Conny-Land hält Importverbot für willkürlich

LIPPERSWIL. Der Freizeitpark Conny-Land in Lipperswil bezeichnet das gestern von der vorberatenden Kommission des Nationalrats beschlossene Importverbot für Delfine und Wale als willkürlich. «Wenn der Nationalrat diesen Entscheid stützt, wird Conny-Land das Referendum gegen die Revision des Tierschutzgesetzes ergreifen», sagt Geschäftsführer Erich Brandenberger.

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Das Conny-Land wird sich gegen ein Importverbot von Delfinen wehren. (Bild: Susanne Basler/Archiv)

Das Conny-Land wird sich gegen ein Importverbot von Delfinen wehren. (Bild: Susanne Basler/Archiv)

«Mit grosser Enttäuschung» habe der Freizeitpark Conny-Land von der knappen Entscheidung der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) Kenntnis genommen, die an ihrer letzten Sitzung ein Importverbot für Delphine und Wale in die Schweiz beschlossen hat.

Gegen den Gleichheitsgrundsatz
«Die Mehrheit der Nationalratskommission hat rein emotional entschieden, obschon es begründete Zweifel an der Rechtmässigkeit eines Importverbotes gibt, das gegen nur eine einzige Wildtierart gerichtet ist», heisst es in einer Medienmitteilung des Conny-Lands. Geschäftsführer Erich Brandenberger bezieht sich dabei auf ein Gutachten der Rechtsanwältin Isabelle Häner. Darin werde festgehalten, dass das Importverbot für Delfine und Wale ungerechtfertigt sei, weil es keine sachlichen Gründe dafür gebe, das Tierschutzgesetz in dieser Form zu ändern. Internationale wissenschaftliche Studien hätten erwiesen, dass die Delfinhaltung das Wohlbefinden der Tiere nicht beeinträchtige und Delfine in Tierparks durchschnittlich sogar länger leben würden als jene in Freiheit. Gemäss dieser Studie, auf die sich das Conny-Land stützt, sei ein solches Verbot zudem verfassungswidrig, weil es gegen den in der Bundesverfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz verstosse. «Die Halter von Delfinen würden durch ein solches Verbot anders behandelt als die Halter anderer Wildtiere», zitiert Brandenberger aus dem Gutachten. Die vorgesehene Änderung des Tierschutzgesetzes sei willkürlich und unrechtmässig.

Tod von Delfinen ausschlaggebend
Ausschlaggebend für dieses allfällige Importverbot von Delfinen und Walen sei wohl der Tod von zwei Delfinen im Conny-Land im letzten Jahr gewesen. «Es gibt aber starke Indizien dafür, dass diese beiden Tiere von Dritten böswillig vergiftet worden sind, um das Conny-Land zu diskreditieren», schreibt Brandenberger in der Medienmitteilung weiter. Ein unter Verschluss gehaltener Untersuchungsbericht des Gerichtsmedizinischen Instituts St.Gallen bestätige diese Theorie. «Die Gerichtsmediziner wiesen im Urin beider Tiere ein Opium-Derivat nach, das tödlich wirken kann. Diese Substanz war nie im Besitz der Tierärzte, welche die beiden Delfine behandelt hatten», so Brandenberger weiter. Auch im Conny-Land selbst sei die Substanz nie vorhanden gewesen. Damit sei für die Betreiber des Freizeitparks klar, dass die Substanz von Drittpersonen gezielt in den Futterfisch der beiden männlichen Delphine gemischt worden sei. Die Staatsanwaltschaft Thurgau habe laut Brandenberger um diesen Befund gewusst, aber nie in diese Richtung ermittelt.

Importverbot für andere Wildtiere?
«Wenn der Nationalrat auf dieser Basis tatsächlich ein Importverbot für Delfine und Wale beschliessen sollte, dann werden wir gegen die Revision des Tierschutzgesetzes das Referendum ergreifen», kündigt Conny-Land-Geschäftsführer Brandenberger an. «Es kann ja nicht sein, dass jene, die unsere Tiere vergiftet haben, um uns in Verruf zu bringen, dafür auch noch belohnt werden.»
Das Conny-Land sei mit seinem Widerstand gegen die geplante Revision des Tierschutzgesetzes nicht allein. Auch seitens der grossen Schweizer Zoos und ihres Verbandes «zooschweiz» werde Widerstand laut, heisst es weiter im Communiqué. Die Zoos befürchteten, dass zu einem späteren Zeitpunkt unter Umständen auch der Import anderer Wildtierarten gesetzlich verboten werden könnte. Für Anna Baumann, Mitglied von «zooschweiz», würde mit einem generellen Importverbot von Wildtieren die Aufgabe der Zoos in der Schweiz in Frage gestellt, wie sie auf Anfrage sagt. «Wir brauchen die genetische Variabilität. Der Erhalt und die Zucht von vielen Tierarten ist unsere Aufgabe.» Es könnte durchaus sein, hält sie fest, dass auch «zooschweiz» das Referendum ergreifen würde. (chs)

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