Religionen tanzen um die Wette

Rund 130 Schüler der Kantonsschule Romanshorn machten sich am Samstag auf die Suche nach der Super-Religion. Das farbenfroh und einfallsreich inszenierte Tanz- und Theater-Spektakel entstand in nur einer Woche.

Trudi Krieg
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Tänzerinnen legen sich für den Buddhismus ins Zeug. (Bild: Trudi Krieg)

Tänzerinnen legen sich für den Buddhismus ins Zeug. (Bild: Trudi Krieg)

ROMANSHORN. Anmutig legten sich barfüssige Tänzerinnen für den Buddhismus ins Zeug, und Voodoo-Zauberer machten die Bühne unsicher. Sie wurden aber barsch unterbrochen durch einen aufklärerischen Professor, welcher die These von Marx vertrat, wonach Religion Opium für das Volk sei. Der Wissenschafter rührte in einer «Ursuppe» und wollte chemisch erklären, wie Leben entstanden ist. «Aber was war vor dem Urknall und vor dem Nichts», löcherten ihn seine Assistenten mit Fragen.

Im Laufe der Diskussion kam die Sprache auf Nobelpreisträger Wolfgang Pauli, der den Physiker Niels Bohr einst gefragt haben soll, warum er ein Hufeisen über seiner Tür aufgehängt habe: «Du wirst doch nicht etwa an solche Dinge glauben?» Dieser antwortete gemäss Überlieferung: «Natürlich nicht, aber es soll auch wirken, wenn man nicht daran glaubt.»

Streit um Kleinigkeiten

Schliesslich hatten auch drei Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islam einen Auftritt – Religionen mit gleicher Wurzel. «Die können wir miteinander auf die Bühne bitten», meinte Regisseur Felix Braxmeier. Anfangs vertrugen sich die drei recht gut, redeten von einem Gott und von Abraham als Stammvater ihres Volkes: «Ibrahim» heisse er, stellte die Frau mit dem Halbmond richtig. Es waren Kleinigkeiten, wegen denen sich die drei dann aber in die Haare gerieten.

Eine Frau aus dem Publikum sollte schliesslich entscheiden, welche Religion die einzig wahre sei und damit die Fragen nach der Herkunft der Menschen und dem Sinn des Lebens allgemein beantworten.

Stattdessen begann sie, eine Geschichte zu erzählen, welche unschwer als die Ringparabel von Lessing zu erkennen war. Staunend sassen alle um sie herum, die Buddhisten, die Voodoo-Priester, Chronos und Aufklärer.

Geistreiche Show

Das Tanz- und Theater-Spektakel war ein Beitrag im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-Jahr-Jubiläum der Kantonsschule. Die Zuschauer kamen in den Genuss einer geistreichen, humorvollen, farbigen und bewegten «Live-Fernsehshow».

Die Hauptleitung hatten Simon Engeli und Andrea Noce Naseda sowie Berhard Schiesser, Lehrer für Bildnerisches Gestalten. Die Musik komponierte Qvenild Morten. Die musikalische Leitung hatte Daniel Covini. Kamera und Technik, Bühnenbild, Kostüme – alles wurde in nur einer Woche eingeübt und vorbereitet.

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