Auf der Flucht: Gänsehaut für Schüler

Die Schüler der Sekundarschule Alterswilen erlebten am Dienstag, wie es ist, ein Asylbewerber zu sein. Durch ein Simulationsspiel und einen authentischen Vortrag eines Flüchtlings erhielten sie am Projekttag der Schweizerischen Flüchtlingshilfe einen Einblick in die ernste Thematik.

Leandra Reiser
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Mit verbundenen Augen und Knallkörpern im Eimer werden Orientierungslosigkeit und Explosionen simuliert. (Bild: Reto Martin)

Mit verbundenen Augen und Knallkörpern im Eimer werden Orientierungslosigkeit und Explosionen simuliert. (Bild: Reto Martin)

KEMMENTAL. «Stellt euch vor, ihr seid an einem Dorffest. In eurem Land herrscht Bürgerkrieg, doch euer Dorf wurde bisher verschont.» Zwischen die nachfolgenden Worte der Bürgermeisterin krachen plötzlich und unvermittelt Explosionen. Eine Sirene heult, «alle auf den Boden, Hände auf den Kopf!», schreien zwei Soldaten. In der Dunkelheit werden wild durcheinander Namen gerufen, jeder sucht seine Familie.

Dieses Szenario herrschte am Dienstag an der Sekundarschule Alterswilen – glücklicherweise jedoch nur als Simulationsspiel. Durch den Projekttag Flucht und Asyl der Schweizerischen Flüchtlingshilfe wurde den Jugendlichen ein authentischer Einblick in die Realität eines Flüchtlings vermittelt. Währenddessen konnte sich die jüngere Schülerschaft auf einem Spaziergang mit zwei geflüchteten Eritreern oder im Flüchtlingscafé Agathu in Kreuzlingen mit der Thematik beschäftigen.

Schwierig, sich hineinzufühlen

Neben einem Workshop, wo zum Beispiel der Unterschied zwischen einem Flüchtling und einem Migranten erklärt wurde, teilten die Leiter des Programms die Schülerschaft für das Simulationsspiel in Familien ein. Sie selber schlüpften während des Spiels in verschiedene Rollen. Man versuchte, Situationen auf dem Weg von Flüchtenden so realistisch wie möglich zu simulieren. «Du! Wer bist du? Aufstehen! Liegestützen!», wurden die Schüler angebrüllt. Mit einfachen Mitteln wurden so Angstmacherei und Machtdemonstration von Soldaten und Schleppern demonstriert. «Ich glaube, für die jüngeren Generationen wird es immer schwieriger, sich in solche Situationen hineinzuversetzen», meint Lehrerin Regula Enderle. «Dieser Projekttag tut ihnen aber sicher gut.»

Flüchtling berichtet über Flucht

Zurück im warmen Klassenzimmer hielt Jathurshan Premachandrans, einer der Kursleiter, einen Vortrag über seine eigene Flucht. Der eine oder andere Schüler bekam sichtlich Gänsehaut, als der Journalist aus Sri Lanka von seiner persönlichen Geschichte erzählte. Er ist der Schweiz gegenüber positiv eingestellt, spricht fliessend Deutsch nach einem sechsmonatigen Sprachkurs und zehn Jahren in der Schweiz. Trotzdem sieht seine Realität oft traurig aus. «Ich vermisse meine Familie. Vielleicht sehe ich sie nie wieder.»

Der Projekttag war für die Jugendlichen insgesamt sehr eindrücklich: «Man muss echt Respekt haben vor solchen, die das alles wirklich erlebt haben», lautet das Fazit. Schulleiter Chrigel Lutz zeigt sich ebenfalls begeistert von dem Projekt. Es ging ihm vor allem darum, dass echte Begegnungen zustande kommen – was auf alle Fälle gelungen ist.

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