant Urs Knoll von der Stützpunktfeuerwehr Diessenhofen. 50 Feuerwehrmänner pumpten bis halb zwei Uhr nachts bei etwa zehn Liegenschaften die Keller aus. Auch die Schule war betroffen, dort hielten die Fenster laut Gemeindeammann Peter Mathys dicht. Mathys gewinnt dem Unglück sogar Gutes ab: «Die Leute sind solidarisch.» Sein Schlatter Kollege Engel sagt: «Unsere Nachbarschaftshilfe funktioniert.»

Kommandant Hans Möckli im Interview für «Schweiz aktuell».

Kommandant Hans Möckli im Interview für «Schweiz aktuell».

Feuerwehrleute pumpen beim Kindergarten Basadingen Wasser ab. (Bild: pd)

Feuerwehrleute pumpen beim Kindergarten Basadingen Wasser ab. (Bild: pd)