Ernsthafte Tastenspielereien

Drei Städte, drei Tage, drei Premieren – das sind die ersten Akkordeontage im Thurgau. Drei Veranstalter haben zusammengespannt für ein stilistisch offenes Programm rund um Akkordeon und Bandoneon.

Dieter Langhart
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Srdjan Vukasinovic ist von Susanne Gisin für die Akkordeontage engagiert worden und tritt zweimal auf. (Bild: Dieter Langhart)

Srdjan Vukasinovic ist von Susanne Gisin für die Akkordeontage engagiert worden und tritt zweimal auf. (Bild: Dieter Langhart)

ROMANSHORN / FRAUENFELD / KREUZLINGEN. Das Tasteninstrument des armen Mannes wird es genannt, es ist in fast allen Musiksparten daheim und wird doch gern belächelt: das Akkordeon samt seinen Bauformen Bandoneon, Concertina, Schwiizerörgeli, Bajan. Ein Grund mehr, ihm ein ganzes Festival zu widmen – eines der ganz wenigen in der Schweiz. Und nicht häufig kommt es im Thurgau vor, dass sich gleich drei Veranstalter zusammentun, um grosse Namen zu engagieren.

Susanne Gisin (appassionata, Tägerwilen), Christian Brühwiler (klangreich/GLM Romanshorn), Kurt Gubler und Thomas Schmid (jazz:now/Eisenwerk Frauenfeld) haben nicht bloss fünf Konzerte organisiert, sondern warten mit drei Premieren auf.

Naturtöne auf dem Akkordeon

Das Trio Silenzio mit Geiger Paul Giger, Cellist Cobus Swanepoel und Akkordeonist Srdjan Vukasonivic hat zwar schon miteinander gespielt, aber noch nie abendfüllend. Ihr Konzert dreht sich um die Komposition «silenzio» der Grande Dame Sofia Gubaidulina und eine Komposition des Zürchers Johann Sonnleitner, die Naturtöne nutzt, wie sie Vukasinovic auf seinem Vierteltonakkordeon erzeugen kann.

Der Serbe beschliesst das Festival mit feurigen Balkanklängen (als Meduoteran mit Taylan Arikan) und mit einer Komposition, die Altmeister Daniel Fueter für ihn geschrieben hat: die «Ballade für Streichorchester und Akkordeon». Bei der Uraufführung wird Vukasinovic vom Jugendorchester Oberthurgau begleitet.

Traumwandler und eine Frau

Und da ist noch eine Premiere: zwei Musiker, die noch nie miteinander gespielt haben – auch vor einer Woche noch nicht, wie Susanne Gisin verrät. Aber das haben ein Bandoneonist wie Michael Zisman und ein Perkussionist wie Pierre Favre auch nicht zwingend nötig, die sich wie Traumwandler in ihren eigenen Klängen bewegen und in die eines Mitspielers einfühlen können: zuhörend, aufnehmend, improvisierend. An einem stillen Ort, dem Museum Rosenegg. Dazwischen klingt's jazzig, mit Christy Doran's Buntem Hund, in dem die einzige Festivalfrau ihr Akkordeon hervorholt: Patricia Draeger. Dafür gibt's hernach drei Akkordeonisten allein im Motion Trio.