Mit Leib und Seele HC Thurgau

Der HC Thurgau muss sportlich schon seit geraumer Zeit kleine Brötchen backen. Die hartgesottenen Fans hindert dies jedoch nicht, weiter an den Verein zu glauben und ihr Herzblut in ihr liebstes Hobby zu investieren.

Remo Fuchs
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Die treusten HCT-Fans waren auch gestern abend beim Match HC Thurgau gegen Langenthal in Weinfelden mit dabei. (Bilder: Mario Gaccioli)

Die treusten HCT-Fans waren auch gestern abend beim Match HC Thurgau gegen Langenthal in Weinfelden mit dabei. (Bilder: Mario Gaccioli)

EISHOCKEY. «Scho-lolololololoo» tönte es wie fast bei jedem HCT-Heimspiel in der Weinfelder Güttingersreuti. Auch gestern Freitag, als der HC Thurgau vor 561 Zuschauern, bei der 3:5-Niederlage gegen Langenthal, um Punkte kämpfte. Trotz der gossen sportlichen Misere halten gut ein paar Dutzend Hardcore-Fans den arg gebeutelten Spielern des HC Thurgau fast bei jeder Heim- und Auswärtspartie die Stange. Für die Anhänger ist klar: «Wer Fan eines Sportvereins ist, der weiss: Die Liebe zu einem Sportclub hält für immer. Auch in schlechten Zeiten. Das ist ganz normales Fantum.» Diese Aussage unterstreichen zwei Präsidenten der HCT-Fanclubs: Raffael Eberle (East Amigos) und Jörg Orschel (HCT-Fanclub Bodensee).

Auswirkung auf die Stimmung

Der Misserfolg des Vereins geht aber nicht spurlos an den Supportern vorbei. Die East Amigos, der wohl bekannteste Fanclub, um den 25jährigen Präsidenten Raffael Eberle, hat erst kürzlich ein Statement verschickt. Darin steht: «Eine Saison, die zum wiederholten Mal nicht annähernd dem entspricht, was von der Clubleitung versprochen wurde und was man vom HC Thurgau erwarten kann, lässt die Motivation der Fans nicht unberührt. Es lässt sich daher nicht verhindern, dass sich die stimmliche Unterstützung teilweise der Leistung auf dem Eis anpasst – und daher ausbleibt.»

Am gestrigen Abend trommelten und schrien die East Amigos, was das Zeug hielt. Nach den ersten zehn Minuten meinte Eberle: «Die Langenthaler machen enorm Druck. Wir kommen fast nicht aus der Defensive heraus.» Die Stimmung erlitt einen ersten Tiefpunkt nach dem 0:1. Am Ende der ersten 20 Minuten sagte der Fanclub-Präsident: «Mit dem 0:1-Rückstand sind wir gut bedient. Wir lagen schon deutlicher im Rückstand.»

Grosse Hoffnungen gemacht

Jörg Orschel, Präsident vom HCT-Fanclub Bodensee, der diese Saison erst zehn Spiele seiner Lieblingsmannschaft verpasst hat, rechnete nicht mit einem solchen Tief in dieser Meisterschaft: «Speziell vor der Saison, als man von den Verantwortlichen des HCT zu hören bekam, dass das beste Team seit Jahren auf dem Eisfeld stehen wird, haben wir uns schon grosse Hoffnungen gemacht. Nun habe ich das Gefühl, dass sportlich eher ein Rückschritt als ein Fortschritt erzielt wurde.» Dennoch möchte der Märstetter, welcher in Bremgarten wohnt, nicht missen, an die NLB-Spiele zu gehen: «In unserem Fanclub geht es vor allem um das Zusammensein. Wir, 10 bis 15 Personen, die eigentlich immer dabei sind, bewegen uns eher etwas im Hintergrund.»

Im Hintergrund hielt sich gestern abend auch Hansjörg Steffen, Vize-Präsident des HCT-Fanclubs Bodensee. Dennoch strahlte er bei der Aufholjagd der «Löwen», im zweiten Drittel, übers Gesicht und jubelte bei den Treffern zum 2:2. Trotz des erneuten Rückstands (2:3 in der zweiten Pause) sagte Steffen: «Ich bin zufrieden. Endlich haben die HCT-Spieler gekämpft. Aber es wird eng. Wenn Langenthal das Tempo erhöht, sehe ich schwarz für die Thurgauer.» Er sollte recht bekommen.

Anzahl Fans hat abgenommen

Einer, der mit den HCT-Fans einen besonders engen Kontakt pflegt, ist André Twerenbold. Dem Fanarbeiter und Stellvertreter des Sicherheitsverantwortlichen ist eines speziell aufgefallen: «In den letzten drei bis vier Jahren wohnten unseren Spielen konstant etwa 800 bis 900 Anhänger bei. Diese Saison haben sich einige vom harten Kern abgespaltet. Es sind momentan lediglich noch 500 bis 600 Zuschauer im Stadion bei den Heimspielen.»

Die Matchbesucher der gestrigen Partie erlebten beim 3:5 gegen Langenthal bereits die neunte HCT-Niederlage in Serie. Nun können die Thurgauer auch rechnerisch die Playoffs nicht mehr erreichen. Für Raffael Egli, Präsident der East Amigos, ist klar: «Schade, haben wir erneut verloren. Aber der Niederlage zum Trotz. Wir fanen auch in der nächsten Partie wieder für unser Team.»