BOTTIGHOFEN: Er operiert die Kinder Afrikas

Volker Wedler ist Plastischer Chirurg. In seinen Ferien reist der Bottighofer in Krisengebiete, um verwundete Menschen zu behandeln. Gerade besucht er während zweier Wochen Spitäler in Burkina Faso und Mali.

Amy Douglas
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Volker Wedler Plastischer Chirurg (Bild: PD)

Volker Wedler Plastischer Chirurg (Bild: PD)

«Verbrennungen, offene Wunden, Schussverletzungen, zertrümmerte Nasen – das sind nur ein paar Beispiele», sagt Volker Wedler. Der plastische Chirurg ist gestern nach Burkina Faso aufgebrochen, um dort erkrankte Menschen zu heilen. Während zwölf Tagen kümmert er sich um Patienten des Kinderspitals Persis in Ouahigouya. Dann folgen weitere drei Einsatztage in Mali.

Der Bottighofer leistet nicht zum ersten Mal Hilfe in Afrika. Bereits im Jahr 1994 reiste der damalige Assistenzarzt nach Ruanda, um sich um Verletzte des Völkermordes zu kümmern. Seither begibt er sich unter der Organisation «Interplast Switzerland», deren Mitbegründer er ist, jährlich auf Freiwilligeneinsätze in Krisengebieten. Ein gefährliches Unterfangen, bei dem der 50-Jährige manchmal um die eigene Sicherheit fürchten muss. Im Gaza-Streifen beispielsweise. Man habe Angst vor Entführungen. «Wir mussten in den vergangenen Monaten terroristische Erschiessungen in Ouagadougou in Burkina Faso und Bamako in Mali verfolgen.»

Ärzte und Reporter sind Zielscheiben

In den letzten zwanzig Jahren hat Volker Wedler eingesehen, dass er die Situation für die grosse Masse nicht verbessern kann. «Aber ich möchte mit dem, was ich kann, dazu beitragen.» Manche Einsätze muss Wedler aber aus Gründen der Vernunft ablehnen. Die Reise nach Syrien sei zurzeit zu heikel. «Reporter und Ärzte werden dort mit Vorliebe erschossen», weiss er.

In afrikanischen Ländern wird das Ärzteteam mit gemischten Gefühlen erwartet. «Die Oberschicht begegnet Weissen mit Skepsis», sagt Wedler. Die arme Bevölkerung nehme sie aber jedes Jahr mit Freude auf. «Sie haben grosse Erwartungen.» Über 100 Menschen wollen sich in der kurzen Zeit von den Einsatzkräften operieren lassen. Wedlers Praxis in Kreuzlingen bleibt während des Einsatzes geschlossen. «Die Schönheitsoperationen, die ich in der Schweiz durchführe, ermöglichen mir ein Stück weit das ehrenamtliche Engagement», sagt Volker Wedler. Seine Überzeugung teilt auch die Familie. «Meine 17jährige Tochter Luna begleitete mich letztes Jahr nach Burkina Faso.» Für 2017 stehen bereits weitere Pläne fest: In Jordanien will Wedler beim Aufbau eines chirurgischen Lazaretts für syrische Flüchtlinge mithelfen.