Coole Schwingfeste mit echten Kerlen

SIRNACH. Neben älteren Herren, die stoisch ihre «Chrummen» rauchen, sieht man an Schwingfesten auch immer mehr junge Erwachsene, die vom Sport und dem Drumherum begeistert sind. Am gestrigen Sirnacher Hochwacht-Schwinget gab es wieder schöne Schwinger zu bestaunen.

Mathias Frei
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Forfait: David Zbinden hat sich verletzt, Freundin Larissa Bale friert. (Bilder: Donato Caspari)

Forfait: David Zbinden hat sich verletzt, Freundin Larissa Bale friert. (Bilder: Donato Caspari)

Die gmögige Schwyzerörgeli-Musik aus den Lautsprechern verbläst der Wind, weht dafür den 900 Besuchern am Hochwacht-Schwinget den kalten Nieselregen ins Gesicht. Trotz gemütlichem Festzelt und lecker duftenden Würsten auf dem Grill: Es ist unwirtlich an diesem Sonntagvormittag.

Ein Pflichttermin für die 29jährige Frauenfelderin Laura Gsponer, den sie aber gerne wahrnehme. Wegen ihres Freundes ist sie hier. Der Schweizer Christof vom Schwingerverband Unterthurgau. «Du bist die erste Freundin, die mich an Schwingfeste begleitet», habe er ihr mal gesagt. Das Eidgenössische in Frauenfeld war ihr erstes – «ein super Fest». Seither geht sie regelmässig. Je nach Wetter und dem Ausgang am Vorabend schaffe sie es auch mal erst auf den Sonntagmittag. Aber immer mit dabei sind ihre zwei Freundinnen Rebekka Grossglauser (32) aus dem sanktgallischen Marbach und Michele Röthlisberger (28) aus Frauenfeld. «Schwingen ist cool, so schweizerisch, so gemütlich», sagt Schwingerfreundin Gsponer. «Schon oft waren wir am Sonntagabend dann ziemlich fröhlich», verrät Rebekka Grossglauser. Heute gab's bisher erst warmen Tee ohne Schuss für die drei.

Schwingerkönig oben ohne

«Und ein Schwingfest ist auch was fürs Auge. Hier sieht man schon noch echte Männer», findet Michele Röthlisberger. Ihr Chrigi hat sich mittlerweile zum nächsten Gang auf dem Sägemehl verabschiedet, da stimmt auch Laura Gsponer in das Loblied auf die schönen Schwinger ein. «Den Kilian würde ich gerne mal oben ohne sehen.» Der Wenger Kilian ist der Schwingerkönig vom Eidgenössischen in Frauenfeld. Aber ihr Freund sei auch ganz gut. Von den Gabentischen habe er zum Beispiel schon eine schöne Uhr oder eine Pfeffermühle nach Hause gebracht.

Der Wenger ist auf der Hochwacht nicht dabei, dafür der Kradolfer Näf Pius. Der zweimalige Kantonal-Kranzgewinner vom Schwingclub am Ottenberg hat den ersten Gang gestellt. Jetzt müsse er zuerst seine Hände aufwärmen. Gestern hat er einen ruhigen Abend verbracht, war mit Kollegen am Jassen. «Wenn man was erreichen will, schaut man schon, dass es vor den Festen nicht zu wild wird», sagt der 23-Jährige. Die Jungen würden sowieso wieder vermehrt das Ruhige, Gemütliche suchen, ist Näfs Ansicht. Auf dem Schwingplatz könne man zusammensitzen, eins trinken, und vor allem sei es nicht so laut wie in der Disco. Der Näf Pius schwingt seit 16 Jahren. Der ältere Bruder und der Vater waren auch Schwinger.

Wenn die Freundin kommt

Vor der Mittagspause wird der Regen weniger, der Boden aber umso tiefer. Stroh wird verteilt, wo die Wiese zu braun ist. Der Näf Pius hat den zweiten Gang gewonnen. Nun rechnet er sich sogar noch Chancen für das Ausstechen aus. Vielleicht kommt später noch seine Freundin auf den Schwingplatz. «Es ist schön, wenn sie jeweils dabei ist.»

Bald den Heimweg antreten wird dafür der Zbinden David aus Uesslingen. Den 23-Jährigen vom Schwingverband Unterthurgau hat's im verlorenen ersten Gang im Rücken gezwickt. Forfait. Denn er will seinen Start am Kantonalen in Roggwil nicht gefährden. Seit knapp zwei Jahren ist er mit Larissa Bale (25) aus Wiesendangen zusammen. Durch ihn sei sie erst auf das Schwingen gekommen. «Und jetzt finde ich Schwingfeste megacool», sagt Larissa Bale. Was sie am Schwingen fasziniert: «Das ist ein Sport mit sehr viel Körperkontakt, trotzdem sind die Schwinger friedlich und sehr kontrolliert.» Von einem Kampf der anderen Art spricht ihr Schwinger: dass man nicht zu spät aus dem Ausgang heimkommen sollte, weil man am Schwingfest früh raus muss. Als der Zbinden David 13 Jahre alt war, hat ihn ein Kollege zum Schwingen «überschnorret», mittlerweile zählt er sich zum vorderen Mittelfeld.

Volle Thurgauer Schwingkeller

Aber heute ist es seiner Freundin einfach zu kalt. Obschon sie sagt: «Schwinger sind attraktiv anzusehen.»

Und der Schwingsport scheint auch populär zu sein. Die Schwingkeller im Thurgau seien voller Jungschwinger, hört man allerorten. «Da <räblets» mit="" den="" jungen»,="" sagt="" esther="" lüthi="" vom="" schwingerverband="" hinterthurgau.="" kalt="" bleibt's="" trotzdem="" an="" diesem="" sonntag="" auf="" der="" hochwacht.<="" p=""></räblets»></p><p></p>

Will was erreichen: Pius Näf gewinnt seinen zweiten Gang. (Bild: Donato Caspari)

Will was erreichen: Pius Näf gewinnt seinen zweiten Gang. (Bild: Donato Caspari)

Fröhlich: Laura Gsponer, Rebekka Grossglauser, Michele Röthlisberger. (Bild: Donato Caspari)

Fröhlich: Laura Gsponer, Rebekka Grossglauser, Michele Röthlisberger. (Bild: Donato Caspari)