Tierschützer über Nationalrats-Entscheid erfreut

LIPPERSWIL. Der Nationalrat will die Delfinhaltung in der Schweiz verbieten. Die Tierschutzorganisation OceanCare begrüsst den Entscheid. Im Delfinarium im Connyland wird die Saison trotzdem am 31. März eröffnet.

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Zwei Delphine starben im vergangenen November im Connyland. (Archivbild: Reto Martin)

Zwei Delphine starben im vergangenen November im Connyland. (Archivbild: Reto Martin)

«Seit 23 Jahren engagieren wir uns für die Anerkennung der wissenschaftlich belegten Tatsache, dass Wale und Delfine in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können», sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von OceanCare, nach dem Entscheid des Nationalrats.

Auch der Schweizer Tierschutz STS begrüsst das mögliche Verbot der Delfinhaltung: «Artgerechte Haltung ist in guten Zoos zwar möglich und sollte nicht über Verbote geregelt werden. Delfine allerdings gehören zu den weniger Arten, bezüglich derer Haltung grundsätzliche Zweifel angebracht sind.» Der STS bezeichnet das Connyland als «ein Rummelplatz» und «kein wissenschaftlich geführter Zoo».

Anders sieht das Connyland-Geschäftsführer Erich Brandenberger. Auf Anfrage von NZZ Online sagt er, dass als logische Konsequenz auch die Haltung von Eisbären, Löwen, Tigern, Menschenaffen, Elefanten und Giraffen verboten werden müsste. Brandenberger hofft, dass sich der Ständerat gegen den Willen des Nationalrates stellt.

Zwei Delfine starben innert einer Woche
Im Freizeitpark Connyland in Lipperswil wird derweil am 31. März die Saison eröffnet - mit drei Delfinen. Im vergangenen Herbst starben im Connyland zwei Delfine innerhalb einer Woche. Laut Untersuchungen war das Gehirn der Tiere durch ein Antibiotikum geschädigt worden.

Das Connyland zweifelt die Untersuchung des Tierspitals Zürich an und hat deshalb eigene Abklärungen in die Wege geleitet.

Tierschützer fordern seit Jahren die Schliessung des Connyland. Der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig erteilte den Forderungen jeweils Absagen, da es aus seiner Sicht keine Beanstandungen an der Tierhaltung im Freizeitpark gab.

Witzig ist in Kontakt mit Fachleuten, welche die Delfinhaltung im Connyland erneut untersuchen sollen. Mittels Gutachten sollen die Experten herausfinden, ob die Tierhaltung im Freizeitpark akzeptabel ist. Hinter diesem Vorgehen steht auch der Bund.

Import soll geprüft werden
Im einzigen Schweizer Delfinarium leben noch ein erwachsenes Weibchen und deren zwei männliche Jungtiere. Weil der ältere männliche Delfin bald geschlechtsreif wird, wollen die Betreiber neue Tiere importieren. Eine entsprechende Vorabklärung ist beim Kantonstierarzt eingereicht worden, der Entscheid steht noch aus. Letztmals führte das Connyland vor über zwanzig Jahren Delfine ein.

Sollte sich herausstellen, dass die toten Delfine vergiftet worden - und nicht durch ein Antibiotika gestorben - sind, dann will sich das Connyland auf das Europäische Zuchterhaltungsprogramm berufen: «Es ist nichts als unser Recht, die uns gewaltsam weggenommenen Tiere über das Erhaltungsprogramm zu ersetzen», sagt Brandenberger gegenüber der NZZ.

Für den 1. April haben Tierschützer und das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) eine Demonstration vor dem Connyland angekündigt. Weil sich Teile der SVP und der CVP im Nationalrat gegen ein Verbot der Delfinhaltung ausgesprochen haben, wollen die Tierschützer die Parteien als «Mörder von Tierschutzrechten» darstellen, wie es in einer Medienmitteilung des WDSF heisst. Die Gemeinde Wäldi hat die Demonstration bewilligt. (rr)

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 14.03.2012.