Zehn Stunden Rockparty am See

23 000 Besucher haben am Samstag mit Die Toten Hosen beim Rock am See in Konstanz eine Riesenparty gefeiert. Sieben Bands aus Deutschland, Grossbritannien und Schweden sorgten für eine phantastische Stimmung.

Rudolf Steiner
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Die Toten Hosen zum sechsten Mal im Bodenseestadion in Konstanz: Gitarrist Michael Breitkopf und Sänger Andreas Frege alias «Campino». (Bild: Rudolf Steiner)

Die Toten Hosen zum sechsten Mal im Bodenseestadion in Konstanz: Gitarrist Michael Breitkopf und Sänger Andreas Frege alias «Campino». (Bild: Rudolf Steiner)

KONSTANZ. 23 000 Besucher füllten am Samstag das Konstanzer Bodenseestadion fast bis auf den letzten Platz und feierten mit den sieben Bands zehn Stunden lang eine Riesenparty. Dabei wäre das diesjährige Rock am See wegen eines fehlenden Headliners beinahe ins Wasser gefallen. «Eigentlich rechneten wir für dieses Jahr ja nicht mehr mit einem Festival, denn es fehlte ein zugkräftiger Headliner», sagt Monika Kolar vom Festivalveranstalter.

Grossartige Stimmung

Im Mai konnten dann sozusagen auf den letzten Drücker Die Toten Hosen verpflichtet werden. Obwohl die deutsche Kultrockband bereits fünfmal – das letzte Mal 2010 – bei Rock am See im Bodenseestadion auf der Bühne gestanden ist, erwies sie sich auch dieses Jahr als absoluter Publikumsmagnet. Aber bereits am Samstagnachmittag und frühen Abend sorgten die Bands The Strypes (D), Donots (D), Band of Skulls (GB), Broilers (D), Primal Scream (GB) und The Hives (Schweden) für eine grossartige Stimmung.

Einen grossen Anteil am phantastischen Festival hatte neben den Bands und dem sich in Partystimmung befindenden Publikum das Spätsommerwetter mit angenehmen Temperaturen bis praktisch zum finalen Auftritt der Toten Hosen um neun Uhr. Obwohl sein zeitweiser Auftritt auf der Bühne mit nacktem Oberkörper weniger mit den Wohlfühltemperaturen als vielmehr mit seinem kräftezehrenden Auftritt und seiner Ausstrahlung auf die kreischenden weiblichen Fans zu tun hatte, schwärmte sogar Campino von den phantastischen Wetterbedingungen.

Tiefer Griff in die Mottenkiste

Furios ist denn auch der Auftritt der Punkrocker aus Düsseldorf. Denn schon beim zweiten Song «Altes Fieber» ist die Stimmung auf dem Höhepunkt, und die ersten Fans werden nach vorne durchgereicht. Campino, zum Greifen nahe, ist ein Meister in Sachen Kommunikation mit dem Publikum. «Ist es okay für euch, wenn wir ein wenig in die Mottenkiste greifen», fragt er fast ungewohnt taktvoll das Publikum. Dem ist eigentlich egal, was Campino singt, Hauptsache, es rockt zünftig. Und die Toten Hosen lassen sich nicht lumpen, dafür stehen sie schon zu lange auf der Bühne und spielen alte Hits wie «Alles aus Liebe» und «Hier kommt Alex». Aber auch bei den neueren Songs wie «An Tagen wie diesen» oder «Der Moment» reckt das Publikum die Hände ekstatisch in die Höhe und singt und johlt mit.

Und beim Song «Paradies» holt er sogar eine junge Frau auf die Bühne und überlässt ihr das Mikrophon. Pascale aus Solothurn macht ihre Sache angesichts von 23 000 Besuchern gar nicht schlecht, erschrickt aber schliesslich fast vor ihrem eigenen Mut. Als «Belohnung» erhält sie von Campino eine angelutschte Dose Bier, mit der sie sich dann mutig zurück ins Publikum wirft.

FC Liverpools Hymne als Zugabe

Das Publikum braucht keine spezielle Belohnung, als Zugabe gibt's «Walk on with hope in your heart», angelehnt an die exklusive Vereinshymne des FC Liverpool. Sich den Ratschlag zu Herzen nehmend, verlässt das Publikum praktisch im Rekordtempo und friedlich das Stadion, natürlich nicht ohne vom nächsten Auftritt von Campino und den Toten Hosen zu träumen.