«Alle guten Stücke sind Parabeln»

KREUZLINGEN. Lupenreine Kriminelle und weisse Westen: Bertolt Brechts «Dreigroschenoper» kommt diesen Sommer mit dem See-Burgtheater ans beschauliche Bodenseeufer. Leopold Huber setzt dabei sowohl bei der musikalischen Leitung als auch bei den Darstellern auf altbewährte Kräfte.

Brigitte Elsner-Heller
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Haifisch am Bodensee: Bühnenbildner Klaus Hellenstein und Regisseur Leopold Huber präsentieren das geplante Bühnenbild im Miniaturformat. (Bild: Nana do Carmo)

Haifisch am Bodensee: Bühnenbildner Klaus Hellenstein und Regisseur Leopold Huber präsentieren das geplante Bühnenbild im Miniaturformat. (Bild: Nana do Carmo)

Ein Hai an den Gestaden des Bodensees? Zoologen und Pächter von Strandbädern winken da entschieden ab. Nicht so Leopold Huber und das See-Burgtheater, denn hier weiss man, dass der Haifisch Zähne hat und überall zubeisst. Als Beleg dafür führt man in diesem Sommer Bertolt Brechts «Dreigroschenoper» auf, die Ende der 1920er-Jahre «wahnsinnig erfolgreich» war, wie Regisseur Leopold Huber sagt.

Völlig unbestritten ist natürlich, dass Huber nichts dagegen haben dürfte, wenn sich ein solcher Erfolg ab Juli auch auf der Seebühne des Bodenseeufers einstellte – von Angesicht zu Angesicht mit einem Haifisch, der mit seinem zahnbewährten Maul einen Container umfängt, in dem die Musiker sich der Kompositionen Kurt Weills annehmen werden, während ein zweiter Container an der Schwanzflosse unterschiedliche Spielorte repräsentiert. In der Mitte der Bühne ein Käfig, der an die Gräten eines Haifischkadavers erinnert und darauf wartet, das letzte Domizil von Mackie Messer zu werden. Entworfen hat dieses visuelle Szenario Klaus Hellenstein.

Ein vielschichtiges Werk

«Die <Dreigroschenoper> sieht auf den ersten Blick einfach aus, ist aber vom Aufbau und der Musik her ein vielschichtiges Werk», führt Leopold Huber aus. Gerade bei der Musik müsse man aufpassen, die schrägen Töne besonders gut zu treffen. Dafür, dass diese «unsterbliche Musik» angemessen dargeboten wird, steht – neben den gesanglichen Reputationen der jeweiligen Schauspieler – wiederum Volker Zöbelin, der die musikalische Leitung hat. Wie übrigens schon im vergangenen Jahr, als «Black Rider» mit der Musik von Tom Waits auf dem Programm stand.

Von Erfolg und Misserfolg

«Vier Geschäftsleute bekriegen sich aufs Äusserste, denn es herrscht die Vorstellung, dass Erfolg auf dem Misserfolg der Konkurrenz beruht», formuliert Huber einen Leitgedanken des Stückes. Zuerst ist da Mackie Messer, «ein lupenreiner Krimineller», der Polly entführt, die Tochter Peachums. Der wiederum gibt sich das Image eines Saubermanns, denn er lebt schliesslich vom Spendenbetrug. Dagegen ist bei Jenny, der Bordellbesitzerin, klar, was Sache ist. Und das Gesetz? Es ist auf mehr als einem Auge blind und wird vorgeführt in Gestalt von Tiger Brown, dem korrupten Polizeipräsidenten.

Was sich von alldem im Hier und Heute wiederfinden lässt, ist eine müssige Frage. «Raubzüge werden heute unter dem Deckmantel der Wohlanständigkeit veranstaltet», sagt Huber und lässt stellvertretend nur den Namen Uli Hoeness fallen. «Alle guten Stücke sind Parabeln», fügt er hinzu um klarzumachen, dass nicht alles explizit gemacht werden muss, was mitgedacht werden kann. «Wenn Mackie Messer am Schluss begnadigt wird und eine Abfindung von 30 Millionen erhält, muss man nichts mehr sagen.»

Auf bewährte Kräfte gesetzt

Was seine Darsteller angeht, hat Huber auf bewährte Kräfte zurückgegriffen. Mackie Messer spielt Giuseppe Spina, der im Vorjahr den Stelzfuss im «Black Rider» verkörperte. Ebenfalls wieder dabei ist Alexander Peutz; wie Spina hat auch er sein schauspielerisches wie musikalisches Können im «Black Rider» unter Beweis gestellt. Diesmal steht er als Polizeichef Tiger Brown auf der Bühne. Jenny, die als Bordellbesitzerin die Huren ausbeutet, wird von Astrid Keller gespielt. Den Spendensammler Peachum gibt Erich Hufschmid, seine Tochter Polly, die dem Charme Mackie Messers erliegt, Carin Lawey.