Von naiver Malerei zum Freistil

Seit über 34 Jahren malt Emil Frei detailgetreu traditionelle Alpaufzüge. Zwischendrin erholt er sich beim Gestalten von modernen und abstrakten Bildern. Seine Kunst ist bis im kommenden Januar im Restaurant Sternen in Lengwil zu sehen.

Daniela Ebinger
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Emil Frei geht seiner Leidenschaft nach: Er malt traditionelle Alpaufzüge aus dem Appenzellerland und dem Toggenburg. (Bild: Daniela Ebinger)

Emil Frei geht seiner Leidenschaft nach: Er malt traditionelle Alpaufzüge aus dem Appenzellerland und dem Toggenburg. (Bild: Daniela Ebinger)

LANDSCHLACHT. Wie von zwei verschiedenen Künstlern wirken die Bilder von Emil Frei nebeneinander. Auf den einen Bildern ist das alte Brauchtum Alpaufzug bis ins kleinste Detail gemalt. Sogar die Unterschiede zwischen dem Appenzeller und dem Toggenburger Brauchtum ist gut zu erkennen. «Bei den Toggenburgern tragen die Mädchen eine blaue Tracht, und die Sennen haben sieben silberne Knöpfe an ihren Westen», sagt Emil Frei. Die Appenzeller erkennt man auf seinen Bildern unter anderem an den Hüten mit den zwei roten und zwei grünen Bändeln.

Auch die Bergwelt, meist sind die Churfirsten und der Säntis im Hintergrund zu sehen, ist wahrheitsgetreu abgebildet. Die verschiedenen Himmelsstimmungen entstehen beim Künstler aber spontan während des Malens. Das gibt jedem Kunstwerk seine eigene Note, und keines wirkt wie das andere. Auch die Landschaften seien jeweils reine Phantasie. «Einige Betrachter erkennen dennoch zum Teil Orte, an denen sie durch gewandert sind», sagt Frei und lächelt.

Modernes zur Entspannung

Bei seinen modernen Bildern lässt Emil Frei der Phantasie des Betrachters freien Lauf. Er malt auch Stimmungsbilder im Freistil, wie eine Strasse in der Nacht mit Silhouetten der Natur und fahrenden Autos. Der 64jährige Künstler spielt gerne mit Licht und Farben und zaubert damit verschiedene Stimmungen auf den weissen Hintergrund. «Das ist für mich, im Gegensatz zu den Sennenbildern, die sehr anspruchsvoll sind und eine grosse Konzentration beim Malen erfordern, Entspannung pur», sagt Frei.

Mit diesem modernen Freistil hat der Landschlachter vor sieben Jahren begonnen. «Ich hatte die Nerven für so feine, exakte Arbeiten einfach nicht mehr», sagt der Künstler.

Früher Papier, heute Leinwand

Seit eineinhalb Jahren malt Emil Frei aber wieder mit Freude den Alpaufzug. Auf seinen Bildern sind weisse Ziegen, Sennen-Kinder, Kühe mit ihren grossen Schellen, Sennen in der Tracht und viele weitere Details zu sehen.

Heute benutzt Emil Frei Leinwand als Untergrund für die Bilder. Seine früheren Sennenbilder entstanden jedoch noch alle auf Papier, und sie sind fein säuberlich in einem Rahmen hinter Glas zu betrachten.

Im Restaurant Sternen in Lengwil ist die künstlerische Entwicklung Freis mit seinen verschiedenen Stilen zu bestaunen. Die Ausstellung dauert noch bis Anfang des nächsten Jahres (Kasten).

Alpaufzug hautnah erlebt

Emil Frei ist als Bauernjunge im Hemberg aufgewachsen und hat das Brauchtum vom Alpaufzug bereits als Kind hautnah miterlebt. Der Klang der Schellen ist für ihn harmonische Musik. «Ich höre ihn heute noch in den Ohren», sagt Frei. Schon in seiner Schulzeit hat er gerne und gut gezeichnet. Mit dem Malen von naiven Bildern hat er vor 34 Jahren begonnen. Sein erstes Appenzeller-Bild war ein Geschenk für seinen Schwiegervater.

Seit seiner Pensionierung als Tankwagen-Chauffeur vor einem halben Jahr, vergeht kein Tag im Leben von Emil Frei, an dem er nicht mit Farbe und Pinsel arbeitet.